46ers-Niederlage zum Saisonabschluss

Die letzten 2:52 Minuten brachten noch einmal viel Applaus, insbesondere auf der Bank: Für Joe Werner kam Falko Theilig aufseiten der LTi Gießen 46ers in die Partie, was die Fans ebenso wie Center Elvir Ovcina zuvor mit minutenlangen Gesängen "Wir wollen den Falko sehen" gefordert hatten. Damit standen am Samstagabend in den Schlussminuten der Basketball-Bundesliga-Partie Gießen beim Mitteldeutschen BC mit Theilig, Mathias Perl, Johannes Lischka, Max Weber und Jannik Freese fünf Deutsche im Gießener Trikot auf dem Parkett - die beste Erinnerung an die 65:84 (39:49)-Niederlage der 46ers.

Am Ende war es ein Spiel, wie es viele bereits zuvor erwartet haben: Für beide Mannschaften ging es um die berühmte "goldene Ananas", also um gar nichts mehr, aber der MBC hatte nicht nur die Saison über viele Erfolgserlebnisse gefeiert, sondern auch noch den Heimabschluss. "Die Mannschaft, die mehr Energie gezeigt hat, hat gewonnen", befand auch Gießens Trainer Vladimir Bogojevic nach der Partie. Zuvor waren die Gießener Spieler teilweise so aufmerksam wie jener MBC-Fan, der vor dem Spiel nicht mitbekam, dass Maskottchen "Wolf" ihm einen Ball zuwarf - erst als der Ball schon von seiner Stirn abgeprallt war, wusste der Mann, wie ihm geschah. Während der Weißenfelser nur einmal nicht aufpasste, wurden die Gießener gleich viermal auf die gleiche Art kalt erwischt, als Ade Dagunduro per Alley-Oop spektakulär abschloss. Auch die zehn Ballverluste allein im dritten Viertel (23 insgesamt) sprechen für Bogojevics These, dass "die letzte Konsequenz gefehlt hat". Aufseiten der Gießener bleiben am Ende nicht viele Dinge neben der "deutschen Fünf" in Erinnerung: Ein Dreier aus knapp neun Metern von Kevin Johnson mit der Schlusssirene des ersten Viertels, die ersten Bundesligapunkte von Theilig oder der sehenswerte Block von Johnson gegen Giorgi Gamqrelidze aus Georgien.

Und natürlich die gute Offensivleistung von Max Weber: Mit 15 Punkten gegen Weißenfels und zuvor neun Zählern gegen Bonn verbuchte der Defensivspezialist knapp ein Drittel seiner erzielten Punkte in dieser Spielzeit in den letzten beiden Saisonspielen. "Er traut sich auf jeden Fall mehr zu. Defensiv gibt er uns immer sehr viel, aber es war natürlich zu wenig, dass er in manchen Spielen in 30 Minuten nur einmal auf den Korb geworfen hat. Es freut mich, dass er jetzt zeigt, dass er auch zu mehr in der Lage ist", zeigte sich Bogojevic mit der Entwicklung des gebürtigen Niedersachsen zufrieden. "Ich versuche einfach, aggressiver zu sein. Ich wusste ja, dass es geht, aber das Spiel gegen Bonn hat mir auch noch einmal mehr Selbstbewusstsein gegeben", meint auch Weber, der in der Stadthalle Weißenfels eine neue persönliche BBL-Bestleistung aufstellte.

Keine BBL-Bestleistung, aber die beste Platzierung seit den Zeiten von Chuck Eidson, Anton Gavel und Co. können die 46ers mit Tabellenplatz 14 für sich verbuchen. Zuletzt konnte man im Jahr 2006 mit dem elften Rang besser abschneiden, danach folgten unter den Trainern Koch/Scalabroni (Platz 16), Leibenath (ebenfalls Platz 16) und Cote/Bogojevic (Platz 17) drei magere Jahre. Angesichts des wirtschaftlichen Konsolidierungskurses, den die Gießener eingeschlagen haben, kann man Platz 14 sicherlich als Erfolg verbuchen. "Wenn man sich überlegt, dass uns die Fans vor einem Jahr noch Blumen als Zeichen der Trauer auf das Parkett geworfen haben, ist es ganz beachtlich, dass wir in diesem Jahr den Klassenerhalt einen Spieltag vor Ende der Saison eingetütet haben", so Geschäftsführer Christoph Syring

Mit dem Saisonausklang verabschieden sich nun wieder alle Spieler aus Gießen. Einzig die beiden serbischen Talente Stevan Tapuskovic und Viktor Jacovic sind derzeit für die nächste Saison vertraglich an die 46ers gebunden, ansonsten ist der Kader für die Saison 2010/2011 noch leer. Nachdem Bogojevic bereits in den Tagen vor dem MBC-Spiel mit den Akteuren Einzelgespräche geführt hat, steht für fast alle Spieler nun am heutigen Montag die Heimreise an.

Pointguard Lorenzo Williams, der aufgrund eines Mittelhandbruchs für die letzten Saisonspiele ausgefallen war, reiste bereits in der vergangenen Woche zurück in die USA. Einzig Publikumsliebling Joe Werner treibt es noch nicht sofort zurück ins heimatliche Wisconsin: Der Powerforward wird mit seiner Frau Katy noch eine zweiwöchige Reise durch Europa machen, ehe es dann Mitte Mai von Frankfurt aus zurück in die USA geht. Der scheidende Assistenztrainer Gerald Wasshuber dagegen verabschiedete sich nach der Partie in Weißenfels in Richtung Tschechien: Dort wird der Österreicher mit seinem ehemaligen Chef Ken Scalabroni, inzwischen Cheftrainer beim USK Prag, zusammentreffen, um zu entspannen. Das können nun auch die Fans, an die das Saisonschlusswort von Bogojevic gerichtet war: "Wir hatten in Weißenfels wieder einen tollen Support - danke dafür." Martin Vogel

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