46ers müssen nach Bonn

Einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt können die Gießen 46ers in der Basketball-Bundesliga am Sonntag machen, wenn sie um 17 Uhr bei den Baskets Bonn gastieren.

(gae) Es war später Dienstagabend – so gegen 22.30 Uhr, als Benjamin Lischka die Spieler der Gießen 46ers in der Osthalle zum gemeinsamen Abklatschen mit den Fans anführte. Die rechte Hand ballte er zu einer Faust und streckte sie immer wieder triumphierend in die Höhe, mit der linken gab er den euphorisiert wirkenden und an der Bande sehnsüchtig wartenden Menschen »five«. Der gebürtige Gießener feierte auf seine eigene Art und Weise den eminent wichtigen 74:69-Sieg gegen den Mitteldeutschen BC – und wusste dabei, dass seine bärenstarke Leistung der Schlüssel zum Erfolg war.

Noch gezeichnet mit einem blauen Auge vom Derby in Frankfurt, erklärte der Powerforward nach der 40-minütigen Berg- und Talfahrt seines Teams: »Ich habe probiert, alles zu geben, weil es für uns ein wichtiges Spiel war. Gegen den Tabellenletzten müssen wir zu Hause gewinnen, wenn wir in der Liga bleiben wollen.«

Fast schon als einen Meilenstein im Kampf um den Erhalt in der Basketball-Bundesliga kann man den Sieg für die 46ers bezeichnen. Denn obwohl sie nicht an ihrem Limit gespielt haben und sich Führungsspieler wie Cameron Wells und Suleiman Braimoh weiterhin im Formtief befinden, haben die 46ers gewonnen. Das ist für Coach Denis Wucherer »ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und womöglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden«. Einen weiteren Schritt in die angestrebte Richtung kann der Tabellenelfte aus Mittelhessen am Sonntag machen, wenn er um 17 Uhr bei den Baskets Bonn gastiert.

Status quo: Von wegen besinnlicher Jahresausklang. Die Karsten Tadda und Co. haben bislang 14 Pflichtspiele in den Knochen – und bis zur Allstar-Day-Pause stehen weitere drei innerhalb von sieben Tagen an. Ein Mammutprogramm für das Gießener Team, das auf dem Zahnfleisch zu gehen scheint. Daher wird Wucherer das Training bewusst dosieren. Gestern stand zum Beispiel eine Einheit Regeneration an. »Die Müdigkeit muss aus den Beinen«, so der Coach. Für heute bittet er seine »Jungs«, wie er seine Spieler gerne nennt, um 11 Uhr in die Halle, am ersten Feiertag dagegen erst um 17 Uhr, damit sie ein bisschen abschalten können.

Taktik: Noch ist Zeit, die Bonner zu studieren, da sie gestern nach dem überraschenden Trainerwechsel Carsten Pohl für Mathias Fischer (u. a. 2012/13 Trainer der Gießen 46ers) bei den Tigers in Tübingen auflaufen mussten. »Das Spiel werden wir uns ganz genau anschauen«, versprach Wucherer, der grundsätzlich nichts davon hält, einen Trainer während der Saison von einem anderen ersetzen zu lassen. »Anfänglich weht da frischer Wind, dann nivelliert sich aber die ganze Sache«, so der 42-Jährige. Er sieht bei seiner Mannschaft indes noch Luft nach oben. »Wir können individuell deutlich besser spielen, dann wird sich auch die Teamqualität erhöhen.« In Bezug auf Bonn stellt er fest: »Es ist nicht ganz klar, was uns dort erwarten wird. Aber wir müssen ihnen die Dreier wegnehmen und ihnen mit unserer Verteidigung das Leben schwer machen.«

Gegner: Schlechte Zeiten für die Männer in Magenta. In der Bundesliga läuft es für die Bonner nach einem tollen Start überhaupt nicht mehr. Vor dem Spiel in Tübingen war die Bilanz für den Playoff-Kandidaten mit drei Siegen und sieben Niederlagen niederschmetternd. Das hat die Verantwortlichen um Klubpräsident Wolfgang Wiedlich zum Handeln gezwungen. Der 44 Jahre alte Fischer, der erst kürzlich seinen Vertrag bis 2017 verlängert hat, musste gehen –, der 50-jährige Carsten Pohl, sportlicher Leiter des Bonner Nachwuchsprogrammes, übernahm und feierte gestern bei den Tigers sogleich seinen ersten Sieg. Die Baskets suchen auf jeden Fall Verstärkung, da sich mit Center Tadas Klimavicius am letzten Wochenende ein weiterer Führungsspieler am Knie verletzte. Wie zu vernehmen war, besteht durchaus Interesse, den Ex-Gießener Ekene Ibekwe für ein Engagement in Bonn zu gewinnen.

Schlüsselspieler: Unter Fischer wurde bei den Baskets das schnelle Spiel favorisiert, gepaart mit vielen Dreiern. Da wird sich an der grundsätzlichen Spielweise trotz des Wechsels auf dem Chefsessel nichts Großartiges ändern. Dreh- und Angelpunkt der Bonner ist Aufbauspieler Eugene Lawrence. Der Amerikaner hat ein gutes Auge für seine Mitspieler (6,6 Assists im Schnitt) und steuert im Angriff rund acht Punkte pro Spiel bei. Der gefährlichste Spieler in Magenta ist aber Aaron White. Der 23-jährige Rookie legt insgesamt die besten Werte auf und ist mit 14,1 Punkten der Topscorer der Baskets. Aufpassen müssen die 46ers zudem auf den Routinier Jimmy McKinney, ein alter Hase der BBL, den man nicht heißlaufen lassen sollte (im Schnitt 9,9 Punkte). Nicht vernachlässigen sollte man den Guard Rotnei Clarke, ein exzellenter Werfer jenseits der 6,75-m-Linie (42,4 Prozent).

Zahlenvergleich Bonn: 78,1 Punkte im Schnitt / Gießen: 77,6 – Trefferquote aus dem Feld: 44,7/45,0 – Dreierquote: 33,5/35,4 – Rebounds: 34,2/32,6 – Assists: 18,4/19,0 – Körpergröße: 1,96 m/1,98 m – Gewicht: 93,5/94,1 – Alter: 25,3/25,2 – Bilanz: 6 Siege, 8 Niederlagen / 6 Siege, 8 Niederlagen – Rang: 12. Platz/11.

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