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Tolle Choreografie der Fans beim Auftakt – wobei die Taten der Gießen 46ers nach dem 65:66 gegen Hamburg noch folgen müssen. (mv)

Bei den 46ers ist mehr Individualität gefragt

Den Saisonauftakt gegen Hamburg haben die Gießen 46ers verpatzt. Doch wer zählt innerhalb des Teams zu den Gewinnern und den Verlierern des Spiels? Unsere Analyse.

Denis Wucherer wirkte angeschlagen. Die Enttäuschung stand dem Coach der Gießen 46ers ins Gesicht geschrieben. Den Saisonauftakt gegen die Hamburg Towers hatte er sich anders vorgestellt.

Sicher nicht mit einer 65:66-Niederlage und sicher nicht mit solch einer schwachen Vorstellung seines Pro-A-Teams. So flüchtete sich der Basketball-Trainer bei der Analyse ein wenig in Sarkasmus, sprach von "viel Raum für eine Steigerung" und davon, dass es gut sei, dass noch 29 Spiele folgen.

Man wurde das Gefühl nicht los, dass ihn irgendetwas bedrückt. Eine getarnte Last, die auch die Mannschaft zu lähmen schien. Erst als kurz vor Schluss die Hamburger auf 64:57 wegzogen und keiner mehr einen Pfifferling auf die 46ers gab, lösten TJ DiLeo und Co. die Blockade und zeigten ihre individuellen Fähigkeiten. Letztlich hätte es zwar einer Menge Dusel bedarft, um die Partie noch zu drehen, doch die erfolgreichen Distanzwürfe von Besnik Bekteshi und DiLeo brachten die Norddeutschen am Ende noch mächtig ins Schwitzen.

Den Vorwurf, dass die Mannschaft nicht bis zuletzt gekämpft hätte, kann man ihr nicht machen. Der Einsatz des jungen Jonathan Malu war vorbildlich, nur seine Ausbeute bei den vermeintlich leichten Korblegern unterirdisch. Dennoch avancierte der unbekümmerte und immer mit Volldampf agierende 21-Jährige, der wirklich dorthin ging, wo es richtig wehtut, zum Publikumsliebling. Ebenfalls Eric James Palm schonte seinen Körper nicht. Als er zum waghalsigen Sprung über die Bande ansetzte, um den Ball noch im Spiel zu halten, hielten die Fans den Atem an. Dass der Shootingguard unverletzt davonkam, glich fast schon einem kleinen Wunder.

Das Höchstmaß an Körpereinsatz indes hatte man sich von Björn Schoo erwartet. Dafür wurde er verpflichtet. Der 2,13-m-Riese – eigentlich bekannt für sein physisches Dagegenhalten – fiel überhaupt nicht auf, was bei dieser Größe eigentlich schwerfällt. Er stand neben sich und musste daher die meiste Zeit auf der Bank sitzen. Mit Cameron Wells brachte ein weiterer Leistungsträger sein Potenzial nicht auf die Platte. Der bundesligaerfahrene Spielmacher agierte viel zu langsam, zu ruhig und ohne zündende Ideen.

Zudem hatte der Amerikaner das eine oder andere Mal Probleme, den Ball unfallfrei über die Mittellinie zu dribbeln. Der 1,86 m große Guard muss auf der Königsposition viel dominanter auftreten.

Zu den Gewinnern dagegen zählte eindeutig der 21-jährige Bekteshi. Er brachte den frischen Wind in die Mannschaft, den die Fans vor dem Spiel mit einer tollen Choreografie gefordert hatten. Sein jugendlicher Elan, seine Unbekümmertheit und seine Intuition, mal frühzeitiger aus der angedachten Angriffsstruktur auszusteigen, tat dem oftmals schwerfälligen Spiel der 46ers gut. Was bringt es, sich zu sehr auf die Systeme zu versteifen, ohne dass die individuellen Fähigkeiten zum Tragen kommen? Und das ist bei Bekteshi sowie bei Palm der überraschende Wurf aus dem Dribbling heraus.

Vermisst wurde unterdessen Benjamin Lischka. Der pro-a-erfahrene Haudegen musste sich den zerfahrenen Auftritt seiner Mannschaft von der Bank aus ansehen. Eine Augenverletzung machte seinen Einsatz unmöglich. Doch der Center ist guter Dinge, dass er am Wochenende beim Doppelspieltag in Leverkusen (Freitag, 17 Uhr) und in Jena (Sonntag, 16.30 Uhr) dabei sein wird. Der 25-Jährige erhält Anfang der Woche eine Spezialbrille. Sein Kommentar zum Samstag: "Spiel abhaken und positiv nach vorne schauen." Durchaus ein Motto, mit dem die Gießen 46ers die nächsten beiden Aufgaben angehen sollten. Wolfgang Gärtner

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