LTi 46ers als krasser Außenseiter nach Ulm

(kus) Bei Ratiopharm Ulm läuft es derzeit richtig rund. Am Mittwoch zum Beispiel schlug man Bayern München mit 76:75. Kein Wunder also, dass bislang alle Heimspiele der Ulmer ausverkauft waren – auch nach dem Umzug im Dezember in die Ratiopharm-Arena. Das gilt auch für die Partie am Sonntag (16 Uhr) gegen die LTi Gießen 46ers.

Diese treten höchstwahrscheinlich noch ohne neuen Flügelspieler und nicht nur deshalb als Außenseiter beim Tabellenzweiten an.

"Es gibt nichts zu verlieren. Wir können die Aufgabe bei einer der Top-Mannschaften ohne Druck angehen", sagt LTi-46ers-Trainer Björn Harmsen, für dessen Team es in erster Linie darum geht, sich ordentlich zu verkaufen. "Um in Ulm eine Überraschung zu schaffen, müssten wir ein perfektes Spiel abliefern, alle müssten ihr Limit erreichen", versucht der Coach das Duell des Spitzenteams gegen einen Abstiegskandidaten realistisch einzuordnen. Zumal die Gießener personelle Sorgen plagen. Denn neben dem Ausfall von Topscorer Maurice Jeffers stehen Fragezeichen hinter den Einsätzen von Powerforward Koko Archibong und Guard Wayne Bernard. Während Archibong wegen Knieproblemen nicht trainieren konnte, fehlte Bernard wegen Bauchschmerzen. "Er hat schon seit einigen Tagen starke Schmerzen, das hat man auch gegen Frankfurt gesehen. Wir lassen jetzt von einem Internisten erst einmal die Ursache abklären und hoffen, dass es nichts Schlimmeres ist", sagt Harmsen. Auf einen Jeffers-Ersatz wird er in Ulm noch verzichten müssen. "Es ist nicht unrealistisch, dass wir bis zum Wochenende jemanden hier haben werden. Aber selbst dann würde es wohl keinen Sinn machen, ihn schon in Ulm einzusetzen." Drei Spieler hatte der Coach am Donnerstagmittag auf dem Zettel, alle drei weilten zu diesem Zeitpunkt noch in den USA und sollen bei einer Verpflichtung zunächst mit einem Vier-Wochen-Kontrakt ausgestattet werden. "Einen davon dürften die Leute kennen", verrät Harmsen, der jedem aus dem Kandidaten-Trio zutraut, Jeffers adäquat zu ersetzen. "Wir wollen auf jeden Fall bis zum Tübingen-Spiel jemanden hier haben", lautet das Ziel des Coachs. Die Walter Tigers sind am 14. Januar in der Osthalle zu Gast – und dürften im Gegesatz zu den Ulmern ein Gegner auf Augenhöhe für die Gießener sein, die als Drittletzter punktgleich mit den auf einem Abstiegsplatz stehenden Trierern sind. Tübingen hat derzeit einen Sieg mehr auf dem Konto. Zunächst gilt die Konzentration aber Ulm. "Wir dürfen sie nicht ins Rollen kommen lassen, müssen auswärts aggressiver als bisher verteidigen", Harmsen nur zwei Faktoren, die für ein ordentliches Ergebnis wichtig sind. Sein Trainer-Kollege Leibenath hat an der Donau ein sehr ausgeglichenes und auf allen Positionen gefährliches Team zusammengestellt. Herausragend ist der bullige Center John Bryant (2,11 m/127 kg), der im Schnitt auf 14 Punkte und elf Rebounds kommt. Aber auch Powerforward Dane Watts (11 Punkte/7 Rebounds) gehört statistisch gesehen zu den besten Vierern der Liga. Angeführt wird das Team vom deutschen Nationalspieler Per Günther, auf der Position zwei hat Leibenath gegen München Roderick Trice starten lassen, erste Wahl war bis dahin jedoch Isaiah Swann. Flügel Steven Michael Esterkamp komplettiert die Starting Five. Beim 76:75-Erfolg gegen die Bayern waren aber zwei Bankspieler herausragend: Der explosive Pointguard Tommy Mason-Griffin, der in 17 Minuten 19 Punkte erzielte, und schließlich Powerforward Keaton Nankivil, der mit einem Dreier aus acht Metern Entfernung eine Sekunde vor der Schlusssirene den Sieg sicherte.

"Wir müssen den Gegner auf um die 70 Punkte halten, dann ist etwas drin", sagt Harmsen, der seinem Team trotz der "schwierigen Situation" mit vier Niederlagen in Folge und trotz der personellen Probleme eine gute Einstellung attestiert. "Die Moral ist intakt. Die Jungs geben im Training richtig Gas." Das ändert nichts daran, dass sie als krasser Außenseiter nach Ulm fahren.

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