46ers haben die Chance - vergeben aber erneut

Ungläubig schaute Joe Werner immer wieder zur Anzeigetafel, schüttelte mit dem Kopf und zog sein Trikot über den Kopf. Auch seinen Mannschaftskameraden stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Der erste Saisonsieg in der Basketball-Bundesliga war für die Spieler der LTi Gießen 46ers zum Greifen nahe gewesen, am Ende jubelte doch - wie schon nach der Verlängerung gegen Alba Berlin - der Gegner. Mit 68:69 (57:57/34:35) verloren die 46ers.

Ungläubig schaute Joe Werner immer wieder zur Anzeigetafel, schüttelte mit dem Kopf und zog sein Trikot über den Kopf. Auch seinen Mannschaftskameraden stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Der erste Saisonsieg in der Basketball-Bundesliga war für die Spieler der LTi Gießen 46ers zum Greifen nahe gewesen, am Ende jubelte doch - wie schon nach der Verlängerung gegen Alba Berlin - der Gegner. So richtig freuen konnten sich die Ludwigsburger in der mucksmäusenstillen Osthalle allerdings nicht, denn der Tabellensechste hatte die Verlängerung mit einer ordentlichen Portion Glück gewonnen. Ein äußerst fragwürdiger Pfiff des Schiedsrichters 3,1 Sekunden vor Ablauf der Overtime gegen Werner, der in der Defense lediglich am Mann geblieben war, brachte Michael King an die Freiwurflinie. Der Shooting Guard setzte zwar den ersten Wurf daneben und ließ so bei den Fans noch einmal Hoffnung aufkeimen, traf aber den zweiten - und besiegelte damit die knappe 68:69 (57:57/34:35)-Niederlage der 46ers.

"Mit dem letzten Pfiff bin ich absolut nicht einverstanden. Die Spieler haben es nach solch einer Partie verdient, das Spiel zu entscheiden. Aber ich will nicht alles auf die Schiedsrichterleistung schieben, wir hätten das Spiel an der Linie zu unseren Gunsten entscheiden können", war 46ers-Trainer Vladimir Bogojevic mehr als unzufrieden mit der Entscheidung der Unparteiischen, aber auch mit der schwachen Freiwurfausbeute seiner Spieler (13/26).

Großen Anteil daran, dass die Gießener überhaupt die Verlängerung erreichten, hatte einmal mehr David Teague. Der US-Amerikaner, der in den ersten 35 Minuten überhaupt nicht in die Partie fand und bei einer schwachen Wurfausbeute gerade einmal acht Zähler markierte, zeigte sich Ende des vierten Viertels hellwach und erzielte zehn Zähler in Folge. 45:55 (33.) hatten die Gastgeber bereits zurückgelegen und besonders im dritten Viertel eine Leistung zum Haareraufen gezeigt, doch dann lief der Bundesliga-Topscorer heiß und brachte seine Mannschaft durch zwei Drei-Punkte-Spiele, einen zusätzlichen Treffer von der Freiwurflinie und einen Dreier aus gut sieben Metern Entfernung wieder zurück. 1:24 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit stand es plötzlich 57:57.

Sekunden vor dem Schlusspfiff hätte der Flügelspieler gar zum Matchwinner avancieren können, sein Wurf von der Mittellinie traf jedoch lediglich den Ring. Doch auch in der Verlängerung hatten die 46ers ihre Chancen. Maurice Jeffers brachte sein Team mit 59:57 (41.) in Führung, Ludwigsburg profitierte von Fehlern im Reboundverhalten der Gießener und zog mit sieben Punkten in Folge davon (59:64, 42.). Ein verwandelter Korb nach einem Offensiv-Rebound von Werner und ein Tip-in von Johnson brachte die Mittelhessen wieder heran (63:64, 43.). Als Teague insgesamt fünf Freiwürfe verwandelt hatte, stand es 26 Sekunden vor Ablauf der Overtime erneut Unentschieden (68:68). Eine Spannung, die nicht nur der verletzte Johannes Lischka kaum aushielt, der hinter der Ersatzbank von einem Fuß auf den anderen wippte. Doch die letzte Aktion der Partie gehörte den Gästen. Eine normale Defense-Bewegung von Werner wurde abgepfiffen, King ließ sich die Chance nicht entgehen und traf zum 68:69 - ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg für Ludwigsburg.

Denn die Gießener, die im ersten Viertel gut begonnen und einen 11:0-Run zur 23:15-Führung (10.) hingelegt hatten, offenbarten über weite Strecken große Probleme im Angriffsspiel, vor allem auf der Centerposition. Allen voran Kevin Johnson, der kaum Präsenz unter dem Korb zeigte und den Ball lieber wieder aus der Zone hinauspasste anstatt zum Korb zu gehen. Zudem zeigten die Akteure Schwächen von der Freiwurflinie (5/16 nach dem 3. Viertel), und auch die Quote von der Dreierlinie war erschreckend (12,5 Prozent). Nach der Pause geriet das Spiel des Traditionsvereins völlig ins Stocken. Ohne Aggressivität kamen die Bogojevic-Schützlinge aus der Kabine, kaum eine Aktion wollte gelingen. Ludwigsburg setze sich mit einem 7:0-Lauf auf 42:34 (24.) ab, vor allem Kyle Visser bekamen die 46ers nicht in den Griff. In der Offensive wirkten die Gastgeber oft unstrukturiert, viele Angriffe wurden zu überhastet abgeschlossen. Erst nach fünf Minuten Leerlauf erzielte Austen Rowland den ersten Punkt für die Gießener (36:42), lediglich sieben Zähler gelangen der Mannschaft in Viertel Nummer drei (41:47, 30.

). Die schwachen Gäste konnten dies aber nicht nutzen und ließen die 46ers um Teague wieder ins Spiel kommen - am Ende jedoch ohne Konsequenz.

"Wenn ein Team 13 von 26 Freiwürfen trifft, ist es schwer zu gewinnen. Wenn es drei von 24 Dreiern trifft, ist es ebenfalls schwer, zu gewinnen. Ich denke, wir haben trotzdem einen guten Kampf abgeliefert. Die Mannschaft ist intakt, wir brauchen aber einen Sieg, um das Selbstvertrauen zu stärken. Das war eine verpasste Chance", bemängelte Bogojevic. Nora Brökers

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