46ers-Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch will die Ergebnisse der Vorbereitung nicht überbewerten. FOTO: HF
+
46ers-Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch will die Ergebnisse der Vorbereitung nicht überbewerten. FOTO: HF

Gießen 46ers

46ers-Geschäftsführer Koch: Ergebnisse nicht überbewerten

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
    schließen

Michael Koch hat selbst eine eindrucksvolle Spieler- und Trainerkarriere hinter sich. Der Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers will die drei Niederlagen seines Teams beim BBL-Pokal-Turnier nicht überbewerten. Die Spiele waren ein Teil der Saisonvorbereitung.

Michael Koch gibt im Interview klar zu verstehen, dass es für die Gießen 46ers in zwei Wochen beim Bundesliga-Auftakt-Heimspiel gegen den Mitteldeutschen BC gilt.

Ihr Team hat alle drei Spiele beim BBL-Pokal-Turnier in Vechta verloren. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Fairerweise muss ich sagen, dass unsere Vorbereitung noch nicht abgeschlossen ist und dass wir in sie spät gestartet sind. Wir haben auch gesagt, dass das Pokalturnier für uns ein Teil der Vorbereitung ist. Die Spiele gegen die BBL-Teams haben uns weitergeholfen. Was ich sehen wollte, dass sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel verbessert und an sich arbeitet, das hat man deutlich sehen können.

Wo gibt es noch Baustellen im Team?

Ich bin nicht für den Spielstil, sondern für die Mannschaft szusammenstellung mitverantwortlich. Man hat gesehen, dass die Teamchemie in Ordnung ist. Wenn man am letzten Spieltag, auch wenn alle anderen sagen, es ging in dieser Partie gegen Göttingen um nichts mehr, sich mit acht Mann auf die gezeigte Art und Weise wehrt und eine große Chance hat, das Spiel zu gewinnen, merkt man, dass die Mannschaft intakt ist. Diese Reaktion, die die Mannschaft am Sonntagabend ab 20.30 Uhr gezeigt hat - die ist für mich enorm wichtig.

Die drei Tage am Wochenende in Vechta haben der Mannschaft in Bezug auf den oft zitierten Teamspirit gutgetan. Das geplante Trainingslager fiel aus.

Das hätten wir gerne durchgezogen, das hat aber aus verschiedenen Gründen nicht stattfinden können. Ich glaube schon, wenn man Freitag, Samstag, Sonntag zusammen und mal von den Familien weg ist, mal was anderes sieht, dass es dem Team hilft, sich näher kennenzulernen. Man hat auch deutlich gesehen, dass einige Spieler im Laufe des Turniers eine Entwicklung gemacht haben.

Da fällt mir zum Beispiel Brandon Bowman ein, der mit besserem körperlichen Fitnesszustand sein wahres Potenzial andeutet.

Durch die Corona-Krise haben wir einen extrem unterschiedlichen Fitnesszustand. Einige Spieler sind mit einem Fitnessst and hierhergekommen, der nicht dem Normalzustand entspricht, wenn du im Sommer alles machen kannst. So brauchte der eine oder andere Spieler genau die Vorbereitung, um in die typische Basketball-Fitness zu kommen. Nun haben wir noch zwei weitere Wochen, um das voranzutreiben. Das Problem haben aber nicht nur wir, sondern auch andere BBL-Teams.

Gibt es Probleme im Umfeld und in der Struktur? Zum Beispiel steht Ihnen die Rivers-Halle nicht zur Verfügung.

Wir müssen uns anpassen. Es wäre der falsche Weg, auf den Tisch zu klopfen und zu sagen, dass muss sich hier jetzt alles ändern. Es ist zurzeit eine Situation, in der wir alle Demut haben und Rücksicht nehmen müssen. Die zweite Corona-Welle kommt auf uns zu. Wir haben von Sponsoren sehr viel Solidarität bekommen. Und dass wir in der Halle in Krofdorf trainieren können, schränkt uns nicht so ein, dass wir sagen müssten: Wir haben einen Trainingsbetrieb, der nicht erstligawürdig ist. Wir können die Krofdorfer Halle jeden Morgen nutzen, haben die Osthalle am Nachmittag. Die Trainingssituation ist nicht schlechter als vorher.

Kann der Club die Saison unter den besonderen Bedingungen durch Corona finanziell stemmen?

80 Prozent der Liga wird die Saison nur unter gewissen Voraussetzungen stemmen können. Das ist der Situation geschuldet. Man hat zwar keinen Mindestetat mehr, aber es gibt zwei Absteiger: Das heißt, du musst sportlich gut genug sein, um die Liga zu halten. Wirtschaftlich hat es viel mit der Zuschauerpräsenz zu tun. Und wenn die wegfällt, werden viele Vereine große finanzielle Probleme bekommen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Saison?

Man kann in der Vorbereitung durchaus ein paar Spiele verlieren. Das ist nicht schlimm. Das motiviert auch Spieler. Es ist nicht aussagekräftig, wie die Vorbereitung läuft. Die ganze Liga ist eine große Überraschung. Viele Vereine haben sich stark verändert. Man muss positiv in die Saison gehen. Es bringt nichts, wegen der Niederlagen im Pokal den Kopf in den Sand zu stecken. Unsere Brot-und-Butter-Spiele kommen. Das sind die wichtigsten - und davon ist eines am 7. November gegen den MBC. Wir können nur als Team bestehen. Wir haben keinen Einzelkünstler, der uns jedes Spiel 25 Punkte auf das Parkett legt. Und wenn man sich die Etats der Liga anschaut, sind wir ganz, ganz weit unten angesiedelt. Um das auszugleichen, versuchen wir, das Ganze als Team zu stemmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare