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Gut gemacht! Zufriedene Wetzlarer Bundesliga-Handballer nach dem Heimsieg über Nordhorn-Lingen.

35 ohne 3

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Das Schreckensszenario ist abgewendet. Den Ausfall von drei Leistungsträgern im Rückraum hat die HSG Wetzlar mit einem mehr als imposanten 35:26 (20:9) gegen das Kellerkind HSG Nordhorn-Lingen beantwortet.

Ende April jagte bei Handball-Bundesligist HSG Wetzlar eine Hiobsbotschaft die andere. Olle Forsell Schefvert wird operiert und fällt bis zum Saisonende aus. Stefan Cavor hat sich die Mittelhand gebrochen und muss die Runde vorzeitig beenden. Alexander Feld hat sich die Adduktorensehne gerissen und kann 2020/21 nicht mehr mitwirken. Da wurde bereits das Schreckensszenario einer Niederlagenserie an die Handball-Wand gemalt.

Nur gut, dass die Mittelhessen zu diesem Zeitpunkt bereits 30 Bundesliga-Pluspunkte in dieser sich unwirklich anfühlenden Corona-Spielzeit eingesammelt hatten und trotz einem guten Dutzend noch zu absolvierender Meisterschaftsspiele bis Ende Juni praktisch längst aller Abstiegssorgen ledig war.

Wo sollten überhaupt noch Punkte eingefahren werden mit einem Kader, der wegen einer Gehirnerschütterung kurzfristig sogar noch den Ausfall von Spielmacher Magnus Fredriksen zu verkraften hatte bzw. eine Halbzeit lang wegen einer roten Karte den von Lenny Rubin beim knappen Nachholspiel-30:29 bei der HSG Nordhorn-Lingen? Wo zu allem Überfluss auch keine Anleihen aus der Drittliga-Reserve oder der Bundesliga-A-Jugend möglich waren.

Doch die HSG Wetzlar ist sich treu geblieben, hat es sich und ihren Anhängern vor allem mit dem im Angriff beeindruckenden 35:26 (20:9) gegen die HSG Nordhorn-Lingen einmal mehr selbst bewiesen: Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo die HSG Wetzlar her… 35 (!) Treffer ohne die 3 (!) genannten Rückraumschützen, die in der Regel zusammen zweistellig treffen. Chapeau!

»Ich bin begeistert«, konnte auch der sonst eher sachlich-analytisch kommentierende Trainer Kai Wandschneider den Auftritt »der Mannschaft in dieser Besetzung« kaum in Worte fassen. »Wir haben fantastisch gedeckt, eine super erste und zweite Welle gespielt, Filip (Mirkulovski) hat uns Ruhe gegeben und Till (Klimpke) klasse gehalten.« An diesem Vatertag gelang einfach alles.

Gespürt hatte dies der Coach nach den beiden jüngsten Niederlagen gegen Lemgo und in Flensburg schon vor Spielbeginn. »Ich habe in den Augen der Spieler gesehen, dass sie unbedingt gewinnen wollten«, sagte Wandschneider, dem der seit Wochen in bestechender Form befindliche Schweizer Lenny Rubin beifügte: »Hier gibt jeder Vollgas.«

Nordhorns Robert Weber hingegen schob Frust: »Die Niederlage ist ganz schwer zu erklären. Vielleicht haben wir uns selbst zu sehr unter Druck gesetzt, denn wir wissen, dass wir Punkte benötigen, um oben zu bleiben. Natürlich sind es in Wetzlar keine Punkte, die man mit einrechnet. Aber wir hatten gute Ansätze. Aber wenn man ehrlich ist, dann war das Spiel nach 15 Minuten bereits verloren, denn da war Wetzlar bereits mit elf Toren davongezogen.«

Mit einem guten Gefühl geht es jetzt zunächst einmal in eine etwas längere Pflichtspiel-Pause für die Grün-Weißen, bevor am 26. Mai die Partie beim HC Erlangen ansteht. In diesen 14 Tagen hat Trainer Kai Wandschneider das gesamte Team ohne Nationalmannschaftsabstellungen um sich versammelt und kann ohne das Rückraum-Trio weiter »nach Lösungen suchen« für die letzten acht Aufgaben der Bundesliga-Saison. »Die Mannschaft arbeitet unglaublich gut, versucht lösungsorientiert zu denken, das bestätigt Trainer und Spieler«, zeigt sich der 61-Jährige auf seiner Abschiedstournee zuversichtlich, dass das gegen die HSG Nordhorn-Lingen nicht die letzten Punkte dieser Spielzeit gewesen sind.

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