imago1006236723h_240921_4c_2
+
imago1006236723h_240921_4c_2

2200 grün-weiße Kreuzchen

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
    schließen

Die HSG Wetzlar muss handballerisch Klimmzüge machen, will sie auch im Bundesliga-Heimspiel gegen »Die Recken« vom TSV Hannover-Burgdorf das Parkett als Sieger verlassen.

Das sind die Vergleiche, für die es sich lohnt, in die Rittal-Arena zu kommen. Der THW Kiel und die SG Flensburg/Handewitt sind namhaft und attraktiv und auch immer mal wieder sensationell bezwungen worden. Keine Frage. Aber Duelle auf Augenhöhe in der Handball-Bundesliga, so wie das der HSG Wetzlar am morgigen Sonntag um 16 Uhr gegen die TSV Hannover-Burgdorf, haben etwas Knisterndes, Spannendes, Unvorhersehbares, Reizvolles.

Vor zwei Wochen zur Heimpremiere gegen den TBV Lemgo Lippe gab es beim 27:25 bereits Spannung pur, Adrenalin auch auf den Tribünen für die 3000 corona-zugelassenen Zuschauer. Das kann sich - wie bereits erwähnt - wiederholen am Wahlsonntag, zudem im Vorverkauf bereits 2200 Zuschauer ihr grün-weißes Kreuzchen gemacht haben. An der Tageskasse ist Nachschlag möglich.

Wie war die Wetzlarer Trainingswoche? Zehn Tage kein Pflichtspiel, acht Trainingseinheiten in einer Woche. Die Grün-Weißen haben nach der englischen Woche zum Saisonstart ihren Akku aufladen und die spieltaktische Feinarbeit fortsetzen können. Trainer Benjamin Matschke versucht Spielmacher Magnus Fredriksen auf Drucksituationen vor Publikum einzuschwören, feilt am Zusammenspiel seiner Aufbaureihe mit den Kreisläufern und hat einen Blick auf die noch stark schwankende Anzahl an technischen Fehlern. In der Videoanalyse versetzt sich das Trainerteam aber auch immer in den Gegner: »Ich versuche der Mannschaft einen Spiegel vorzuhalten, um zu erkennen, welche Schwächen das andere Team bei uns sieht.«

Wie stark sind »Die Recken« einzuschätzen? Der entscheidende Wechsel bei den Niedersachsen hat analog zu Wetzlar auch auf der Trainerbank stattgefunden, wo Ex-Bundestrainer Christian Prokop (nun mit Heidmar Felixon als Assistent) auf das spanische Duo Ortega/Romero gefolgt ist. »Hannover deckt hoch und aggressiv, ist auf Ballgewinne und schnelles Umschaltspiel aus«, klärt Matschke auf. Der Kroate Ilja Brozovic ist in der 6:0-Deckung der zentrale Abwehrspieler, zusammen mit Evgenj Pevnov bilden beide das Gerüst der 3:2:1-Deckung. »Pevnov/Brozovic sind schon eine ordentliche Hausnummer«, beantwortet der HSG-Coach die Frage nach der Körperlichkeit der Recken-Abwehr.

Christian Prokop steht nach dem in den beiden letzten Spielzeiten vollzogenen personellen Umbruch (u. a. Morten Olsen weg) ein Kader von Torhüter Domenico Ebner über den schwedischen Neu-Spielmacher Jonathan Edvardsson bis zu Abwehr-Routinier Bastian Roschek mit den Nachwuchstalenten Veit Mävers und Martin Hanne ein Kader in der Qualität der HSG Wetzlar zur Verfügung.

Allerdings stehen der starke dänische Rechtsaußen Johan Hansen (zur SG Flensburg/Handewitt) und Rückraum-Kanonier Ivan Martinovic (zur MT Melsungen) bereits wieder als Abgänge nach dieser Saison fest. Für den Sportlichen Leiter Sven-Sören Christophersen, dem Ex-Wetzlarer, gibt es also weiter viel zu tun.

Das Personal: Bei der HSG Wetzlar fehlt für lange Zeit Kreisläufer Patrick Gempp nach dessen Kreuzband-OP. Die Verantwortlichen sind auf dem kompletten europäischen Markt unterwegs, um für Abwehr und Angriff einen adäquaten »Ersatz, der uns sofort hilft, zu finden«, wie Geschäftsführer Björn Seipp versichert. Mit der Rückkehr von Alexander Feld in das Mannschaftstraining nach seiner Adduktoren-OP wird in der ersten Oktoberwoche gerechnet. Dafür ist Ole Klimpke wieder zum Kader gestoßen.

Die TSV Hannover-Burgdorf konnte beim Heim-28:20 vor einer Woche gegen den Bergischen HC auf nahezu alle Leistungsträger zurückgreifen. Auch das zu Beginn der Saison noch verletzte 20-jährige Spielmacher-Talent Veit Mävers (Bauchmuskelzerrung) ist ins Team zurückgekehrt. Nur Rechtsaußen Jannes Krone fehlt wegen einer Daumenverletzung.

Das sagt Wetzlars Trainer Benjamin Matschke: »Wir müssen einen geduldigen und cleveren Ball spielen und technische Fehler vermeiden, dann haben wir eine gute Chance gegen Hannover«, weiß der HSG-Coach um den Spagat zwischen diesem Vorhaben und dem Anspruch »wir müssen zugleich aber auch Puls und Emotionen auf die Platte bringen«. Der ein oder andere handballerische Klimmzug und auch Zuschauer mehr würde sicher helfen.

Einst Bundestrainer, jetzt neuer Coach bei der TSV Hannover-Burgdorf: Christian Prokop (links) mit Kreisläufer Evgenj Pevnov, seinem »aggressive leader« in der Abwehr. Am Sonntag erwartet die HSG Wetzlar die Niedersachsen in der Rittal-Arena. FOTO: IMAGO

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare