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Patrick Wiencek

2000 Zuschauer beim Final Four

(dpa). Die schlechte Nachricht: Die Endrunde um den deutschen Handball-Pokal in dieser Saison fällt aus. Die gute: Die Endrunde der vergangenen Saison findet statt - und zwar am Donnerstag und Freitag. Cup-Verteidiger THW Kiel, TBV Lemgo Lippe, MT Melsungen und TSV Hannover-Burgdorf spielen in Hamburg den Pokalsieger der längst vergangenen Spielzeit 2019/20 aus.

Im Vorjahr ließ die Corona-Pandemie das Turnier nicht zu. Daraufhin wurde der komplette Wettbewerb dieser Saison gestrichen, um wenigstens den alten beenden zu können. In den Annalen wird es folglich ein Loch geben. Pokalsieger 2020/21? Nicht vorhanden.

Legt man Spielvermögen und Erfolgsgeschichte zugrunde, dürfte es nur einen Gewinner geben: den THW Kiel. Der Cupverteidiger als Nonplusultra des deutschen Vereinshandballs steht vor seinem zwölften Pokaltriumph. Keine Mannschaft hat mehr.

Im ersten Halbfinale am Donnerstag (17 Uhr/zdfsport.de und Sky) steht Bundesliga-Tabellenführer und Champions-League-Gewinner THW in der Pflicht, den Liga-Achten Lemgo auszuschalten. In der anderen Vorschlussrunde (19.30 Uhr/Sky Sport News) sind MT Melsungen als Elfter und die TSV Hannover-Burgdorf als Zwölfter der Bundesliga gleichauf. Das Finale folgt am Freitag (17.30 Uhr/ARD und Sky).

»Vor uns steht eine Woche, die richtig wichtig für den gesamten Verein ist«, sagt THW-Trainer Filip Jicha. Der Tscheche ist bekannt für seine Titelgier. »Wir nehmen die Favoritenrolle an«, sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Hoffnungen hat Szilagyi auf den Einsatz von Patrick Wiencek, der sich Mitte Mai einen Bruch des oberen rechten Wadenbeins zugezogen hatte. Um gegen den großen Favoriten bestehen zu können, müsse sein Team seine »Leistung bringen und dem THW viele Fallen stellen«, betonte gegenüber Lemgos Trainer Florian Kehrmann.

An beiden Tagen sind in der Hamburger Arena je 2000 Zuschauer zugelassen. »Das ist megacool«, sagte der Hannoveraner Fabian Böhm, für den die Endrunde das »Highlight einer bisher durchwachsenen Saison« ist. Melsungens Abwehrstratege Finn Lemke ist sich sicher, dass »jede Mannschaft auf Sieg spielt«. Egal ob im Halbfinale oder einen Tag später im Endspiel.

Als Lokomotive soll die Endrunde in Sachen Zuschauer dienen. 2000 Besucher sind pro Pokal-Spieltag als Modellprojekt erlaubt. So viele waren in der laufenden Bundesliga-Saison schon seit mehr als sieben Monaten in keiner Halle. Auch mit 4000 Zuschauern in der Summe schreibt Veranstalter HBL einen dicken Verlust. In den Vorjahren gab es bei 26 000 Zuschauern Einnahmen von mehr als einer Million Euro.

»Wir wollen den Wiedereinstieg für die kommende Saison schaffen, der bis zur Vollauslastung der Hallen führen soll«, sagt Bohmann, hat aber Bedenken: »Wir glauben, es wird zu Veränderungen im Zuschauerverhalten nach Corona kommen.« Werden Tausende von Besuchern Enge, fehlende Distanz, herausgegrölte Aerosole in Hallen wieder akzeptieren oder auf Dauer von der Pandemie geprägt sein?

Ob tatsächlich 2000 Zuschauer kommen, ist unklar. Das zweite Tausend Tickets pro Tag wurde erst am Montag freigegeben. Zudem findet das Turnier mitten in der Woche statt, private Übernachtungen in Hamburger Hotels sind erst seit 1. Juni möglich, Antigen-Tests sind erforderlich. »Wir muten den Zuschauern einiges zu. Stimmung in der Halle ist aber wichtig«, sagt Bohmann. »Dann hört man wenigstens das Quietschen der Schuhsohlen auf dem Hallenboden nicht.«

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