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Trainiert wieder normal mit der Mannschaft: Kevin Kaguah (r.) vom VfB 1900 Gießen. Sein Verein erwartet vom HFV mehr Geld, als bislang zugesagt. (Foto: ras)

VfB 1900 Gießen fordert mehr Geld vom Verband

(sno) Der VfB 1900 Gießen kämpft an allen Ecken und Enden um Geld. Nun geht es um Nachzahlungen im Bezug auf das Finale im Hessenpokal im Mai 2015. Wichtigste Aufgabe bleibt die Finanzierung des Kaders und der Gewinn neuer Sponsoren. Überraschend kommt die Aussage zu einem möglichen Aufstieg in die Hessenliga.

Zwar hofft der VfB 1900 Gießen auf eine Nachzahlung von 9000 Euro – so viel wird’s vom Hessischen Fußballverband (HFV) aber nicht geben. Anlass ist das Finale des Hessenpokals im Mai 2015. Damals verzichtete der VfB 1900 auf das Heimrecht und trat beim Endspielgegner KSV Hessen Kassel an. Der Verein profitiert dadurch finanziell aus zweierlei Sicht: Die Prämienausschüttung (rund 8500 Euro für die Gießener) hat bereits stattgefunden. Der zweite Part bezieht sich auf die Zuschauereinnahmen. 6100 Anhänger kamen. Das entspricht laut Torsten Pfennig, Pressesprecher vom KSV Hessen Kassel, Einnahmen von ca. 50 000 Euro. Diese sollen abzüglich der Kosten (Fahrt, Schiedsrichter, Stadionmiete) und einem Abschlag von rund 20 Prozent an den HFV unter den beiden Finalteilnehmern aufgeteilt werden.

Weil die Kasseler schon früh mit den Einnahmen planen konnten, wurden die Gießener kurz nach dem Finale mit knapp 10 000 Euro entlohnt. Dieser Betrag wurde abgerechnet, das bestätigte Uwe Stabel, Abteilungsleiter Fußball vom VfB 1900. Ein großes Stück vom Kuchen, das dem Verein zusteht, wurde also schon damals vergeben. Später wurde eine zweite Abrechnung vom HFV erstellt, nach der den Gießenern noch einmal 2000 Euro zustehen sollten. Dagegen legte der VfB 1900 Widerspruch ein.

"Aus unserer Sicht gibt es einige Positionen, die strittig sind", sagt Uwe Stabel. Es geht darum, welche Kosten abgerechnet werden und welche nicht. In einigen dieser Punkte stimmt der Verband den Gießenern zu, sodass Matthias Gast, Pressesprecher vom HFV, sagt: "In Teilen kann der Verein mit einem erfolgreichen Einspruch rechnen." Der VfB 1900 Gießen erhofft sich bis zu 9000 statt der bisher angekündigten 2000 Euro. Die tatsächliche Summe wird sich irgendwo dazwischen einpendeln.

Wie sehr der Einzug ins Finale des Hessenpokals dem klammen VfB 1900 Gießen finanziell geholfen hat, verdeutlicht diese Tatsache: Geschäftsführer Jörg Dechert bat den HFV darum, die auflaufenden Gebühren (Verträge, Ummeldungen etc.) vorerst anzuschreiben. Im Zuge der Ausschüttung der Finalgelder wird die Summe von rund 4000 Euro nun verrechnet.

Ob der VfB 1900 nun recht bekommt oder nicht, ändert nur wenig an der Situation. Weil ein Sponsor die Zahlungen zwischenzeitlich ausgesetzt hat, befindet sich der Verein in einem finanziellen Engpass. Noch immer werden die Gehälter der Spieler mit Verzögerung ausgezahlt. "Wir sind in einer schwierigen finanziellen Situation", räumt Torsten Ortloff, Sportlicher Leiter, ein. Letzte Woche gab es ein "ruhiges, sachliches Treffen" mit den Spielern, die über den aktuellen Stand informiert wurden. Daniel Erben und Kevin Kaguah, die sich zwischenzeitlich abmeldeten, um ein Zeichen zu setzen, trainieren wieder normal mit.

Was die Situation beim VfB 1900 zusätzlich erschwert: Jörg Dechert fällt seit November krankheitsbedingt aus. Als Geschäftsführer hatte er den umfassendsten Kenntnisstand über die Finanzen. "Wir haben danach zwei Monate gebraucht, bis wir uns als Team gut eingearbeitet haben", sagt Torsten Ortloff. Wichtigste Aufgabe für den Verein ist es, wieder verlässliche Zahlungen der Sponsoren zu generieren. Um voranzukommen, müssen neue Partner gewonnen werden. Aktuell ist der Verein von Jakup Alija und Dr. Günther Moll abhängig. "Was sie für den Fußball machen – Hut ab", meint Ortloff. Er betont: "Für die erste Mannschaft geht es definitiv darum, sich neu aufzustellen und einen Sponsorenkreis zu finden, der breiter aufgestellt ist." Leichter gesagt als getan. Mit der Aufgabe vertraut wurde Wilhelm Braun, er fungiert seit geraumer Zeit als "Sponsorenmanager".

Trotz dieser Schwierigkeiten gelingt es dem VfB 1900 sportlich zu überzeugen. Ortloffs Lob für Trainer Daniyel Bulut: "Ich habe selten einen Menschen gesehen, der so akribisch arbeitet und sich so loyal verhält. Der absolute Hammer." Einen Punkt Rückstand auf den Relegationsrang weist der Verein in der Verbandsliga auf. Die Mannschaft also kann den Sprung in die Hessenliga schaffen. Der Verein auch? "Ich sehe darin keine Erschwernis", meint Ortloff. "Ein Hessenliga-Kader muss nicht zwangsläufig teurer sein." Und auch Uwe Stabel sagt: "Wenn wir den Aufstieg sportlich schaffen, dann werden wir Mittel und Wege finden."

Wie Trainer Daniyel Bulut zur Situation steht, wie er seine bisherige Zeit beim VfB 1900 bewertet und welche Chancen er sieht, lesen Sie morgen im Interview.

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