MTV 1846 und VfB 1900 mit Auswärtssiegen

(kam) Der siebte Spieltag in der Basketball-Oberliga verlief ganz nach dem Geschmack der beiden Gießener Teams: Während der MTV das bereits verloren geglaubte Spitzenspiel beim VfR Limburg noch mit 65:62 für sich entschied, holte die VfB-Reserve beim TV Langen II einen überraschenden 64:54-Auswärtssieg und damit seinen ersten Saisonsieg.

Aus dem ersten Hessenderby in dieser Spielzeit zwischen dem TSV Grünberg und der Licher Zweiten gingen die Gallusstädter beim 88:83 sehr knapp als Sieger hervor.

VfR Limburg - MTV 1846 Gießen 62:65 (31:26 ): "In der ersten Halbzeit hat er gespielt wie ein Hausmeister, in der zweiten wie ein Weltmeister", scherzte MTV-Trainer Christoph Wysocki nach der Partie über seinen Spielmacher und Matchwinner Sherman Lockhart. Im ersten Durchgang war vom Gießener Topscorer allerdings noch nicht viel zu sehen. Trotzdem gelang den Gästen ein Start nach Maß: Die auf beiden Seiten spürbare Anspannung steckten die Männerturner zunächst besser weg und konnten das erste Viertel mit 16:9 für sich entscheiden. "Bis zur 15. Minute war alles okay", beschrieb Wysocki die Leistung in der ersten Halbzeit. In den letzten fünf Minuten vor der Pause konnten die Hausherren die Partie dann an sich reißen und die Führung ergattern, die sie bis 50 Sekunden vor Schluss behalten sollten. Der defensive Matchplan des MTV ging das ganze Spiel über ohnehin auf, lediglich von der Freiwurflinie und beim Offensivrebound wurde die Nervosität beim Gast offenbar. So lagen die Lahnstädter im Schlussviertel beinahe hoffnungslos mit 45:59 (36.

) zurück, doch die Rot-Weißen bewiesen Moral - und Sherman Lockhart Führungsqualitäten. Lockhart, Center-Juwel Javon Baumann und Routinier Adrian Schmid brachten ihre Farben auf 59:62 (39.) zurück, per Korbleger brachte Baumann die Mittelhessen Sekunden vor Schluss sogar in Führung. Den Sieg unter Dach und Fach zu bringen, blieb wiederum Sherman Lockhart vorbehalten, der neun Sekunden vor Schluss beide Freiwürfe eiskalt verwertete. "Ich ziehe den Hut vor meinen Jungs, sie haben mich fast zum Herzinfarkt gebracht und am Ende doch noch Moral gezeigt", kommentierte Wysocki im Anschluss nicht ohne Stolz den siebten Sieg im siebten Spiel.

MTV 1846 Gießen: Sherman Lockhart (23/4 Dreier), Baumann (17), Schmid (14), Oppolzer (3), Pflüger (3), Dominic Lockhart (2), Itskovych (2), Zachoszcz (1), Koch, Menz, Weitzel.

TSV Grünberg - TV Lich II 88:83 (30:29): Wenngleich das erste Derby unter ungleichen Voraussetzungen stattzufinden schien - den Gästen aus Lich fehlten mit Robin Christen, Maurice Green und Jan Szembek gleich auf drei Positionen ihre Schlüsselspieler - entwickelte sich ein spannendes Duell. Nach einer von Nervosität geprägten Abtastphase übernahmen die Licher das Kommando und gingen 24:19 (15.) in Führung. Die Gallusstädter antworteten prompt mit einer Presse, die ihre Wirkung nicht verfehlte und den Gastgeber mit 30:24 (19.) in Front brachte. Die Hälfte des Spiels fand indes an der Freiwurflinie statt: Profiteure waren die Hausherren, die von der Linie 32 Punkte ernteten. Auch unter den Brettern zeigte sich Grünberg überlegen und kam so zur Verwertung zahlreicher zweiter Chancen. Doch mit viel defensiver Schubkraft und einem überragenden Yannik Reitschmidt kämpfte sich Lich zurück und sah in der 32. Minute mit einer 63:51-Führung wie der Sieger aus. Dann jedoch reduzierte sich der Licher Kader mit steigendem Foulkonto, während der TSV in der Schlussphase begann, Dreier zu sammeln. Gegen entkräftete Gäste schöpfte die Heimmannschaft jetzt ihr Wechselpotenzial aus und sicherte sich mit 16 Treffern bei 19 Versuchen von der Freiwurflinie den Heimsieg.

Lichs Trainer Viktor Kramer war enttäuscht über die verpasste Chance: "Der Sieg hätte uns gehören müssen, aber mit 33 Fouls ist es schwierig zu gewinnen."

TSV Grünberg: Seibert (29/2), Rohrgaß (19), Volk (18), Krantz (9/2), Jung (8), Strack (4), Gißel (1), Herdejost, Freund, Junker, Keller.

TV Lich II: Reitschmidt (26/1), Hiob (16), Werner (13/3), Lebo (8), Wardak (6), Külhan (6), Kloos (5), Wosnitza (3), Eckhardt, Neufeld.

TV Langen II - VfB 1900 Gießen II 54:64 (27:36): Es war zu Beginn des ominösen letzten Viertels, als VfB-Headcoach Patrick Unger nach zwei unnötigen Ballverlusten wieder das Schlimmste befürchtete: Schon mehrmals in dieser Saison hatte sein Team eine Führung durch einen Blackout im letzten Viertel verspielt, diesmal lag der Außenseiter mit neun Punkten in Front. Doch am Sonntag bewahrte das Tabellenschlusslicht gegen den mit der individuellen Klasse des ehemaligen Erstligaspielers Koray Karaman gespickten TV Langen II die nötige Ruhe.

Obgleich die Vorzeichen wieder denkbar schlecht waren - unter der Woche fiel das Training aufgrund der Abwesenheit des Übungsleiters komplett ins Wasser, zu der Partie kamen die im Stau stecken gebliebenen Gäste zu spät - und das für die 46ers-Jugend abgestellte Trio Süßlin/Budnikow/Pantke fehlte, kamen die Lahnstädter zu einem Start-Ziel-Sieg. Mit einer ständig wechselnden Verteidigung, geduldigem Systemspiel und einer exzellenten Trefferquote (nur ein Fehlversuch aus dem Feld in Halbzeit eins) verzeichnete der VfB das Auftaktviertel bereits mit 20:12 für sich und legte so den Grundstein für die erste Punktlandung. Glanzpunkte setzte überdies Minas Adis als Regisseur. In einem offenen Schlagabtausch saß Langen der Unger-Truppe zwar stets im Nacken, doch auch eine Ganzfeldpresse in der Schlussphase vermochte die mit viel Siegeshunger angereisten Mittelhessen nicht aus dem Konzept zu bringen. "Ich hoffe die Mannschaft kann die Euphorie mit in die nächsten Spiele nehmen, denn da müssen wir weiter punkten", sagte Unger nach dem Sieg.

VfB Gießen II: Göttker (13/1), Faßl (12/1), Minas Adis (11/1), Henke (11), Pendzialek (8), Maric (7/1), Röddiger (1), Mario Adis (1), Hargress.

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