So feierte der THW Kiel 2015 seinen Handball-Titel. FOTO: DPA
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So feierte der THW Kiel 2015 seinen Handball-Titel. FOTO: DPA

Der 169,2:155,6-Titelträger

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(dpa). So hat noch keine Mannschaft in der Geschichte des THW Kiel einen Titel gefeiert. In einer 30-minütigen Videokonferenz prosteten sich die Spieler und ihr Trainer Filip Jicha zu und gratulierten sich gegenseitig zur deutschen Handball-Meisterschaft.

"Die Meisterschaft 2020 ist einmalig - und bleibt hoffentlich auch einmalig. Denn wir wurden nach 26 Spieltagen gestoppt, weil die ganze Welt eingebremst wurde", sagte der 38-jährige Jicha, der gleich in seinem ersten Jahr als Cheftrainer seinen ersten Titel holte. Wenige Stunden zuvor hatte die große Mehrheit die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga beschlossen, die Saison wegen der Corona-Pandemie abzubrechen. Dadurch wurden die Kieler zum 21. Mal zum Meister gekürt.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi informierte die Spieler per WhatsApp. "So etwas erlebt man auch nicht alle Tage", meinte Nationalspieler Hendrik Pekeler. "Natürlich wären wir lieber nach dem 34. Spieltag Meister geworden, aber nichtsdestotrotz sind wir stolz darauf, was wir in drei Vierteln dieser Saison geleistet haben. Der Meistertitel ist dafür eine Anerkennung."

Geschäftsführer Szilagyi ist ebenfalls "zu 100 Prozent überzeugt, dass es verdient ist, zum Meister gekürt zu werden". Mit 22 Siegen und vier Niederlagen aus 26 Spielen hatten die Kieler das Klassement im deutschen Oberhaus angeführt. Der Vorsprung auf den Titelverteidiger und großen Nordrivalen hatte zwei Punkte betragen. Dazu hatte der THW ein Spiel weniger absolviert. In der jetzt angewendeten Quotientenregel führen die Kieler deutlich mit 169,2:155,6 vor der SG.

Eine sportliche Entscheidung im Titelkampf wäre allerdings Szilagyi lieber gewesen: "Das war aus den bekannten Gründen nicht möglich. Der Abbruch der Saison war alternativlos und absolut richtig", sagte der 41-Jährige. Zuletzt hatten die Kieler 2015 den Titel geholt. Danach hatten je zweimal in Serie die Rhein-Neckar Löwen und die Flensburger triumphiert.

Im DHB-Pokal und in der Champions League ist für die "Zebras" derweil erst einmal Abwarten angesagt. Für das Pokal-Final-4 in Hamburg, bei dem der THW im Halbfinale auf den TBV Lemgo Lippe trifft, wird ein neuer Termin gesucht. Auch in der europäischen Königsklasse, in der die Kieler als Sieger der Vorrunde das Achtelfinale überspringen dürfen, ist der Fortgang ungewiss. Am 24. April will die Europäische Handball-Föderation eine Entscheidung treffen. Das Final-4 in Köln ist aktuell für Ende Dezember geplant. Immerhin haben der THW Kiel und die SG Flensburg/Handewitt die Startplätze für die nächste Champions-League-Saison sicher.

Nationalspieler Hendrik Pekeler glaubt nach der ungewöhnlichen Meisterschaft mit dem THW Kiel nicht an eine nachträgliche Titel-Party. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nachgeholt wird", sagte der 28-Jährige. "Ich glaube, dass es eher ein komisches Gefühl wäre, falls wir im September oder Oktober wieder spielen würden, und dann nochmal auf dem Rathausbalkon feiern sollten."

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