05. März 2016, 11:03 Uhr

Charles Friedek: »Springen? Nie wieder!«

(mw) Im vergangenen Jahr machte sein Prozess gegen den DOSB die finalen Schlagzeilen. In diesem Jahr ist es seine Athletin, die für Furore sorgt. Der geborene Gießener und frühere Butzbacher Schüler Charles Friedek (44) coacht die beste Weitspringerin seit Heike Drechsler.
05. März 2016, 11:03 Uhr
Das Markenzeichen von Charles Friedek ist seine beige Mütze. Hier coacht er in Düsseldorf seine Top-Athletin Alexandra Wester und beglückwünscht in Leipzig den Deutschen Dreisprung-Meister Maximilian Heß. (Foto: Imago Sportfotodienst GmbH)

Im Interview spricht der Dreisprung-Weltmeister von 1999 über seine Trainerämter in Köln und warum er selbst keine Sprünge mehr macht.

Charles Friedek, hätten Sie sich als Athlet früher vorstellen können, dass Sie mal Trainer werden?

Friedek: Jein. Ich wollte eigentlich Jura studieren. Ich dachte, da könnte ich ein lukrativeres Einkommen generieren. Jura habe ich letztlich nicht zu Ende studiert, obwohl ich kurz vor dem ersten Staatsexamen stand. Als Aktiver habe ich andere Athleten gerne beraten. Ich hatte schon immer diese Gabe, mir Bewegungsabläufe sehr gut einzuprägen.

Wie kam es zu Ihrer Trainertätigkeit?

Friedek: Nach meinem Karriereende 2009 habe ich mich erstmal ein Jahr orientiert und in einer IT-Firma gearbeitet. Dann kam die Chance, in Köln in einer Trainingsgruppe mit Horizontalspringern einzusteigen. Das habe ich wahrgenommen. Zwischenzeitlich habe ich die Trainerakademie in Köln absolviert, das war ein dreijähriges Studium. Jetzt fühle ich mich sehr wohl als Trainer.

Bundestrainer sind Sie auch noch.

Friedek: Insgesamt bin ich mit diesen beiden Jobs ganz gut ausgelastet. Am Wochenende in Leipzig habe ich mich auch über meinen Ex-Kader-Schützling Max Heß gefreut. Er hat mit den 17 Metern im Dreisprung den nächsten Schritt gemacht. Das war ein Highlight. Ich habe ihn damals bei der U18-WM betreut, als er Zweiter geworden ist.

Im Weitsprung-Bereich haben Sie mit Alexandra Wester eine Athletin, die in diesem Winter mehr als einen Riesensprung gemacht hat. Wie haben Sie das geschafft?

Friedek: Alex kam nach ihrem USA-Aufenthalt im Juli des vergangenen Jahres zu mir, hatte bisher lediglich 6,29 m stehen. Wir haben uns erstmal beschnuppert. Ich war voller Zweifel, ob ich kompetent genug bin. Ich habe schnell viele Fehler gesehen. Sie hat sich noch auf 6,59 m bis zum Saisonende gesteigert, trotz vieler technischer Mängel. Ich war sicher, dass wir da noch mehr rausholen können.

Wie waren die Ziele für die Hallensaison, die ja mit den 6,95 m wahrscheinlich schon meilenweit übertroffen wurden?

Friedek: Wir hatten uns 6,70 m vorgenommen. Sie hat sich gut entwickelt, war bisher in dieser Saison verletzungsfrei. Es war wie ein Puzzle, das wir zusammengesetzt haben. Die Anlagen waren fantastisch, aber noch nicht sortiert. Das haben wir geschafft.

Kann Alexandra sieben Meter springen, diese magische Marke im Frauen-Weitsprung?

Friedek: Sie hat angedeutet, zu was sie fähig ist. Was wir erarbeitet haben, muss nun gefestigt werden. Sie muss erstmal stabil diese Weiten springen können; auch bei großen Meisterschaften, unter Stress. Ich will nicht über die sieben Meter reden. Aber sie sind nicht unmöglich. Wichtig ist, dass national niemand an uns vorbeikommt. Die Konkurrenz in Deutschland ist hart. Im vergangenen Jahr haben drei Springerinnen 6,84 m übertroffen.

Wer ist Ihr Lehrmeister?

Friedek: Das war mein langjähriger Trainer Bernd Knut. Er hat mir das richtige Laufen, den richtigen Anlaufrhythmus beigebracht. 80 Prozent der Weite kommen über den Anlauf. Das übertrage ich gerade auf Alex.

Wie halten Sie sich fit?

Friedek: Ich mache zu wenig. Es ist etwas stressig und die Motivation fehlt. Mit einem Kumpel habe ich mir vorgenommen, in Sachen Laufen und Kraft etwas zu tun.

Wie sieht’s mit Springen aus?

Friedek: Nie wieder. Vor ein paar Jahren ist mir beim Vormachen die Achillessehne gerissen. Seitdem sagen meine Athleten: Lass es lieber, wir brauchen dich noch.

Der Rechtsstreit mit dem DOSB ging über sieben Jahre und ist nun beendet. Wieviel Nerven hat Sie das gekostet?

Friedek: Wir sind im Guten auseinandergegangen. Mehr möchte ich gar nicht zur Vergangenheit sagen, sondern nach vorne schauen. Ich möchte Teil der Leichtathletik-Familie sein und Gutes für den DOSB und meinen Fachverband tun.

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