26. März 2009, 16:18 Uhr

Triumphe, Tränen und eine Tragödie - Die Playoff-Chronik des EC Bad Nauheim im Profi-Eishockey

(mn) Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat im Jahr 1983 den Playoff-Modus eingeführt. Im K.o.-Duell (über drei, fünf oder sieben Spiele) wird im Anschluss an die Meisterschaftsrunde der Titelträger ausgespielt. Der EC Bad Nauheim hat nach Relegationsrunden um den Auf- und Abstieg in den 80er-Jahren im März 1994 erstmals an den »Stichkämpfen«, wie das Internet-Lexikon »wikipedia« die Playoffs nennt, teilgenommen. Heute beginnt für die Roten Teufel im professionellen Eishockey zum zehnten Mal die spannendeste und emotionalste Zeit einer Saison. - Nachfolgend soll an das Abschneiden, an Triumphe, Tränen und eine Tragödie erinnert werden.
26. März 2009, 16:18 Uhr
Wunderkerzen, Emotionen - ein stimmungsvolles Bild: Die Fans der Roten Teufel haben für die heutige Partie eine Choregraphie angekündigt. (Foto: Storch)

1993/1994 (Oberliga Nord)

Raymond Schüttke und Frank Eckardt, die Klub-Vorsitzenden, hatten die erste Playoff-Teilnahme zu einem unvergessenen Erlebnis werden lassen. Zwei Tage nach dem 7:3-Heimsieg haben mehr als 400 Fans ihre Mannschaft im kurzfristig organisierten Sonderzug nach Miesbach begleitet. Bei den Oberbayern wurde unter Trainer Ricki Alexander mit 6:4 gewonnen. Zwei Tage später wurde mit einem 6:2-Erfolg vor 3000 Zuschauern der Viertelfinaleinzug perfekt gemacht. Im Duell mit Heilbronn (1:6, 6:8) platzten die Halbfinal-Träume. Noch im Gedächtnis: Mitgereiste und verärgerte ECN-Fans, denen am Europaplatz in Heilbronn in dreistelliger Zahl der Zugang zur proppenvollen Eishalle aus Sicherheitsgründen verwehrt worden war.

1994/1995 (1. Liga Nord)

Erneut hatte Bad Nauheim Heimrecht; diesmal gegen den heutigen DEL-Klub Straubing. In zwei Spielen (3:2, 4:2) wurden die Gäubodenstädter bezwungen. Erneut hatte ein Sonderzug fast 500 Menschen zum Rückspiel nach Straubing gebracht. Im Viertelfinale beim Süd-Top-Klub SC Riessersee überraschte Bad Nauheim mit einem Sieg in der Verlängerung, verlor jedoch die Spiele zwei (3:4/Entscheidung in der Schlussminute) und drei (2:7). Trainer auch in dieser Saison war Ricki Alexander.

1995/1996 (1. Liga Nord)

Die Reise mit dem Sonderzug gehörte längst dazu. 450 Fans hofften nach einem 5:1-Heimerfolg auf eine Entscheidung in Spiel zwei in Weiden, das die Blue Devils aber mit 5:2 gewinnen konnten. Das alles entscheidende Heimspiel dieser Serie lockte 2300 Zuschauer zum 5:3-Erfolg in den Kurpark. Zweitrunden-Kontrahent war der EHC Freiburg. Im Breisgau verlor das Team von Ricki Alexander unglücklich mit 1:2, lag zuhause vor 4000 Zuschauern nach neun Minuten bereits mit 0:3 zurück. Mit einem 4:4 wurde die Verlängerung erzwungen. Da bendete Thomas Dolak (damals Juniorenspieler, später Nationalspieler) die Saison der Roten Teufel in der siebten Minute der Overtime.

1996/1997 (1. Liga Nord)

Eine Spielzeit mit wahrlich denkwürdigen Playoff-Serien. Zunächst traf Bad Nauheim, jetzt von Craig Topolnisky betreut, auf den EV Landsberg. Begleitet wurde die über fünf Spiele gehende Serie vom Zwist der damaligen Klub-Vorsitzenden Peter Konietzke-Legrand (Bad Nauheim) und Rainer Kästle, dem für seine beleidigenden Äußerungen ein Stadionverbot in der Kurstadt ausgesprochen wurde. Bad Nauheim gewann Spiel fünf durch einen Treffer von Martin Prada in der Verlängerung. Der Weg führte nun nach Bad Tölz, wo Konietzke-Legrand und Kästle ihren Zwist bei einem Bier beilegen sollten. Bad Nauheim gewann bei den Bayern mit 10:1, wobei Thomas Barczikowski die letzten drei Minuten zu einem Hattrick nutzte. Das Rückspiel entschied Sjur Robert Nilsen mit dem spielentscheidenden 1:0. Halbfinal-Gegner war Erding. Die 2:6-Niederlage in der Fremde konterten die Roten Teufel mit einem 5:3-Heimsieg. In Halbfinal-Spiel drei platzten beim 2:7 vor den Toren Münchens die Finalträume. Das Spiel um Rang drei gewann Bad Nauheim gegen Heilbronn (5:3, 7:6 n.V.).

1997/1998 (1. Liga Nord)

Unvergessen ist das Halbfinale. Dem Viertelfinalsieg gegen Essen folgte das Aufeinandertreffen mit Iserlohn. Am Seilersee waren die Roten Teufel unterlegen, in Spiel zwei prügelte Dale Reinig schon beim Warmlaufen auf seinen Gegenspieler ein. In der Drittelpause ließen Frank Carnevale und Greg Poss, die Trainer, schließlich die Fäuste fliegen. Auf dem Eis gelang Bad Nauheim der Ausgleich in der Serie, nur wenige Minuten später verstarb Marc Teevens, der krankheitsbedigt seinem Team nicht zur Verfügung gestanden hatte. Es folgte eines der gewiss emotionalsten Spiele der Geschichte; ausgerechnet beim Erzrivalen Iserlohn. Mucksmäuschenstill blieb der Hexenkessel, als Kaptiän Marco Rentzsch das Trikot mit der Nummer 21 an der Mannschaftsbank platzierte. Am Seilersee wurde für die Familie des verstorbenen Konkurrenten gesammelt. Bad Nauheim gewann den sportlichen Vergleich, unterlag im Finale aber dem EHC Neuwied glatt in zwei Spielen.

1998/1999 (1. Bundesliga)

Bad Nauheim kämpfte zum Playoff-Start mit den Konsequenzen der Trennung von Frank Carnevale. An der Bande sollte Miroslav Berek die erfolgshungrige Truppe führen. Über die Stationen Braunlage und Düsseldorf zog Bad Nauheim in das Finale ein. Nach fünf intensiven Spielen entschied ein einziger verwandelter Penalty über den Titel. In Spiel fünf am Westbahnhof unterlagen die Roten Teufel mit 0:1. Der Weg der Moskitos führte in die DEL - und inzwischen zurück in den Landesverband.

1999/2000 (2. Bundesliga)

Bad Nauheim überraschte mit einem Viertelfinal-Erfolg gegen Bad Tölz und traf erneut auf die Düsseldorfer EG. Unter Trainer Harold Kreis endete die Serie gegen den Altmeister nach Spiel vier, das 5000 Zuschauer im Colonel-Knight-Stadion verfolgt haben. Im Duell um Platz drei konnte sich Bad Nauheim schließlich gegen den EHC Freiburg durchsetzen.

2002/2003 (2. Bundesliga)

Die Playoffs endeten für den Rang-Zweiten der Meisterrunde mit einer herben Enttäuschung. Die Roten Teufel, die dank der Kontakte von Trainer Peter Obresa gar Ex-NHL-Profi Len Barrie lizenziert hatten, verabschiedeten sich trotz des hohen finanziellen Aufwands von Mäzen Hans Bernd Koal bereits im Viertelfinale. Im alles entscheidenden fünften Spiel unterlag man dem EHC Freiburg (damals mit Dan DelMonte/Steve Palmer).

2003/2004 (2. Bundesliga)

Die Playoff-Serie begann mit einem Kuriosum. In der Meisterrunde hatte Bad Nauheim nur ein einziges Heimspiel verloren - abschließend gegen Regensburg, den Viertelfinalgegner. In den ersten vier Begegnungen ging jeweils der Gast als Sieger vom Eis. Im fünften Spiel konnte sich Bad Nauheim, erneut mit Peter Obresa als Chef hinter der Bande, mit 4:3 zuhause durchsetzen. Das Halbfinale gegen Landshut eröffneten die Roten Teufel ebenfalls mit einer Heimniederlage, übernahmen dann mit 2:1 die Führung in der Serie, die schließlich in das entscheidende fünfte Spiel führte. Hier unterlag Bad Nauheim nach einer 2:0-Führung zu Beginn des Schlussdrittels an einem tränenreichen Abend im Penaltyschießen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutscher Eishockey-Bund
  • EC Bad Nauheim
  • Greg Poss
  • Harold Kreis
  • Play-offs
  • Prada
  • Siege und Triumphe
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.