17. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Megamarsch Frankfurt

Vier Wetterauer beim 100-Kilometer-Megamarsch Frankfurt: Wie weit die Füße doch tragen

100 Kilometer zu Fuß, in 24 Stunden. Der Megamarsch Frankfurt von Eschborn nach Langen ist eine echte Grenzerfahrung. Vier Wetterauer dabei, doch nicht alle haben es ins Ziel geschafft.
17. Oktober 2018, 12:00 Uhr
Gut gelaunt vor dem Start in Eschborn: Die vier Wetterauer (v. l.) Gerald Baudek, Marco Dohle, Alexander Liebert und Oliver Weber. (Foto: Weber)

Einzelne stille Grüppchen marschieren an der Jet-Tankstelle im Karbener Stadtteil Okarben vorbei. Stirnlampen erhellen die Dunkelheit. Um 21.15 Uhr – fünf Stunden nach ihrem Start – treffen Oliver Weber, Alexander Liebert, Marco Dohle (alle Triathlon Wetterau) und Gerald Baudek (ASV Marathon Friedberg) ein. »28 Kilometer sind wir erst gelaufen«, sagt Weber.

Alex Liebert setzt sich erstmal hin, verpflastert wunde Stellen an den Füßen, wechselt Socken und Schuhe, lässt sich von Freundin Nadine aufpäppeln, die ihn schon erwartet hat. Langstreckenläufer Gerald Baudek beschwert sich über die drei Triathleten: »Die schauen ja die ganze Zeit den Ironman-Lifestream aus Hawaii auf dem Handy.« Er ist vorgewandert. Christian Habicht, im Fanclub kurzfristig von der Ironman-Hawaii-Party in Assenheim mit nach Okarben gedüst, stößt auf ein Bier mit den Extremwanderern an. Schließlich geht es weiter Richtung Ziel. »Wir laufen knapp über fünf Kilometer in der Stunde«, sagt Baudek. »Um 12.15 Uhr sollten wir spätestens in Langen sein.«

Völlig erschöpft, aber das Foto musste sein: Oliver Weber finisht nach knapp 20 Stunden auf dem Marktplatz in Langen. 	(Foto: web)
Völlig erschöpft, aber das Foto musste sein: Oliver Weber finisht nach knapp 20 Stunden au...

Das Quartett hatte sich nachmittags um 16 Uhr in Eschborn auf den 100 Kilometer langen Megamarsch Frankfurt begeben. Im Startbereich im Freizeitpark Unterwiesen hatte buntes Getümmel auf der Wiese geherrscht. Das Teilnehmerfeld war deutlich inhomogener als bei einem Triathlon: Mit und ohne Stöcken, jung, alt, dick, dünn, in Jeans und Baumwollpullover oder aber in Funktionskleidung.

Im Uhrzeigersinn geht es über 100 Kilometer auf der Regionalpark-Rheinmain-Rundroute bis nach Langen. Das Zeitfenster beträgt 24 Stunden. Die Idee hatten die Extremwanderer aus den sozialen Medien. In der Triathlonplattform »tri-mag« berichtete der Herausgeber im April vom Megamarsch Hamburg. »Der Megamarsch war härter als jeder Triathlon, den ich bisher bestritten habe«, sagt Marco Dohle. Für ihn und Alexander Liebert war bei Kilometer 46 in Niederdorfelden Schluss. Beide liefen nur noch unrund, hatten Schmerzen in den Füßen und Beinen. 1700 Wanderer waren mit ihnen gestartet, 499 erreichten das Ziel.

 

Megamarsch Frankfurt: Auf der Suche nach einer "Grenzerfahrung"

Oliver Weber musste daraufhin alleine weiterwandern, von Baudek, der weit voraus war, keine Spur mehr. »Ich wollte nach 29 Jahren Triathlon einfach mal was anderes machen, neue Erfahrungen gewinnen«, sagte der kaufmännische Leiter eines Hightech-Unternehmens in Oberursel. »Es ging mir darum, meine eigenen Grenzen auszuloten, schließlich bin ich im August meinen ersten 300er auf dem Rennrad gefahren.«

Die erste große Grenzerfahrung beim Megamarsch machte er in Hanau am Schloss Philippsruhe, das als dritte Verpflegungsstelle diente. Bei Kilometer 60 ging Essen kaum noch, Schüttelfrost und Sehstörungen stellten sich ein. Nach 30 Minuten Pause und einigen Salzstangen fand er die Kraft, aufzustehen – und bog auf den 22 Kilometer langen Abschnitt bis zur vierten Verpflegungsstation in Heusenstamm ein. Typisch Triathlet: Der Kampfgeist hatte gesiegt. Immer wieder fand er unterwegs Weggefährten.

Mit den Feuerwehrleuten aus Limburg oder aber einem in Deutschland arbeitenden Engländer, der bereits sechs Megamärsche in Belgien bestritten hatte, legte Weber so in der Folge einzelne Streckenabschnitte zurück. »Schlimm war es nachts in einem großen Waldstück bei Hanau«, erzählte der Niddataler hinther. »Vor und hinter mir völlige Dunkelheit, wenn ich nicht die vorgeschriebene Stirnlampe und auf meinem Handy die eingespielte GPX-Datei des Veranstalters gehabt hätte, hätte ich mich verlaufen.« Auch Baudek bemängelt nach dem Zieleinlauf die zum Teil schlechte Streckenmarkierung: »Ohne den ständigen Blick auf den GPS-Tracker konnte man sich eigentlich nie sicher sein, auf dem richtigen Weg zu laufen.«

 

Megamarsch Frankfurt: Nach fast 20 Stunden und 100 Kilometern im Ziel

Zur Pflichtausrüstung, die jeder Teilnehmer in seinem Wanderrucksack mitführen musste, gehörte unter anderem auch eine Rettungsdecke aus Silberfolie. »Mitunter habe ich Wanderer in der Folie liegen sehen«, erzählte Weber. Die mitgebrachte Ration Schokoriegel und Gummibärchen schrumpfte. »Die Verpflegung war nicht wie im Triathlon, anstatt Energieriegel gab es Tomatensuppe, Salami, Scho-Ka-Kola, Müsliriegel und heißen Tee.

Die Beine wurden den beiden Wetterauern immer schwerer, nahezu ausschließlich asphaltierte Wege hatten die Fußgelenke belastet, aber auch Muskeln und Sehnen. Jeder Schritt setzte eine Willensentscheidung voraus. Auf den letzten 20 Kilometern zeigte die Uhr ein Wandertempo von 12 Minuten pro Kilometer. Jeder Schritt tat nur noch weh, die Füße waren geschwollen und rot. Auf den letzten Kilometern sehnte der Niddataler Weber schließlich nur noch den Markplatz in Langen herbei.

Sein wartender Sohn Tom überholte 200 Meter vor dem Finish und fragte spaßeshalber, ob er nicht ins Auto einsteigen wolle. Weber verneinte, das Foto im Finisherbogen, die Urkunde – das musste einfach sein. Auf die Frage, ob er so eine Grenzerfahrung noch einmal machen wolle, hatte er aber keine Antwort. »Ich habe es unterschätzt, wie alle Triathleten und Läufer. Mein längster Triathlon war um die 10 Stunden.« Weber war 19:30 Stunden unterwegs, Gerald Baudek finishte in 18:40 Stunden.

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