09. November 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Harry Lange vor dem Abschiedsspiel beim EC Bad Nauheim: »Noch immer Gänsehaut«

Harry Lange vom EC Bad Nauheim hat beim Gedanken an den Titel von 2013 noch immer »Gänsehaut«. In zweiten Teil des Interviews zum Abschiedsspiel spricht er über einen Talismann und Erinnerungen.
09. November 2018, 07:00 Uhr
Im Siegesrausch: Am Tag nach dem Final-Erfolg präsentiert Harry Lange bei der Meisterfeier des EC Bad Nauheim im Colonel-Knight-Stadion den Cup; nach langer Nacht mit Sonnenbrille. (Foto: Storch/Archiv)

EC Bad Nauheim


Der 21. April 2013 hat die Eishockey-Geschichte in der Wetterau geprägt. In Kassel hat der EC Bad Nauheim die Meisterschaft in der Oberliga gewonnen und ist in die Deutsche Eishockey-Liga 2 aufgestiegen. Am Samstag, mehr als fünf Jahre danach, stehen die Aufstiegs-Helden noch einmal zusammen auf dem Eis; beim Abschiedsspiel für Harry Lange ab 18.30 Uhr. Dies ist der zweite Teil des großen Interviews mit dem heutigen Co-Trainer (lesen Sie hier Teil eins)

Die Szenen sind noch immer präsent. Vor dem geistigen Auge wiederholt sich die Geschichte. Wieder und wieder. Harry Lange spricht von »Gänsehaut«, die er im zweiten und abschließenden Teil des Interviews noch immer spürt, wenn der an jenen Abend vor fünfeinhalb Jahren zurückdenkt.

Harry Lange, denken Sie noch oft an den 21. April 2013?

Ein Bild für die Ewigkeit: Die Roten Teufel feiern vor den mitgereisten Fans die Meisterschaft der Eishockey-Oberliga. Am Samstag kommt die Mannschaft zum Abschiedsspiel von Harry Lange noch einmal in Bad Nauheim zusammen. (Foto: Storch/Archiv)
Ein Bild für die Ewigkeit: Die Roten Teufel feiern vor den mitgereisten Fans die Meistersc...

Harry Lange: Ja. Man trifft natürlich immer wieder Freunde und Bekannte, die damals dabei waren, und oft kommt man irgendwann auf diesen Tag zu sprechen. Meisterschaften sind eben immer etwas Besonderes. Da hat man auch noch mal eine ganz andere Bindung zu den Mitspielern. Wenn am Freitag die Jungs so langsam eintrudeln, wird es sich anfühlen, als sei es gestern gewesen.

Wo steht der Titel in der Liste Ihrer persönlichen Karriere-Highlights? Sie sind schließlich dreimal Meister geworden.

Lange: Der steht schon sehr weit oben. Mit Klagenfurt bin ich in meinem ersten Profijahr Meister geworden. Da denkt man schnell: Okay, normal! Auf den zweiten Titel habe ich vier Jahre warten müssen. Da entsteht ein anderes Selbstverständnis. Man sieht, dass es eben nicht so leicht ist. In Österreich war ich letztlich aber mehr Mitläufer, hier, beim Oberliga-Titel, war ich Führungsspieler. Das macht den Titel noch wertvoller. Ich erinnere mich noch an die Atmosphäre danach in der Kabine. Die meisten haben gefeiert und herum geschrien. Ich saß erstmal da und musste innehalten.

Man hat damals gespürt, wie die Fans nach der DEL 2 gelechzt haben

Harry Lange

Wo würde Bad Nauheim als Eishockey-Stadt heute ohne diesen Titel stehen?

Lange: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hätte es wieder eine Insolvenz gegeben. Das Risiko - das weiß jeder - war groß. Einerseits wird Mut oft belohnt. Anderseits kann das viele Jobs kosten. Man hat damals gespürt, wie die Fans nach der DEL 2 gelechzt haben. Die ersten sieben, acht Heimspiele waren der Wahnsinn. Zumal wir gleich zweimal zu Hause gewonnen hatten. Das war eine Riesen-Euphorie und ein unglaublicher Zusammenhalt. Da hatte man das Gefühl, jeder in Bad Nauheim steht hinter uns.

Was hat in der Final-Serie letztlich den Unterschied ausgemacht?

Lange: Wir hatten in dem Jahr eine brutale Reise hingelegt. Eine neue Truppe, ein neuer Trainer, der ein bisschen eigen ist. Einer, der am Ende aber die richtigen Schlüsse gezogen hat, der genau gewusst hat, was die Mannschaft braucht. Charaktere hatten wir von Beginn an, dazu mit Thomas Ower den besten Torwart der Liga, ein bisschen Glück mit Eddy Rinke. Dann zaubert der Trainer einen Brad Miller aus dem Hut, holt Daniel Huhn und Josiah Anderson. Das hat alles gleich gepasst. Wir sind zusammengewachsen.

Im Februar gab’s noch einmal einen Durchhänger.

Lange: Ja, da hatten wir noch einmal eine schlechte Phase, aber der Trainer hat uns auf den Punkt vorbereitet. Wir haben Frankfurt geschlagen und hatten die bessere Ausgangsposition. Klostersee und Selb in den Playoffs - das war knapp. Gerade gegen Selb, als wir es verpasst hatten, den Sack zuzumachen. Da ist aber auch ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Immer ist einer aufgestanden. Sven Schlicht und Tim May haben wichtige Treffer erzielt. All das hatte zusammen geschweißt.

Nein, dachte ich nur. So verlieren wir das Ding nicht!

Harry Lange

Und dann ging’s gegen Kassel. Zweimal haben die Roten Teufel auswärts nach Overtime verloren.

Lange: In der Pause vor der Verlängerung habe ich mich an die Saisonvorbereitung erinnert. Wir waren damals gemeinsam im Kletterpark. Am Ende hatte jeder ein Stein erhalten, als Talismann. Den hatte ich immer dabei, den habe ich in diesem Moment in den Händen gehalten. Das ist wohl in psychologisches Ding. Und dann stehen wir in der Verlängerung mit zwei Mann weniger auf dem Eis. Nein, dachte ich nur. So verlieren wir das Ding nicht! Das hat sich wohl jeder gesagt. Wir haben die Unterzahl überstanden, na, und dann hatte Brad Miller seinen großen Auftritt. Das ist noch allgegenwärtig.

Mit Blick auf Samstag: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Lange: Ein solches Abschiedsspiel kennt man in Österreich nicht. Insofern fühle ich mich wirklich geehrt. Ich freue mich, mit meinem Bruder Matthias zusammen spielen zu können. Wir haben in unseren Karrieren nur ein einziges Mal ein Drittel lang zusammen auf dem Eis gestanden. Und ich bin dem Verein sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, ehemalige Mitspieler einzuladen, die ich vielleicht nie mehr gesehen hätte. Jetzt, diese zwei, drei Tage, - das berührt mich. Alle haben zusagt, und dass obwohl fast alle noch aktiv sind und diese Wochenende das einzige während der gesamten Saison ist, um mal ein paar Tage auszuspannen abseits des Eises.

Info

Die Kader zum Abschiedsspiel

Team »Oberliga-Meister 2013«:

Tor: Thomas Ower, Niklas Deske.
Verteidigung: Brad Miller, Mike Schreiber, Daniel Ketter, Jan-Niklas Pietsch, Marius Pöpel, Aaron Reckers.
Angriff: Josiah Anderson, Chris Stanley, Eddy Rinke, Daniel Oppolzer, Matthias Baldys, Patrick Strauch, Janne Kujala, Michel Maaßen, Daniel Huhn, Tim May, Sven Schlicht, Jannik Striepeke, Pierre Wex, Harry Lange.

Trainer: Frank Carnevale

Team »Harry & Friends«

Tor: Matthias Lange, Jan Guryca.
Verteidigung: Tommy Jakobson, Marcus Götz, Sven Klimbacher, Alexander Mellitzer, Andre Mücke, Jeremy Rebek.
Angriff: Andreas Pauli, Vitalij Aab, Dusan Frosch, Nils Liesegang, Greg Day, Stefan Herzog, Martin Prada, Mark Brunnegger, Norman Martens, Harry Lange.
Trainer: Daniel Heinrizi.

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