26. März 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Emotionales Playoff-Aus: Was waren die Gründe? Wie geht es weiter?

Das Ende war bitter, emotional und extrem ärgerlich. Die erfolgreichste Saison des EC Bad Nauheim seit 2004 endete am Freitag nach Viertelfinal-Spiel 5 in Kaufbeuren. - Ein Rück- und Ausblick.
26. März 2018, 07:00 Uhr
Saisonende: »Wir sind stolz auf unser Team« singen die 80 Fans des EC Bad Nauheim, als sich die Mannschaft der Roten Teufel nach Playoff-Aus in Kaufbeuren für die Unterstützung von den mitgereisten Anhängern bedankt. (Fotos: Nickolaus)

EC Bad Nauheim


Vor dem Eingang zur Gäste-Kabine wurde geklatscht; es wurde auch geweint und getrunken. Tränen mischten sich mit Alkohol. »22 Players - 1 Heartbeat« war auf einem Plakat zu lesen, das Fans gemalt hatten. Rund zwei Dutzend Anhänger der Roten Teufel applaudierten »ihren« Spielern, als diese am Freitagabend die Erdgas-Schwaben-Arena verließen. Enttäuscht. Tief enttäuscht. Mit leerem Blick. Erneut hatte der EC Bad Nauheim nach Verlängerung verloren; zum dritten Mal im fünften Spiel der Playoff-Viertelfinalserie; zum vierten Mal insgesamt. Enger geht’s kaum. Doch: Das war’s dann! Die erfolgreichsten Saison der Hessen seit 2004 ist beendet.

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»Eine solche Serie habe ich noch nicht erlebt. Das ist schon sehr bitter«, sagt James Livingston, der AHL-erfahrene kanadische Stürmer. Er schüttelte jedem einzelnen der Mitgereisten die Hand, um sich persönlich für die Unterstützung während der Saison zu bedanken. Daniel Ketter oder auch Harry Lange, die beiden dienstältesten Profis im Kader versuchten, den ersten Schock im Kreis der Fans zu verarbeiten, trösteten und wurden getröstet. Andere wiederum wollten mit einem Bier und einer Pizza im Bus für sich alleine sein, ehe auch der letzte Spieler die Kabine unter anerkennendem Beifall verlassen und die schwere Tasche im Bus verstaut hatte; für eine lange, nachdenkliche Fahrt durch die Nacht.

Die Fans sind stolz auf ihre Mannschaft. (Foto: Nickolaus)
Die Fans sind stolz auf ihre Mannschaft. (Foto: Nickolaus)

Die Roten Teufel hatten an jenem Abend einmal mehr mit großem Herz und Leidenschaft gespielt, hatten sich zu Disziplinarstrafen hinreißen lassen, diese aber auch weggesteckt - und sie waren so nah dran. Bis zum Penalty in der 76. Minute. Ob die Unparteiischen hier richtig lagen, lässt sich einerseits diskutieren, andererseits hätten die Gäste die Partie zu diesem Zeitpunkt schon längst entschieden haben können. Viele, viele Möglichkeiten dazu hatte die Mannschaft. Zum zweiten Mal in Folge aber waren die Roten Teufel in Kaufbeuren ohne einen einzigen Treffer geblieben. Ein Sieg in Allgäu, ein Heimspiel am Sonntag, hätte der Spielbetriebs GmbH rund 70 000 Euro in die Kasse gespült; eine Bruttoeinnahme in der Größenordnung eines Hauptsponsors - ärgerlich; ganz abseits vom Sport.

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Cody Sylvester, in der Hauptrunde mit 27 Toren in 52 Spielen unter den Top-10-Goalgetter der DEL2, blieb während der kompletten Viertelfinal-Serie aber torlos; ebenso Mike McNamee, der mit 20 Hauptrunden-Treffern zweitbeste Torschütze der Badestädter. Mit Radek Krestan fehlte in den letzten beiden Partien zudem der drittbeste Torschütze und eine zentrale Figur im Powerplay. Bei einer Erfolgsquote von 10,5 Prozent in Überzahl liegen die Hessen in den Playoffs, nachdem in den letzten vier Hauptrunden-Wochen noch jedes dritte Powerplay mit einem Torerfolg abgeschlossen worden war.

»Die Mannschaft hatte nie aufgehört, an sich zu glauben. Am Ende waren es wieder Kleinigkeiten«, sagte Petri Kujala, der Trainer. Für ihn, der Bad Nauheim während seiner vierjährigen Tätigkeit zweimal direkt ins Viertelfinale und zweimal zum Klassenerhalt in der ersten Playdown-Runde geführt hatte, war’s die letzte Partie als Coach der Hessen. Noch im Kabinengang gab’s denen einen oder anderen Händedruck, eine Umarmung als Dank für die Zusammenarbeit. Wohin sein Weg führt, ist offen; ebenso die Fragen nach seinem Nachfolger und dem künftigen Personal.

 

Vier Spieler unter Vertrag

Der Kern der Mannschaft solle zusammengehalten werden, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer. Allein im vergangenen Sommer hatten die Roten Teufel zwölf Zugänge präsentiert; mit fünf weiteren Neuen war im Verlauf des Winters auf eine in Bad Nauheim noch nicht dagewesene Verletzungspechsträhne reagiert worden. Mit Verteidiger-Eigengewächs Garret Pruden, den jungen Stürmern Nico Kolb und Maurice Keil (war nach Crimmitschau ausgeliehen) und Routinier Radek Krestan (Kontrakt durch Playoff-Qualifikation automatisch verlängert) stehen aktuell vier Spieler unter Vertrag. Dass Felix Bick, der Torwart, nicht zu halten sein wird, liegt auf der Hand. Dass das Gastspiel von Marcel Brandt sportlich und finanziell nur von zeitlich stark begrenzter Dauer sein würde, war ebenso klar. Spieler wie Marius Erk, oder Cody Sylvester hoffen auf DEL-Offerten, und auch ein Mike McNamee weiß inzwischen, was ein Kontingentspieler nach einer guten Debüt-Saison in Europa verdienen kann. Noureddine Bettahar kehrt nach Iserlohn zurück.

Viel diskutiert wird nun natürlich die Frage nach dem künftigen Coach. Auf dem Markt ist Bewegung, wie man dies seit Jahren nicht kennt. Summa summarum haben die GmbH mehr als 30 Anfragen erreicht. Querbeet. Trainer mit DEL 2-Erfahrung, Trainer aus dem Ausland. Aktuell unter Vertrag stehend oder derzeit auch arbeitssuchend. Der Kreis der Kandidaten, mit den man sich ernsthaft beschäftige, bezeichnete Ortwein am Wochenende als »sehr klein«. Zweisprachig solle er sein, mit jungen Spielern arbeiten können, Erfahrung mitbringen. Die Entscheidung solle zeitnah fallen.

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