12. September 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC-Kapitän Brandl: »Eine Watsch’n zur rechten Zeit«

Max Brandl ist neuer Kapitän des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. Vor dem DEL2-Start spricht der 30-jährige Stürmer über die Vorbereitung, über Geduld und fehlende Spielpraxis.
12. September 2018, 07:00 Uhr
Hier spricht der Kapitän: Max Brandl ist Mannschaftsführer des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Christof Kreutzer, der Trainer, hat die Buchstaben »C« und »A« verteilt. Und seine Entscheidung hatte sich während der fünfwöchigen Vorbereitung angedeutet. Max Brandl beerbt Daniel Ketter als Kapitän. Ihm assistieren Mike Dalhuisen und Cody Sylvester. »Max ist ein smarter Bursche, der die Fäden ziehen kann. Sein Wort zählt. Und er strahlt die nötige Ruhe aus«, erklärt Kreutzer seine Überlegungen.
 

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Hinter Brandl liegt - sportlich gesehen - ein schweres Jahr. Im Oktober 2017, als der junge Familienvater während des Spiels gegen Crimmitschau kopfüber in die Bande eingeschlagen war, hatte er noch Glück im Unglück, fehlte nur zwei Wochen. Im Dezember dann beendete ein Schlagschuss von Ex-NHL-Profi Mark Mancari (Freiburg) die Saison des Angreifers, der gerade so richtig in Form gefunden hatte. Diagnose: Knöchelbruch. 21 Spiele nur hatte der gebürtige Landshuter absolvieren können (ein Tor, 13 Vorlagen). Bei einem »Insel der Sinne«-Tee im Cafe Müller am Aliceplatz spricht Brandl über die Testspiel-Eindrücke, sein Comeback und seine neue Rolle als Kapitän.

Max Brandl, fünf Wochen Vorbereitung liegen hinter den Roten Teufeln. Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit?

Max Brandl: Siege in der Vorbereitung sind sicher schön und gut. Aber letztlich - das wissen wir alle - sind die Ergebnisse zweitrangig. Wichtig ist, dass wir uns als Mannschaft finden, dass wir in der Lage sind, das System des Trainers umzusetzen. Dazu kommt natürlich der Fitness-Aspekt. Die Partie in Villach war sicher ein guter Anfang, in Olten waren wir katastrophal schlecht. Gegen Heilbronn haben wir einmal gut, einmal schlecht ausgesehen. Und gegen die Oberligisten, gegen Zell am See oder Salzburg II muss man erstmal gewinnen, auch als Favorit. Ich denke, unterm Strich war’s zufriedenstellend, aber man darf die Ergebnisse sicher nicht auf die Goldwaage legen.
 

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Die Generalprobe ist misslungen. In Heilbronn lag Ihre Mannschaft nach 30 Minuten mit 1:5 zurück. Bleibt so etwas nun in den Köpfen, oder ist das mit Vorfreude auf den Saisonstart einfach abzuhaken?

Brandl: Ich sehe das als eine Watsch’n zur rechten Zeit. Wenn wir am Ende gleich acht von neun Spielen gewonnen hätten, wären wir vielleicht zu entspannt gewesen, obwohl jeder weiß, dass da auch Siege gegen Oberligisten dabei waren. Jetzt wissen wir: Wow! Wir müssen aufpassen.

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Für Sie war die Saison 2017/18 verletzungsbedingt bereits Mitte Dezember beendet. Wie fühlt es sich an, wieder auf dem Eis zu stehen, ein Teil der Mannschaft zu sein?

Brandl: Eishockey ist nicht nur ein Beruf, sondern auch Leidenschaft. Insofern war das schon eine harte Zeit. Das war ich auch nicht mehr gewohnt. Meine letzte langwierige Verletzung liegt doch schon einige Jahre zurück. Der Einstieg ist dann natürlich ein bisschen schwierig vom Timing her. Das braucht ein bisschen Zeit, wird aber von mal zu mal besser.

Jonathan Boutin, Jan Guryca, Jannick Woidtke und Marcel Kahle sind in vergleichbaren Positionen, haben im Vorjahr wenig, teils gar nicht gespielt. Ist das also einfach eine Frage der Geduld?

Brandl: Das ist sicher eine Typ-Frage. Dem einen merkt man das an, der hat die Verletzung vielleicht noch im Hinterkopf. Der andere steigt da nahtlos ein. Ich kann nur für mich sprechen. Einer Verletzung, die eine Saison vorzeitig beendet, folgt natürlich eine gewisse Findungsphase.

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Christof Kreutzer hat Sie zum Kapitän ernannt und Ihnen damit ein gewisses Maß an Verantwortung übertragen. Wie ist Ihr Verhältnis zum Trainer?

Brandl: Professionell. Wir kannten uns zuvor nicht. Christof legt großen Wert auf Detailarbeit. Da geht’s auch mal darum, sich auf dem Eis zwei, drei Meter anders zu positionieren. Das kann den Unterschied machen. Wir hatten gleich ein2 gutes Verhältnis. Abseits des Eises ist er sympathischer Mensch, auf dem Eis Profi und wird auch mal deutlich, wenn es nicht so läuft. Das gehört auch dazu.

Hat Sie seine Entscheidung überrascht?

Brandl: Naja, das habe ich in der Vorbereitung ja schon ein bisschen gespürt. Ich hatte in einigen Spielen das »C« auf der Brust, zähle zu den älteren Spielern, habe aber einen guten Draht zu den jungeren Leuten und auch zu unseren Nordamerikanern. Eine gewisse Art von Führungsrolle hätte ich so oder so übernommen.

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Wie interpretieren Sie die Kapitänsrolle?

Brandl: Ich will vorangehen, auf und abseits des Eises, und ich bin natürlich der, der während dem Spiel mit dem Schiedsrichter spricht. Letztlich muss ich mich in dieser Rolle nicht verstellen. Viele glauben, als Kapitän müsse man der Lautsprecher im Team sein. Das sehe ich anders. Es gibt sicher Spieler, die in der Kabine wesentlich mehr sagen. Letztlich ist der Buchstabe nicht ausschlaggebend. Ich bleibe, wie ich bin.

Sind Sie in Entscheidungsprozesse eingebunden?

Brandl: Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, werde ich mich äußern. Wie jeder andere Spieler auch. Grundsätzlich haben die Trainer die Verantwortung. Sie sind Chefs und entscheiden, wo es langgeht. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es auf Dauer nicht gut ist, wenn Spieler zu viel Einfluss ausüben wollen.

Sie haben die Begeisterungsfähigkeit in der Wetterau kennengelernt, anfangs aber auch mit kritischen Töne umgehen müssen. Augenblicklich sind die Erwartungen groß. Welches Ziel ist realistisch?

Brandl: Die Erwartungen hoch. Das spürt man. Im Eishockey spielen wir im Playoff-Format, und deshalb kann es in der Hauptrunde nur ein Ziel geben; die Playoffs zu erreichen. Wie man platziert ist oder auf welchem Weg das gelingt, ist zweitrangig. Ingolstadt und Krefeld haben als Hauptrunden-Achter und -Zehnter einst Titel gewonnen. Ich will auch nicht auf die Bremse treten, denn Erwartungen bringen gerade in einer Stadt wie Bad Nauheim Enthusiasmus und Vorfreude mit sich; aber wir können doch auch jetzt nicht von Rang vier, fünf oder sechs sprechen. Dann verlieren wir dreimal, und alles bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Es mag abgedroschen klingen, aber in den Playoffs ist nunmal alles möglich. Realistisch ist sicher Platz zehn und besser. Das ist jedem bewusst. Aber ich erinnere mich auch noch an den November, Dezember letzten Jahres. Da wurde uns schon der Abstieg prognostiziert, letztlich sind wir Fünfter geworden. Im Verlauf einer Saison gibt es Höhen und Tiefen; bei jedem Klub. Entscheidend ist der Umgang damit und der Zeitraum.

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