04. August 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Das sagt der neue Trainer Christof Kreutzer vor dem Vorbereitungsstart

Die Erwartungen sind groß. Und die Vorfreude ebenso. Zum Start der Vorbereitung spricht Christof Kreutzer, der neue Coach des EC Bad Nauheim, über Qualität, Identifikation und eine neue Erfahrung.
04. August 2018, 07:00 Uhr
Auf zu neuen Aufgaben: Christof Kreutzer brennt auf den Saisonstart. (Foto: Storch)

EC Bad Nauheim


Christof Kreutzer ist jetzt Nauheimer. Am vergangenen Wochenende haben der 51-Jährige und seine Frau Jutta die Umzugskisten in eine Wohnung unweit vom Stadtzentrum gestellt. Das Ankommen sei leicht gefallen. Mehrfach war Kreutzer, der nahezu sein komplettes Eishockey-Leben lang für die Düsseldorfer EG gespielt und gecoacht hat, in den Sommermonaten in der Wetterau gewesen, um schon »ein Gefühl zu bekommen«. Für seinen neuen Arbeitsplatz. Für die Mitarbeiter, die Stadt, die Menschen und das Drumherum. Eine Woche vor der Fahrt ins Trainingslager nach Villach hat der DEL-Coach des Jahres 2016 im »Cafe Müller« am Aliceplatz über den Kader, über Identität und eine ungewohnt knifflige Aufgabe gesprochen.

Christof Kreutzer, Ihre Verpflichtung ist in Bad Nauheim mit einer großen Erwartungshaltung verknüpft. Haben Sie schon erklären müssen, dass Ihr Name allein eine Playoff-Teilnahme nicht automatisch nach sich zieht?

Kreutzer: Ich habe schon hier und da das Gefühl, die Leute etwas auf den Boden holen zu müssen. Im Sport läuft nichts von alleine. Da gehört sehr viel Arbeit dazu. Im Hintergrund wird diese geleistet, und nun liegt es an uns, unsere Qualitäten und unsere Ideen auf das Eis zu bringen.

Hinter den Roten Teufeln liegt die erfolgreichste Saison seit 2004. Der EC Bad Nauheim wird sich zwangsläufig an Platz fünf messen lassen müssen.

Kreutzer: Ich habe sehr großen Respekt vor dieser Platzierung, und das freut mich für Bad Nauheim. Man muss andererseits auch mit Realismus in die Saison gehen. Platz fünf ist da nicht selbstverständlich. Wenn wir in die Pre-Playoffs müssen, werden wir dort weiter kämpfen. Wir wollen aber hart arbeiten, um dies zu vermeiden.

In der DEL konnte man sich bei neun Spielern auch mal erlauben, einen Profi zu holen, mit dem es vielleicht nicht so funktioniert. Das geht in der DEL2 nicht

Christof Kreutzer

Mit Riessersee ist ein Top-Klub nicht mehr dabei. Neu ist Deggendorf. Der Aufsteiger ist eher der zweiten Hälfte des Klassements zuzuordnen; ebenso Nachrücker Bayreuth, der erst spät den Kader zusammenstellen konnte.

Kreutzer: Ich hatte die DEG einst übernommen, da war das Team zweimal abgeschlagen am Tabellenende. Die Fachzeitungen titelten in ihrer Prognose: Wieder Letzter. Am Ende haben wir alle überrascht. Zu solchen Gedanken darf man sich deshalb nicht verleiten lassen. Personalpolitisch kann man auch im August noch richtig Glück haben, mit Spielern, die ursprünglich auf andere Angebote spekuliert haben. Und wenn da plötzlich vier Top-Ausländer auf den Eis stehen, kann dies das Bild der Mannschaft komplett verändern. In Deggendorf und sicher auch durch die besondere Konstellation in Bayreuth wird eine gewisse Euphorie die Mannschaft tragen.



 

Sie haben sich auf vier Ausländer beschränken müssen. Eine für einen DEL-Trainer unbekannte Erfahrung.

Kreutzer: Ja, das stimmt. Das war Neuland. Irgendwann hat man einen Pool an interessanten Namen, aber nur vier Stellen. In der DEL konnte man sich bei neun Spielern auch mal erlauben, einen Profi zu holen, mit dem es vielleicht nicht so funktioniert. Das geht in der DEL2 nicht. Wir haben intern über sehr, sehr viele Optionen gesprochen, und ich bin überzeugt, dass wir uns richtig entschieden haben.

Wo konkret sehen Sie den Kader gegenüber dem Vorjahr verbessert?

Kreutzer: Im Tor sind wir mit  Jonathan Boutin  gut besetzt. Wenn Felix Bick hätte bleiben wollen, wären wir auch mit ihm gut aufgestellt gewesen. In der Verteidigung waren viele Position bereits besetzt. Aber das passt. Man muss sich auch vom Gedanken lösen, einen Marcel Brandt ersetzen zu wollen. Das geht nicht. Das war ein Glücksfall. Einen Spieler dieser Kategorie bekommt man im Sommer ohnehin nicht. Marcel hat nach seiner Zeit in Düsseldorf vor Energie nur gesprüht; wie ein Duracell-Hase, den man aufzieht, aber noch in den Händen hält. Für uns ist beispielsweise ein Jannick Woidtke wie ein Neuzugang. Ich kenne seine Qualitäten, und den Bruder Leichtfuß, der ihm nachgesagt wird, bekommen wir in den Griff. Auch von einem Garret Pruden erwarten wir den Schritt zum Stammspieler. Aus ihm ist einiges rauszuholen.   Wenn Yannick Mund so funktioniert  , wie ich mir das vorstelle, dann sind wir in der Defensive erst einmal gut aufgestellt.

In unserer Position, als Standort Bad Nauheim, geht es nur über Geschlossenheit

Christof Kreutzer

Und in der Offensive?

Kreutzer: Cody Sylvester hat eine sehr gute Saison gespielt. Auf den Außenpositionen sehe ich ihn aber effektiver. Da kann er noch mehr über’s Tempo kommen. James Livingston ist ein stabiler Spieler, der hingeht, wo es weh tut, der seine Teamkollegen pusht. Ich denke, der kann mehr als er im Vorjahr gezeigt hat. Dustin Sylvester hat den unbedingten Willen und das Potenzial zu einem der besten Spieler der Liga zu werden. Mit Radek Krestan haben wir einen erfahrenen Mann, da wissen wir, was wir an ihm haben. Dazu kommen mit Max Hadraschek, Andrej Bires und Marcel Kahle drei Spieler, die den nächsten Schritt machen wollen, die für eine Überraschung gut sein können. Natürlich wünschen wir uns, dass alle drei den Sprung schaffen.



 

Die Kooperation mit Düsseldorf wurde inzwischen fixiert. Inwiefern können Sie mit Förderlizenzspielern planen?

Kreutzer: Die DEG ist nicht so breit aufgestellt wie in der Vergangenheit. Wir nehmen drei eigene Tryout-Spieler mit ins Trainingslager, um uns nicht von einer Kooperation abhängig zu machen. Die DEG-Spieler können uns punktuell helfen und ergänzen, aber wir können nicht stabil mit ihnen für die Saison planen.

Was war Ihnen in der Kaderzusammenstellung wichtig?

Kreutzer: Priorität hat die Defensive. Da müssen wir gut aufgestellt sein. Mit Mike Dalhuisen haben wir einen Kontingentspieler, von dem ich überzeugt bin. Auf der anderen Seite ist es schwer, deutsche Verteidiger auf dem Markt zu finden. In meinen Augen unterschätzen viele Spieler die Chance, die die zweite Liga bietet, da in der DEL oftmals auf drei Ausländer in der Abwehr gesetzt wird, was die Zahl der Jobs doch stark einschränkt.

In unserer Position, als Standort Bad Nauheim, geht es nur über Geschlossenheit

Christof Kreutzer

Mit Harry Lange, Andreas Pauli und Dusan Frosch sind drei Spieler, die den EC in den vergangenen Jahren geprägt haben, nicht mehr dabei. Muss die Mannschaft erst eine neue Identität finden? Oder sollte mit einem Trainerwechsel dieser Umbruch gezielt herbeigeführt werden?

Kreutzer: Das hat sich einfach ergeben. Manchmal ist es Zeit für Veränderungen, und in manchen Fällen wollte auch der Spieler eine Veränderung. Andere rücken jetzt nach, treten in diese Fußstapfen und werden Dinge vielleicht auf anderen Wegen lösen. Wichtig ist, zu einem Team zu werden. In unserer Position, als Standort Bad Nauheim, geht es nur über Geschlossenheit. Dazu gehört die Mannschaft, das Umfeld und natürlich die Fans. Unsere Aufgabe ist es, das Publikum mitzunehmen, es zu begeistern.

Info

Der Vorbereitungsfahrplan des EC Bad Nauheim

Am 12. August reist der EC Bad Nauheim ins Trainingslager nach Villach (Österreich). Nach der Rückkehr präsentiert sich die Mannschaft am 19. August im Rahmen einer Autogrammstunde während des Elvis-Festivals in der Kurstadt. Am 22. August wird die Vorbereitung in Düsseldorf fortgesetzt. Das erste Eistraining in Bad Nauheim ist für 28. August vorgesehen.

Die Vorbereitungsspiele:

Freitag, 17. August Villach (A)
Samstag, 18. August Zell am See (A)
Freitag, 24. August Olten (A)
Sonntag, 26. August Herne (H)
Freitag, 31. August Heilbronn (H)
Sonntag, 2. September Herne (A)
Dienstag, 4. September Duisburg (H)
Freitag, 7. September Salzburg II (H)
Sonntag, 9. September Heilbronn (A)

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