20. Dezember 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Der EC Bad Nauheim und das Geheimnis um das Alter von Steve Slaton

Steve Slaton vom EC Bad Nauheim ist in Unterzahl kaum vom Eis zu bekommen. Blaue Flecken zählt er längst nicht mehr. Im Interview lüftet er das Rätsel um sein wahres Alter.
20. Dezember 2018, 07:00 Uhr
Steve Slaton gehört zu den zentralen Bausteinen der Abwehr des EC Bad Nauheim. (Foto: Chuc)

EC Bad Nauheim


Steve Slaton steht beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim zumeist im Schatten seiner Teamkollegen, in zweiter oder dritter Reihe hinter Topscorern, Siegtorschützen oder Torhütern. Der gebürtige US-Amerikaner spielt eben unspektakulär, schnörkellos. Toreschießen ist so gar nicht sein Ding. Intern spielt der 38-Jährige aber eine ganz andere Rolle. Slaton steht in Unterzahl noch auf dem Eis, wenn andere längst gewechselt haben. Manchmal spielt er die zwei Minuten auch komplett durch. Die Zahl der Schüsse, die er blockt – sie wird schon gar nicht mehr gezählt. »Das ist schon unglaublich, was er da alles wegblockt, mit welcher Cleverness er spielt«, sagt Trainer Christof Kreutzer über den zweifachen Familienvater, der im Januar 2017 nach acht Jahren in Bremerhaven in die Wetterau gewechselt war.

Steve Slaton, wer Sie und Ihre Blocks sieht könnte meinen, Sie stehen auf Schmerzen.

Steve Slaton (lacht): Das ist ein Teil der Jobs.

Haben Sie denn montags schon mal Ihre blauen Flecken gezählt?

Slaton: Nein. Wenn ein Fleck verschwindet, kommt am nächsten Wochenende an anderer Stelle ein anderer Fleck dazu. Das ist eben so. Das muss ich nichts zählen.

Wie schwer ist es, auch immer wieder Schüsse zu blocken, nachdem Sie schon x-Mal getroffen worden sind?

Slaton: Für mich ist das jetzt nichts Besonderes. Das passiert eben. Wenn es dreimal wehgetan hat, dann spielt es letztlich auch keine Rolle mehr, ob man noch ein fünftes oder sechstes Mal getroffen wird.

Mein Spiel ist es nicht, offensiv etwas erzwingen zu wollen

Steve Slaton

Sie stehen mitunter die kompletten zwei Unterzahl-Minuten auf dem Eis. Was ist an dieser Aufgabe so reizvoll?

Slaton: Wenn es die Situation erfordert, beispielsweise ein anderer Verteidiger auf der Strafbank sitzt, dann bleibe ich schon mal auf dem Eis. Ich habe im Laufe der Jahre viele Powerplay-Spielzüge gesehen und denke, dass ich in eigener Unterzahl das Spiel des Gegners recht gut lesen kann.

Sie sind im Januar 2017 nach Bad Nauheim gekommen. Wann wird man Ihren ersten Treffer im Trikot der Roten Teufel feiern können?

Slaton: Ach. Ich hätte alleine in dieser Saison schon fünf Treffer erzielen müssen. Mein Spiel ist es nicht, offensiv etwas erzwingen zu wollen. Dafür haben wir andere Spieler im Kader. Natürlich sucht man hier und da eine Lücke. Aber bislang hatte ich noch kein Glück. Ich bin deshalb nicht ungeduldig. Wenn er irgendwann mal drin ist, ist er drin.

Sie sind der älteste Spieler im Kader. Jetzt kommen acht Spiele in 17 Tagen. Spüren Sie Respekt oder Vorfreude angesichts der Ausfälle in der Verteidigung?

Slaton: Meine Aufgabe ist es zu spielen, wenn der Trainer mich auf dem Eis haben will. Ob wir zu viert sind oder nicht - darüber mache ich mir keine Gedanken. Körperlich fühle ich mich gut. Das ist kein Problem. Natürlich ist das ein straffes Programm. Aber letztlich spiele ich auch lieber als zu trainieren.

Was zählt ist, was meine Teamkollegen über mich denken

Steve Slaton

Sie stehen mit Ihrer Leistung zumeist im Schatten der Topscorer, Siegtorschützen oder Torhüter. Ist diese Rolle nicht manchmal undankbar und frustrierend?

Slaton: Was zählt ist, was meine Teamkollegen über mich denken; ob sie mich für mein Spiel respektieren. Wenn das der Fall ist, ist alles in Ordnung. Natürlich ist es schön, als Spieler des Abends ausgezeichnet zu werden, aber das ist nicht der Maßstab, den ich bei mir anlege. Ich bin ein Teamplayer; schon während meiner gesamten Laufbahn. Wenn ich in der Offensive spiele, spiele ich in der Offensive und wenn ich verteidige, dann verteidige ich.

Die Roten Teufel haben zuletzt zweimal freitags auswärts unglücklich verloren, sich sonntags aber unbeeindruckt mit Zu-null-Siegen zurückgemeldet. Wie gelingt es, diesen Freitag-Frust so schnell aus den Köpfen zu bekommen?

Slaton: Naja, am Sonntag ging es gegen Kassel. Ein Derby. Das ist immer einfach. Letztlich haben wir die letzten sechs, acht Partien sehr gut gespielt. Manchmal springt der Puck eben nicht dorthin, wo Du ihn gerne hättest. Solche Serien gibt es nun mal. Du spielst gut, gewinnst aber nicht. Es hat auch nicht immer jeder jeden Tag seinen besten Tag. Du hast Chancen, triffst aber nicht. In solchen Situationen kommt es auf Zusammenhalt und Selbstvertrauen an. Da muss man ruhig bleiben, mit der gleichen Bereitschaft und Leidenschaft in das nächste Spiel gehen. Irgendwann wendet sich das Blatt.

Info

Das Rätsel um das Alter von Steve Slaton

Steve Slaton ist 36 Jahre alt und in Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. So steht’s in den Eishockey-Datenportalen wie »Hockeydb«, »Rodi-db« und auch in der Internet-Enzyklopädie »Wikipedia« zu lesen. Die gleichen Angaben finden sich auf der Seite der DEL2 wie auch auf der Homepage des EC Bad Nauheim. Stimmt aber nicht, verrät Steve Slaton im WZ-Interview. Er sei schon zwei Jahre früher, nämlich 1980 geboren, und nicht in Plymouth, wo er aufgewachsen ist, sondern in Elyria in Ohio. Woher der Fehler stammt? »Das muss schon zu Juniorenzeiten passiert sein. Und niemand hat sich darum gekümmert, dies zu korrigieren. Aber: Das Alter ist ohnehin nur eine Zahl«, sagt Slaton und lacht. Seine Leistung bestätigt ihn in dieser Aussage. Zumindest im Portal »eliteprospects« ist das Geburtsdatum inzwischen korrigiert.

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