23. Dezember 2018, 06:00 Uhr

Darts

Darts: Olympische Spiele als großes Ziel für Funktionär Jürgen Rollmann aus der Wetterau

Wer Jürgen Rollmann googelt, bekommt viele Treffer: Mal geht’s um seine Karriere als Fußballer, mal als Manager, mal als Journalist. Jetzt ist der Büdinger Sportdirektor des Deutschen Dartverbandes.
23. Dezember 2018, 06:00 Uhr
Neue Aufgabe: Seit Oktober ist der Büdinger Jürgen Rollmann neuer Sportdirektor des Deutschen Dart-Verbandes. Im Dezember bezog der deutsche Dachverband für die Amateurspieler seine neuen Räume im DOSB-Haus in Frankfurt. (Foto: Hartenfelser)

Als Torwart hat Jürgen Rollmann in der Fußball-Bundesliga gespielt, stand beim Bremer Europapokalsieg im Finale 1992 im Werder-Kasten. 24 Jahre nach dem Ende seiner Fußball-Karriere spielt Jürgen Rollmann wieder in der Bundesliga. Der 52-Jährige ist als Spieler des DC Daltons Hirzenhain in die Darts-Bundesliga aufgestiegen. Der im Büdinger Ortsteil Lorbach aufgewachsene und nun wieder wohnhafte Rollmann hat sein Hobby sogar zum Beruf gemacht und ist seit wenigen Wochen Sportdirektor des 12 000 Mitglieder umfassenden Deutschen Dart-Verbandes (DDV). Ein Gespräch über die Faszination Darts, den Boom der »Kneipensportart« und die deutschen Starter bei der derzeit laufenden Darts-Weltmeisterschaft.

Herr Rollmann, 1992 haben Sie mit Werder Bremen den Europapokal der Pokalsieger gewonnen, 1994 haben sie ihr letztes Bundesligaspiel im Tor des MSV Duisburg bestritten. 24 Jahre später spielen sie wieder Bundesliga – mit dem DC Daltons Hirzenhain in der Darts-Bundesliga. Wie kam es dazu?

Jürgen Rollmann: Mitte 2014 habe ich mir in meinem Haus einen Partyraum, mein Rollypally, eingerichtet, einen Dart-Automaten und eine Steel-Dart-Scheibe gekauft und angefangen zu üben. Irgendwann habe ich dann Spieler aus dem Büdinger Raum kennengelernt, die mich in ihre E-Dart-Mannschaften aufgenommen haben. Und beim DC Daltons sind viele sehr erfahrene Spieler aktiv, mit denen zusammen Anfang 2018 der Aufstieg in die Bundesliga Hessen, eine von fünf Bundesligen in Deutschland, geglückt ist.

Was ist für Sie der Reiz am Darts-Sport?

Rollmann: Es ist irgendwie einfach, aber doch so schwer – vor allem, wenn es um die Konstanz geht. Jeder kann drei Pfeile auf eine Scheibe werfen, aber nur wenige treffen konstant eine hohe Punktzahl. Sich verbessern zu wollen, der Wettkampfcharakter, mit jungen Leuten im Austausch zu bleiben. Das macht für mich den Reiz aus.

Erinnerungen an alte Zeiten: Jürgen Rollmann gewinnt 1992 als Torwart des Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen den Europapokal der Pokalsieger. 	(Foto: imago)
Erinnerungen an alte Zeiten: Jürgen Rollmann gewinnt 1992 als Torwart des Fußball-Bundesli...

Was ist der Unterschied zwischen E-Darts und dem »normalen« Darts, dem Steel-Darts, in dem die WM ausgetragen wird?

Rollmann: Bei Wurftechnik und Abstand zum Board gibt es keine Unterschiede mehr, weshalb viele Spieler sowohl als auch spielen. Beim Steel-Darts muss in der Regel selbst gezählt werden, man braucht einen sogenannten Schreiber. Und es zählen nach drei Würfen nur die Pfeile, die im Board stecken geblieben sind. Beim E-Dart kann man eine 180 werfen, ohne dass zum Schluss ein Pfeil steckt. Im Gegensatz zu Großbritannien stehen in Deutschland in Gaststätten überwiegend E-Dart-Automaten, so dass die meisten Spieler bei uns auch mit E-Dart anfangen.

Der Darts-Sport boomt in Deutschland. Merken Sie als Verband das auch an den Spielerzahlen und der Leistungsdichte?

Rollmann: Ja. Dass sich vier deutsche Spieler für die WM qualifiziert haben und der Profiverband PDC mittlerweile eine Vielzahl von Events in Deutschland ausrichtet, sind Zeichen für den aktuellen Boom in Deutschland. Genauso wie viele gut besuchte Turniere im DDV und seinen 13 Landesverbänden. Durch die ständig wachsenden Preisgelder entdecken viele Spieler nicht nur die Leidenschaft für den Sport, sondern haben die Möglichkeit, damit auch Geld zu verdienen.

Worin sehen Sie die Gründe für den Boom dieses einstigen Kneipensportes?

Rollmann: Dart ist über Jahrzehnte immer populärer geworden, hat immer mehr Spieler angezogen und ist längst aus den Pubs in Großbritannien, wo alles irgendwann einmal begann, als Veranstaltungsformat in den großen Hallen gelandet. Ich habe mir zweimal die Team-Weltmeisterschaft in Frankfurt vor Ort angeschaut. Da sind über vier Tage fast 20 000 Besucher gekommen, die sich teilweise verkleidet, Lieder gesungen und Party gemacht haben – aber keineswegs losgelöst von dem, was sportlich auf der Bühne passiert ist. Denn das ist immer noch das Wichtigste. Beim Fußball gehen ja auch viele Amateurspieler zu Bundesligaspielen, um die Besten ihrer Lieblingssportart zu sehen und gleichzeitig die Stadionatmosphäre zu genießen. Das ist beim Dart nicht anders.

Bei der Weltmeisterschaft gab es erstmals zwei Startplätze für Frauen. Wie bewerten Sie das?

Rollmann: Positiv! Bei DDV-Ranglistenturnieren wird nicht gemischt gespielt, sondern es gibt getrennte Wettbewerbe und je ein Nationalteam für Herren und Frauen. In Ligaspielen sind dagegen gemischte Mannschaften erlaubt – es gibt sehr viele sehr gute Spielerinnen.

Darts schafft eine Verbindung zwischen dem Feiern und dem Sport

Jürgen Rollmann

Wie ist es um den Darts-Sport in Deutschland institutionell bestellt?

Rollmann: Mit dem Beitritt des DDV zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist Darts im Jahre 2010 in Deutschland offiziell als Sport anerkannt worden. In diesem Jahr gab es erstmals Fördergelder für den DDV. Damit wird gerade eine neue Struktur aufgebaut mit sogenanntem Leistungssportpersonal, zu dem ein Sportdirektor und ein Bundestrainer gehören. Wir haben die Aufgabe, Kaderathleten zu benennen und für diese ganzjährig Trainingsmaßnahmen anzubieten, um die Spitzenspieler bei Herren, Frauen und Jugend noch besser fördern zu können. Zur weiteren Professionalisierung gehört auch die Eröffnung eines DDV-Büros im Haus des Deutschen Sports in Frankfurt, was wir Anfang Dezember bezogen haben.

Wann wird Darts olympische Sportart?

Rollmann: Diese Idee hat viele Sympathisanten, ist in der Umsetzung aber ein komplizierter sportpolitischer Prozess, bei dem der Dart-Weltverband WDF vorangehen muss. Der neue DDV-Präsident Michael Sandner hat vor wenigen Wochen einen entsprechenden Antrag beim WDF eingebracht, um die Anerkennung durch das IOC formal anzugehen. Zweifellos würde die Option einer Teilnahme an Olympischen Spielen eine Faszination für viele Dartspieler ausüben. Deshalb wird der DDV an diesem Thema auch mit Nachdruck dranbleiben.

Was gibt es sonst für Ziele?

Rollmann: Für 2019 ist angestrebt, unter dem Dach des Verbandes eine eigene Paradart-Abteilung aufzubauen, also den Darts-Sport für Behinderte attraktiver zu machen. Es gibt schon etliche Behindertensportverbände, die großes Interesse daran zeigen.

Seit vergangener Woche läuft die Darts-WM in London. Gespielt wird auch samstags, zur besten Bundesligazeit. Was werden Sie sich live im Fernsehen anschauen: Darts-WM oder Fußball-Bundesliga?

Rollmann: Sollte die Partie eines deutschen Spielers in London parallel zu einem Fußball-Spiel übertragen werden – Darts!

Info

Die Darts-WM auf einen Blick

Darts wird immer populärer, ist aber dennoch eine Randsportart. Die Regeln bei der WM sind einfach. Zwei Spieler treten gegeneinander an, beide haben am Anfang eines Legs 501 Punkte auf dem Konto und müssen diese schnellstmöglich auf Null spielen. Der letzte Wurf muss dabei immer auf ein Doppelfeld am Rand der Scheibe erfolgen. Pro Durchgang hat jeder drei Würfe. Bei der WM braucht man drei Legs, um einen Satz zu gewinnen. In der ersten Runde sind drei Satzgewinne notwendig, um weiterzukommen. Das steigert sich. Im Finale sind sieben notwendig. Die Teilnehmerzahl wurde in diesem Jahr erstmals von 72 auf 96 erhöht. Die ersten 32 der Weltrangliste haben in der ersten Runde ein Freilos. Zu diesen zählt auch Max Hopp, der aus Idstein stammt. Der 22-Jährige ist die Nummer 32. Ihm droht aber bereits am heutigen Samstag in der dritten Runde das Aus im Duell mit dem Weltranglistenersten Michael van Gerwen aus den Niederlanden. Neben Hopp sind mit Martin Schindler (Nummer 46), WM-Debütant Gabriel Clemens (66) und Robert Marijanovic (95) erstmals vier deutsche Spieler an den Start gegangen. Zu den Neuerungen der Darts-WM in diesem Jahr gehörte auch, dass zwei weibliche Teilnehmer feste Startplätze bekommen haben. Die Engländerin Lisa Ashton und die Russin Anastassija Dobromyslowa scheiterten allerdings bereits in der ersten Runde. Der deutsche Spartensender Sport 1 zeigt im frei empfangbaren Fernsehen insgesamt über 110 Stunden live und alle Sessions im kostenlosen Livestream auf dem YouTube-Kanal des Senders. Auch der Bezahlsender DAZN überträgt alle Spiele live.

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