02. September 2012, 21:48 Uhr

Wetzlar auf Erfolgskurs

Die HSG Wetzlar bleibt in der Handball-Bundesliga der Männer auf Erfolgskurs. Dem Auftakt-33:26 gegen den HSV Hamburg ließen die Mittelhessen am Samstag einen 28:26-Erfolg bei HBW Balingen/Weilstetten folgen.
02. September 2012, 21:48 Uhr
WETZLARER SIEGGARANTEN: Spielmacher Adnan Harmandic (links) und Trainer Kai Wandschneider führten die Grün-Weißen auf der Schwäbischen Alb zum ersten Erfolg in der Bundesliga-Geschichte. (Foto: Eibner)

Die Rollen vor der Balinger Heimpremiere waren klar verteilt: Nach dem Sensationssieg über Ex-Meister HSV Hamburg gingen die verstärkten Wetzlarer als Favorit auf die Platte. Sie füllten diese Rolle auch souverän aus und stellten beim 28:26 (15:9)-Erfolg auf der Schwäbischen Alb die klar bessere Mannschaft: Effektiv im Abschluss mit einer hohen individuellen Qualität, effizient in der Abwehr mit taktischen Finessen. »Es war ein extrem schwieriges Spiel«, betonte Balingens Geschäftsführer Bernd Karrer, »das Wetzlar in dieser Saison hat nichts mehr mit dem der Vorsaison zu tun.« Die neu formierte Truppe der »Gallier von der Alb« allerdings auch nicht. Und so war es nicht verwunderlich, dass Trainer Dr. Rolf Brack Roland Schlinger einsetzte, obwohl der Österreicher nach seiner Grippe noch nicht 100-prozentig fit war. »Mein Fehler«, räumte der Sportwissenschaftler unumwunden ein, »mit Foth wären wir wahrscheinlich besser besetzt gewesen. Vielleicht hätte ich nicht nach Namen aufstellen sollen.«

Ohne Zweifel, der Austria-Bomber enttäuschte – wie das Gros der Balinger Mannschaft in den ersten 30 Minuten. Den besseren Auftakt erwischten die Mittelhessen, welche nach einem Rückraumkracher des überragenden Michael Müller schnell mit 2:1 vorne lagen (3.). Auf der Gegenseite sorgte Fabian Gutbrod nach einer der wenigen gelungenen HBW-Offensivaktionen für den Ausgleich. Postwendend stellte HSG-Regisseur Adnan Harmandic den alten Abstand wieder her und Jens Tiedtke legte vom Kreis das 4:2 nach (5.).

Wie schon in Hannover leistete sich Balingen/Weilstetten viele einfache Fehler, kam in der Offensive nicht richtig zum Zug – und auch die Abwehr wackelte. Logische Konsequenz: Wetzlar führte weiter (4:6/9.). Brack reagierte, wechselt die Abwehrformation und das Personal auf vier Positionen. Die Rochaden zeigten keine Wirkung. Nach sechs torlosen Minuten brachten Benjamin Herth und Neuzugang Florian Billek die Schwaben noch einmal auf 6:8 heran (15.), doch auch in der Folgezeit stellten die Mittelhessen die bessere, die abgeklärtere Mannschaft. Die konservierte ohne große Probleme die Führung (9:12/19.), während der HBW immer und immer wieder im Abschluss scheiterte und weiter zurückfiel (9:15/ 24.).

Ging da noch etwas in den ersten 30 Minuten? Nicht viel: Einzig Manuel Liniger sorgte per Siebenmeter für den 11:15-Pausenstand. Bitter für Brack: Auch seine zweite Auszeit verpuffte. Exzellent in Szene gesetzt, scheiterte Christoph Theuerkauf frei an HSG-Keeper Nikolai Weber. »Die vielen Fehlwürfe sind unser Grundproblem«, haderte der Balinger Kommandogeber, »aber in der ersten Halbzeit waren wir auch in der Abwehr nicht robust genug.«

Das änderte sich nach Wiederanpfiff. Der HBW erwischte den besseren Start, verkürzte durch Billek und Gutbrod auf 13:15 (31.). Und mit offenem Visier ging es weiter: 16:19 hieß es nach 35 Minuten. Wetzlar lebte weiter von seinen Rückraum-Krachern, während die Schwaben hart für ihre Tore arbeiten mussten. Doch die Defensivabteilung arbeitete hervorragend und nach zwei Treffern in Unterzahl war die »Gallier« wieder dran beim 20:21 (41.). HSG-Coach Kai Wandschneider reagierte und zückte die grüne Karte. Ohne Erfolg: Nach einer 37-minütigen Aufholjagd sorgte Herth für den 21:21-Ausgleich.

War das die Wende? Nein! Auch ein Zwei-Tore-Rückstand brachte die Wetzlarer nicht aus dem Konzept, welche mit einem 5:1-Lauf die Partie wieder drehten. »Viele haben nach der Balinger Führung keinen Pfifferling mehr auf uns gegeben«, bilanzierte Wandschneider, »doch meine Mannschaft ist nicht weggebrochen. Kompliment!« Während der 52-Jährige hochzufrieden war, haderte sein Gegenüber: »Wir hatten in der Schlussphase keinen Plan und haben die Bälle kläglich weggeworfen.« Brack gestand ein: »Wir haben ein Qualitätsproblem.«

»Viel ist noch nicht passiert«, meint HBW-Geschäftsführer Bernd Karrer nach der knappen 26:28-Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar, welche die »schwarze Serie in Balingen«, wie es Trainer Kai Wandschneider formulierte, beendet hat. Die Lahnstädter stellten in den ersten 30 Minuten die klar bessere Mannschaft. Mit 15:9 führten die Grün-Weißen bereits (24.), ehe der schwäbische Fusionsklub zur Pause auf 11:15 verkürzte. »Da hat uns die Durchschlagskraft gefehlt«, kritisierte Wandschneider, »und der HBW kommt eben immer zurück!« Und trotz eklatanter Abschlussschwächen wandelte die Truppe von Trainer Dr. Rolf Brack einen Sechs-Tore-Rückstand noch in eine knappe Führung um (24:22/48.). »Bis zur 50. Minute hat unsere 3:2:1-Abwehr überragend gespielt«, analysiert Balingens Kommandogeber Dr. Rolf Brack, doch Wetzlar stellte seine Schwaben beim 25:23 mit einer 3:3-Verteidigung vor eine neue Aufgabe, welche die »Gallier« nicht lösen konnten.

»Für mich ist unser Trainer der Matchwinner«, betont HSG-Geschäftsführer Björn Seipp, »Kai hat die Mannschaft gezwungen, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren.« Das tat diese auch – und drehte mit 5:1 Toren das Spiel. »Obwohl wir nicht auf jeder Position an unsere obere Leistungsgrenze gekommen sind«, monierte Wandschneider.

Dr. Rolf Brack hingegen haderte. Nicht ohne Grund. In Unterzahl traf Steffen Fäth in der spielentscheidenden Phase zum 27:26. »Da haben wir nicht aufgepasst – und kriegen dann auch noch eine Zeitstrafe«, ärgerte sich der 58-Jährige, welcher alles riskierte und einen zusätzlichen Feldspieler für den Torhüter brachte. Ohne Erfolg. Während Roland Schlinger scheiterte, sorgte Kari Kristjan Kristjansson für die endgültige Entscheidung mit dem Wetzlarer 28:26-Treffer in der Schlussminute.

HBW Balingen/Weilstetten: Puhle (14 Gegentore/5 Paraden), Putera (12/6); Billek (6), Häfner (5), Gutbrod (4), Herth (3), Theuerkauf (2), Tubic (2), König (1), Ilitsch (1), Schlinger (1), Liniger (1/1), Wessig, Ettwein.

HSG Wetzlar: Weber (21/13), Marinovic (7/1); Harmandic (8/4), Philipp Müller, Kristjansson (4), Fäth (4), Mraz (2), Tiedtke (1), Schmidt (1), Rompf (1), Fridgeirsson, Michael Müller (7), Valo, Reichmann.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Barleben/Irxleben). - Zuschauer: 2000. - Spielfilm: 2:4 (5.), 4:4, 5:7, 8:10 (17.), 9:11, 9:14, 10:15 (25.), 11:15 (Halbzeit); 14:17 (33.), 17:20, 20:21 (40.), 23:21, 24:22, 25:25 (51.), 26:28. - Siebenmeter: 2/1:5/4 (Herth wirft an die Latte/27.; Puhle hält gegen Harmandic/ 54.). - Zeitstrafen: 8:4 Minuten (Ettwein/2, Wessig, Ilitsch – Kristjansson, Reichmann). M. Arndt

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