Meta-Check: Jensen und Leib von der SG Kleenheim zwei verschiedene Typen

Die Gespräche von Jonna Jensen und Anna-Lena Leib drehen sich derzeit häufig um die Farben Rot, Gelb und Grün. Die Handballerinnen der SG Kleenheim diskutieren Nahrungsmittel und wie sie diese verarbeiten können. Der Meta-Check lässt Rote Grütze grün werden.
18. Februar 2016, 11:53 Uhr
Mit dem Meta-Check lässt sich herausfinden, welche Nahrungsmittel eine Person besonders gut oder besonders schlecht verstoffwechseln kann. (Foto: Jensen)

Unangefochten stehen die Drittliga-Handballerinnen der SG Kleenheim an der Tabellenspitze. In der Erfolgstruppe mittendrin sind Anna-Lena »Leni« Leib und Jonna Jensen. Gesprächsfetzen in der Kabine hören sich zwischen den beiden momentan in etwa so an. Leni: »Sag mal Jonna, wie ist das bei dir mit Reis?« Jonna: »Hör bloß auf, der geht gar nicht. Aber Rote Grütze, die ist grün, so brauche ich wenigstens nicht auf den Nachtisch verzichten.« Leni: »Haha, bei mir auch.« Rote Grütze grün? Möglich macht diesen »Widerspruch« der Meta-Check, ein Gentest, der verrät, welche Lebensmittel der Körper am besten verarbeiten kann.

Leib, die Studentin der Wirtschaftsmathematik und Rechtsaußen im Team wandte sich an die Diplom-Sportwissenschaftlerin Jensen, die im Rückraum die Fäden zieht. »Ich hab zur Jonna gesagt: Ich würde gern mehr trainieren und müsste etwas für die Figur tun. Da hat Jonna mir relativ zügig den Meta-Check vorgeschlagen.« Und das aus gutem Grund. »Was treibt den Motor an? Die Nahrung. Wenn die Nahrung nicht stimmt, bist du nicht so leistungsfähig und kannst auch beim Gewicht viel falsch machen.

Das war ausschlaggebend. Sie wollte von der Leistung besser werden, mehr trainieren«, erklärt Jensen. Denn nach der Saison 2014/15 hatte eigentlich mit dem Handball auf diesem Niveau Schluss sein sollen. »Ich hatte dem Verein im Januar 2015 gesagt, dass sie sich einen neuen Rechtsaußen suchen sollen. Das haben sie natürlich nicht gemacht«, lacht Leib. »Wir haben die Saison dann aber richtig gut abgeschlossen«, ergänzt Jensen. »Und plötzlich war die Lust wieder da, der Ehrgeiz, die Motivation. Dann ist das auch alles noch mal leichter«.

Anfang Juni 2015 folgte dann der Meta-Check und etwa zwei Wochen später die Ernährungsumstellung. »Da ich Studentin bin und zu diesem Zeitpunkt nicht so viel arbeiten musste, hatte ich die Zeit dazu. Ich habe schon gemerkt, dass ich zu viel esse, wollte aber keine strikte Diät halten, weil ich gerne esse und nicht groß hungern wollte«, so Leib.

Beim Beratungstermin erlebte die Linkshänderin dann den großen Aha-Effekt. Die eigene Einschätzung war, mehr der »Eiweiß-Typ« zu sein. Das heißt: Der Körper kann Kohlenhydrate und Fette im Gegensatz zu Proteinen schlecht verarbeiten. »Dachte ich so«, lacht Leib. »Ich dachte auch, dass ich eher der Kraft-Typ bin. Krafttraining ist viel besser als Ausdauertraining.« Jensen: »Und dann kam das blaue Wunder.« Denn es stellte sich heraus, dass Leib Metabolismus-Typ Delta ist, für den Ausdauersport am günstigsten. Das heißt: Sie kann Kohlenhydrate und Fette gut verarbeiten, sollte aber bei Proteinen vorsichtig sein.

Plötzlich die Trainingsfleißigste

Der Meta-Check unterscheidet vier Typen: Alpha, Beta, Gamma und Delta. Die Alpha-Typen sollten vorwiegend fett- und kohlenhydratreduzierte Ernährung bevorzugen. Beta-Typen sollten weniger Kohlenhydrate zu sich nehmen, dafür sind Fette und Proteine unproblematisch. Der Gamma-Typ braucht sich hingegen bei den Kohlenhydraten kaum einschränken, dafür sind Fette und Proteine problematisch.

»Ich dachte, Jonna will mich verhohnepipeln«, lacht Leib. Die Rechtsaußen stellte die Ernährung um und prompt kam auch die Lust am Sport zurück. Jensen: »Man hat gemerkt, dass Leni plötzlich die Trainingsfleißigste war.« Leib passte die Anzahl der Mahlzeiten an, fünf kleinere pro Tag. Das brauchen die Kohlenhydrat-Typen um den Stoffwechsel permanent am Laufen zu halten.

Bei der Auswertung des Tests bekommt die gecheckte Person eine Liste, auf der alle gängigen im Supermarkt erhältlichen Lebensmittel aufgeführt sind. Diese sind mit den Farben Rot, Gelb und Grün gekennzeichnet. Rot heißt: Nicht so gut für dich geeignet, solltest du nur einmal in der Woche zu dir nehmen. Gelb heißt: Diese sind besser geeignet, aber immer noch suboptimal, solltest du nur zwei-, dreimal in der Woche zu dir nehmen. Grün hingegen ist top, die kannst du jeden Tag essen.

Die farbliche Einteilung soll eine Hilfe sein, schließlich geht es nicht darum, alles weg zu lassen oder eine strikte Diät zu halten. Jensen rät, man solle normal essen, die Anzahl der Mahlzeiten einhalten und vorwiegend die grünen Lebensmittel zu sich nehmen. Alles, was der Körper nicht gut verarbeiten kann, lagert er hingegen in Fettdepots ein. Anna Lena Leib hat durch die Umstellung sieben Kilogramm weniger auf der Waage, dabei sogar drei Kilo Muskelmasse zugelegt. Und sie fühlt sich wohler denn je. »Ich habe in meinem Kühlschrank nur noch ›grüne» Lebensmittel«, gibt Leib zu.

Und nicht nur in puncto Gewichtsreduzierung zeigt das Konzept Erfolge. »Wir haben zum Beispiel zwei Kunden mit Migräne«, erklärt Jensen. »Seit der Umstellung sind die Beschwerden deutlich zurückgegangen. Aber auch andere Symptome wie Hautausschläge sind Dinge, die sich deutlich verbessert haben. Auch chronische Krankheiten, Gelenkschmerzen, das hat viel mit der Ernährung zu tun.«

Innerhalb der SG Kleenheim greift der Meta-Check immer mehr um sich. Auch in der zweiten Mannschaft haben einige Spielerinnen mit Erfolg die Ernährungsumstellung bewältigt. »Mir werden die Tests mittlerweile fast aus den Händen gerissen«, lacht Jensen. Denn der Check geht weit über eine normale Ernährungsberatung hinaus. »Jemandem Low Carb zu verschreiben, der aber Kohlenhydrate und Fette super verstoffwechseln kann – was hat denn das für einen Sinn?« Daniela Pieth

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