30. August 2012, 17:03 Uhr

Flexibel im Kopf

(mac) Kai Wandschneider hatte in der vergangenen Woche kaum eine freie Minute. Akribisch wie eh und je hat sich der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar auf den kommenden Gegner vorbereitet. Da es sich im konkreten Fall diesmal um HBW Balingen/Weilstetten handelt, hatte der 52-Jährige mehr Arbeit als sonst.
30. August 2012, 17:03 Uhr
Ordentlich auf die Mütze bekommt Wetzlars Kreisläufer Kari K. Kristjansson hier im Spiel gegen Hamburg, aber mit Sicherheit auch am Samstag. (Vogler)

»Eine Spielvorbereitung auf Balingen ist fast wie eine Diplomarbeit, denn die Mannschaft hat unglaublich viele Sachen drauf«, sagt Wandschneider vor der Partie am Samstag um 19 Uhr in der Sparkassen-Arena auf der Schwäbischen Alb.

»Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann«, sagt der Trainer und zitiert damit den Autor Francis Picabia. Nach Ansicht Wandschneiders passt dieser Spruch sehr gut zum Auswärtsspiel bei den »Galliern«. »Wir müssen in diesem Duell flexibel im Kopf sein. Wir müssen uns hellwach präsentieren, auf jede Situation vorbereitet sein und sofort wissen, was zu tun ist«, sagt Wandschneider, der von seinen Spielern zudem verlangt, im bereits nahezu ausverkauften Hexenkessel, den die Balinger gerne »Hölle Süd« nennen, die Ruhe zu bewahren. »Wir dürfen uns auf keinen Fall provozieren lassen«, warnt Wandschneider vor der traditionell harten Gangart der Hausherren, wohl wissend, dass die HBW-Haudegen sich aus der Ruhe bringen lassen, wenn ihre groben Fouls beim Gegenspieler nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Seit dem Aufstieg der Truppe von Dr. Rolf Brack 2006 konnte Wetzlar noch nichts Zählbares aus Balingen entführen. Auch die Gesamtbilanz spricht für die Schwaben, die von den bisherigen zwölf Meisterschaftsspielen gegen die HSG sieben gewinnen konnten. Dreimal konnte Wetzlar beide Punkte behalten – aber nur in eigener Halle. Dennoch stapeln sowohl Trainerfuchs Brack als auch HBW-Geschäftsführer Bernd Karrer im Vorfeld tief. »Wir sind alles andere als in der Favoritenrolle«, sagt Karrer. »Wenn beide Mannschaften so spielen wie am ersten Spieltag, wird es ein langweiliges Duell«, spielt Brack auf Wetzlars tolle Leistung beim 33:26-Heimsieg gegen den HSV Hamburg, aber auch auf das 20:25 seiner Mannschaft bei der TSV Hannover-Burgdorf an. Besonders mit der Angriffsleistung seiner Mannschaft war der Coach in Niedersachsen nicht zufrieden, sodass er in dieser Woche »80 Prozent Angriff und 20 Prozent Abwehr« trainieren ließ. »Ich hoffe, dass wir dann nicht ins andere Extrem fallen und in der Abwehr unsere Stabilität verlieren«, sagte der Sportwissenschaftler, der mit seiner Abwehr zum Auftakt gut Leben konnte. Auf die Defensivqualität seiner Truppe setzt der Coach auch gegen Wetzlar. »Unsere Abwehr hat die HSG in den letzten Jahren teilweise vor unlösbare Aufgaben gestellt. An diese Abwehrleistungen müssen wir anknüpfen«, so der Coach, der zudem hofft, den österreichischen Rückraumspieler Roland Schlinger wieder einsetzen zu können, der in Hannover aufgrund einer Grippe fehlte. Seine etatmäßigen Vertreter konnten zum Auftakt nicht in die Bresche springen. »Selbst wenn er nur bei 70 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist, ist Schlinger jedem anderen überlegen«, so Brack. Dem neu verpflichteten Krsto Milosevic, der eine Option im linken Rückraum sein kann, fehle laut Coach noch Zeit, sodass er vermutlich auch gegen Wetzlar nicht zum Einsatz kommen wird, zumal Schlinger mit Sicherheit wieder in die Mannschaft, zu der auch der ehemalige Hüttenberger Florian Billek gehört, zurückkehren wird. »Ich freue mich richtig auf das Spiel. Zum einen ist es das erste Heimspiel bei meinem neuen Verein, zum anderen geht es gegen den alten Derbygegner aus der Heimat«, sagt Billek. »Wir sind Außenseiter, aber wir werden Wetzlar zeigen, dass unsere Halle nicht nur Hölle Süd heißt, sondern dass sie sich auch so anfühlt«, erklärt der Linkshänder.

Die Wetzlarer wissen, was auf sie zukommt – sowohl taktisch als auch kämpferisch. »Balingen ist eine ungewöhnliche Mannschaft, die viel kann. Wir wissen auch um die Atmosphäre und die Heimstärke und haben uns intensiv vorbereitet. Wenn wir es schaffen, Struktur und Klarheit in unsere Angriffe zu bringen und in der Abwehr so zu überzeugen wie gegen Hamburg, können wir etwas Zählbares mitnehmen«, sagt Wandschneider, der in einigen Einheiten unter der Woche auf Steffen Fäth (Magen-Darm-Grippe) und die angeschlagenen Michael Müller und Kevin Schmidt verzichten musste. »Ich gehe aber davon aus, dass alle Spieler mit dabei sind«, sagt der Coach, der bereits heute mit seinem Team in Richtung Balingen aufbricht und vor den Toren Stuttgarts Zwischenstation machen wird. An der Vorbereitung auf das Spiel wird es jedenfalls nicht liegen, wenn die HSG auch im siebten Anlauf auf der Alb leer ausgeht.

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