18. Dezember 2011, 19:53 Uhr

Fataler Heber

(ovo) Die HSG Wetzlar stand am Samstag beim amtierenden Deutschen Meister HSV Hamburg vor einer Sensation. In der O²-World in Hamburg musste sich eine außergewöhnlich mutige Chalepo-Truppe nur knapp mit 24:25 (10:13) geschlagen geben, wobei vor allem die Endphase an Spannung kaum zu überbieten war.
18. Dezember 2011, 19:53 Uhr
NO GO! Adnan Harmandic »verzockt« beim finalen Siebenmeter gegen 2,05-m-Nationaltorhüter Johannes Bitter (HSV) den Wetzlarer Sensationspunkt im Norden. (Foto: ov)

Bei einem müde wirkenden HSV waren die Grün-Weißen drauf und dran, einen Punkt zu entführen. Allein drei verworfene Siebenmeter in der Schlussviertelstunde durch Spielmacher Adnan Harmandic verhinderten einen möglichen Punktgewinn – wenn nicht gar die Sensation überhaupt in Hamburg. Beim finalen Akt und nach bereits abgelaufener Uhr versuchte sich der bosnische Nationalspieler aber mit einem fatalen, unerklärlichen Heber-Kunstwurf vom Punkt und wurde dafür von 2,05-m-Nationaltorhüter Johanes Bitter bitter bestraft.

Nicht, dass vom insgesamt gut aufgelegten Harmandic diese Möglichkeit vom Siebenmeterpunkt nicht genutzt wurde, sondern wie diese Chance sträflich vergeben wurde, ließ die Verantwortlichen und die 80 mitgereisten Fans noch Stunden nach dem Spiel verzweifeln. Mit dem missratenen Heber verschenkte der Spielmacher der HSG einen Punkt als vorweihnachtliches Präsent. Wobei man sich auch auf der Bank die kritische Frage gefallen lassen musste, weshalb der Mittelmann nach kurz zuvor bereits zwei vergebenen Strafwürfen erneut zum Punkt geschickt wurde.

Drei Tage nach dem kräftezehrenden Pokal-Achtelfinale bei den Rhein-Neckar-Löwen, welches der HSV Hamburg nach 70 Minuten mit 33:32 für sich entscheiden konnte, merkte man den Hanseaten noch die Strapazen des Pokalfights von Mannheim an. Die Mittelhessen, die ohne die verletzten Giorgios Chalkidis (Oberschenkelzerrung) und den Langzeitverletzten Alois Mraz (Fingerbruch) dezimiert antreten mussten, begannen durchaus respektabel. Der müde Meister konnte sich in der ersten Halbzeit nie mehr als auf drei Tore absetzen. Kari Kristjansson glich gar in der 19. Minute vom Kreis zum 9:9 aus, zur Halbzeit aber lagen die Beutler und Co. wieder mit 13:10 vorn.

In Halbzeit zwei agierte der HSV zwar weiterhin stark aus dem Rückraum, setzte sich gar auf 19:14 ab, doch die Chalepo-Schützlinge konnten sich mit einen Fünf-Tore-Lauf zum 19:19 durch Timo Salzer in der 51. Minute zurück in die Partie kämpfen. Die Hansestädter agierten fortan nervös und gingen fahrlässig mit ihren Gelegenheiten um, vor allem Nationalspieler Pascal Hens konte zu keinem Zeitpunkt der Partie überzeugen. Die Hamburger 3:2:1-Deckung wurde zunehmend müder und unkonzentrierter, was den Wetzlarer Spielern immer wieder Gelegenheit bot, die Partie offen zu gestalten.

Die durch die beiden Ausfälle neu formierte Abwehr der HSG Wetzlar, die gegen die mit Nationalspielern gespickten Hamburger Angriffsreihe lediglich 25 Gegentreffer zuließ, wusste zu überzeugen. Die konsequente 6:0-Deckung stellte die Hausherren immer wieder vor Probleme. Spielzüge des Meisters, die aus dem Rückraum abgeschlossen wurden, fanden in der zweiten Hälfte kaum noch ihr Ziel. Der im Deckungsverband offensiv agierende Tobias Hahn stellte sich den namhaften Halblinken Pascal Hens und Blaszenko Lackovic mit Bravour entgegen. Am Kreis agierte mit großem Durchsetzungsvermögen der Isländer Kari Kristjansson, der neben Tobias Hahn und Spielmacher Timo Salzer überzeugen konnte. Auch Adnan Harmandic konnte aus dem Spiel heraus durchaus Akzente setzen und auf der Rückraum-Mitte-Position überzeugen. Linksaußen Kevin Schmidt musste in der zweiten Halbzeit durch Christian Rompf ersetzt werden, Probleme an der Achilles-sehne ließen keinen weiteren Einsatz zu. Niko Weber verdiente sich Bestnoten, indem er mit 15 Paraden gegen die Hamburger Werfer glänzte.

Aufseiten des Deutschen Meisters wussten Matthias Flohr, der seine 350. Bundesliga-Partie bestritt, und Rechtsaußen Hans Lindberg neben den Torhütern zu überzeugen. Nationaltorwart Johannes Bitter wurde in der Partie weitgehend geschont, alleine zu drei Siebenmeterduellen gegen den Wetzlarer Adnan Harmandic wurde er von Trainer Per Carlén eingesetzt.

Ein Schachzug, der die gesamte Partie entscheiden sollte, denn alle drei von drei Siebenmetern konnte der Hamburger gegen den sich verzockenden Bosnier für sich entscheiden. Alles in allem boten die Mittelhessen aber eine couragierte Vorstellung beim nationalen Titelträger, die nur durch die fahrlässige Siebenmeterquote der Truppe von Trainer Gennadij Chalepo um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurde.

Bereits am Mittwoch steht für die HSG Wetzlar nun das immens wichtige Heimspiel gegen Altmeister VfL Gummersbach in der Rittal-Arena auf dem Programm. Zu Hoffen ist, dass die vergebene Chance auf einen Punktgewinn in Hamburg schnellstens aus den Köpfen der Akteure verdrängt werden kann und sich bis Mittwoch das Lazarett der HSG etwas lichtet.

HSV Hamburg: Bitter, Beutler; Kraus (2/2), Schröder, Duvnjak (2), Lackovic (2), Flohr (5), Vori (2), G. Gille (2), B. Gille (1), Vugrinec (2), Lindberg (4/1), Lijewski (1), Hens (2).

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt, Rompf, Müller (4), Fäth, Salzer (5), Harmandic (5/2), Valo (2), Friedrich (1/1), Jungwirth (1), Hahn, Kristjansson (6).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal). - Zuschauer: 10 698. – Zeitstrafen: 2:0 Minuten. – Siebenmeter:
3/4:3/7.

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