26. Juni 2012, 21:58 Uhr

Laurito: Zu höherem Tempo in der Lage

Andre Laurito, in Gießen aufgewachsener Profi-Fußballer beim Neu-Zweitligisten SV Jahn Regensburg, hat seine ganz eigene Beziehung zum morgigen EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien. Sein Vater ist Italiener, der 28-jährige Innenverteidiger, der beim TSV Klein-Linden und VfB 1900 Gießen groß geworden ist, selbst besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft.
26. Juni 2012, 21:58 Uhr
Andre Laurito, Zweitliga-Profi beim Neuling SV Jahn Regensburg. (Foto: Imago)

Wem er morgen die Daumen drückt? »Natürlich freut es mich, wenn Deutschland gewinnt. Und ich gehe davon aus, dass es auch so kommt«, bezieht Laurito, dessen Mutter aus dem Kongo stammt, schon seine Position, »aber ich sehe das nicht ganz so eng, ich freue mich in erster Linie auf ein gutes Fußballspiel.«

Hat die Partie Deutschland gegen Italien für Sie einen besonderen Stellenwert?

Laurito: »Deutschland gegen Italien ist immer etwas ganz Besonderes im Fußball. Ich persönlich beziehe das aber nicht zu sehr auf meine familiäre Herkunft, auch wenn das einige so vermuten würden.«

Wie haben Sie die Europameisterschaft bislang verfolgt?

Laurito: »Ich muss zugeben, dass ich nicht alle Spiele gesehen habe. Auch die der deutschen Elf nicht. Die Saison mit der Relegation war lang. Da ist man zwar auch im Urlaub fußballinteressiert, richtet aber nicht alles danach aus.«

Dennoch: Ihre Einschätzung zur Leístungsstärke der DFB-Auswahl.

Laurito: »Sie ist ballsicher, kombinationssicher und treffsicher. Kurzum: In der Offensive brutal gut besetzt und dadurch – wie die Partie gegegen Griechenland gezeigt hat – sehr schwer auszurechnen.«

Ein Wort zu den Spielern auf den Positionen, auf denen auch Sie zu Hause sind, also den Innenverteidigern Hummels und Badstuber.

Laurito: »Wir stehen hinten sehr stabil. Das kann jeder sehen. Eine tiefere Einschätzung fällt mir aber schwer, da ich ja auch nur die Fernsehbilder kenne und jeder weiß, dass diese nicht alles von dem wiedergeben, was tatsächlich passiert. Wenn man im Stadion ist, kann man das besser beurteilen.«

Was fällt Ihnen zu den Italienern ein?

Laurito: »Die Mannschaft hat mich überrascht. Nicht nur, dass sie ins Halbfinale vorgedrungen ist, sondern sie spielt total attraktiv und auf hohem Niveau. Die taktische Disziplin steht zwar noch immer über allem, trotzdem ist das Spiel schön anzusehen.«

Journalisten und Statistiker erinnern unentwegt daran, dass Deutschland gegen Italien bei einem großen Turnier noch nie hat gewinnen können. Ist das für Fußballer ein Thema?

Laurito: »Das ist vielleicht wirklich für die Medien interessant, ich persönlich lege keinen Wert auf solche Statistiken und lese die gar nicht, um meine Konzentration nicht zu stören. Mag aber schon sein, dass einen Schweinsteiger oder Lahm so etwas beschäftigt, weil das 2006 ja auch mit dem Halbfinal-Aus bei der WM in Deutschland verbunden ist.«

Es wird viele reizvolle (Fern)-Duelle geben: Özil/Pirlo, Klose/Balotelli, Neuer/Buffon. Welches könnte den Ausschlag geben?

Laurito: »Ich würde das nicht an Spielern festmachen. Deutschland ist fitter und frischer und als Mannschaft zu einem höheren Tempo in der Lage. Deshalb sehe ich das deutsche Team leicht vorne.«

Wo werden Sie die Partie verfolgen?

Laurito: »Ich denke, wir werden das hier im Trainingslager gemeinsam mit der Mannschaft anschauen. Ich selbst bin jetzt nicht der Typ, der groß zum Public Viewing geht. Ich schaue das lieber in Ruhe zu Hause an.«

Ihr Tipp?

Laurito: »Ich würde mich freuen, wenn Deutschland gewinnt, weil das gut für unseren Fußball wäre.« (ra)

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