01. Juni 2013, 10:28 Uhr

»Ein großartiges Erlebnis« für Leonie Pankratz

(mac) Als Leonie Pankratz Mitte Mai die Treppen des »Jamor« hinaufstieg, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Soeben hatte die Gießenerin im Nationalstadion in Lissabon in einem spannenden Finale mit Boavista Porto den portugiesischen Pokal der Frauenfußballerinnen gewonnen, der ihrer Mannschaft auf der Tribüne gleich überreicht werden sollte.
01. Juni 2013, 10:28 Uhr
Leonie Pankratz (l.) freut sich mit Ju über den »Pott«. (Foto: privat)

»Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ein großartiges Erlebnis, niemand hatte vorher geglaubt, dass wir es so weit schaffen würden«, sagte Pankratz nach dem 3:1-Erfolg über die favorisierten Gegner aus Valadares, die immerhin Portugals Frauenfußball-Ikone Edite Fernandes, die Birgit Prinz der Iberer, in ihren Reihen hatten.

»In dieser Saison sind einige Dinge nicht so gelaufen, wie sie sollten. Ich war erst eine Woche in Porto und schon gab es einen Trainerwechsel«, erinnert sich die Studentin der Übersetzungswissenschaften in den Sprachen Spanisch und Portugiesisch. Doch im Pokalwettbewerb lief es rund. Das Viertelfinale gegen Benfica Lissabon gewann Boavista im Elfmeterschießen. Pankratz verwandelte den entscheidenden Strafstoß nervenstark. Und im Halbfinale schaltete die Mannschaft aus Porto den amtierenden Meister Ouriense mit 2:1 aus und zog ins Finale ein. »Vor dem Spiel war ich sehr nervös, meine Erwartungen an mich selbst waren sehr hoch, umso größer war anschließend die Ehre, zur besten Spielerin des Endspiels gewählt zu werden«, sagt Pankratz voller Stolz über die großartige Auszeichnung.

Mit gemischten Gefühlen war die 23-Jährige Mitte Februar im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums nach Portugal gezogen. »Ich war nach dem Abitur ein Jahr in Spanien, also entschied ich mich für ein Auslandssemester in Porto«, sagt sie. Und das obwohl ihre TSG 1899 Hoffenheim in der 2. Bundesliga schon zu dieser Zeit vor dem Aufstieg ins Oberhaus stand. Diesen Erfolg hätte die Gießenerin gerne »mitgenommen«, zumal sie in der Hinrunde für die TSG alle Spiele von Beginn an bestritten hatte und zur Leistungsträgerin geworden war. Gerade im vergangenen Jahr hatte die Verteidigerin einen großen Schritt in ihrer Entwicklung genommen. »Ich musste die Entscheidung, nach Portugal zu gehen, schon im April 2012 treffen, da zu diesem Zeitpunkt die Bewerbungsfristen abgelaufen sind. Ich war mir zwar bereits damals sicher, dass wir mit der TSG um den Aufstieg spielen werden, aber ich wollte auch auf den Auslandsaufenthalt nicht verzichten. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen«, erzählt die ehemalige Ostschülerin. Dennoch ging es nach der Wintervorbereitung zwei Wochen vor dem Beginn der Restrunde gen Süden.

Dass Pankratz auch in Portugal – wie vor einigen Jahren in Spanien – nicht auf das Kicken verzichten würde, war ihr vorher klar. Via E-Mail nahm Pankratz deswegen mit Boavista Kontakt auf. »Der Verein hat sich sehr engagiert, mir letztlich auch eine Wohnung gesucht und sogar eine Ablösesumme an den Verband gezahlt«, sagt Pankratz.

Frauenfußball hat in Portugal allerdings keinen großen Stellenwert. Das macht sich laut Pankratz besonders an den Trainingszeiten bemerkbar. »Wir dürfen erst ab 21.30 Uhr auf den Platz, wenn alle anderen Mannschaft fertig sind«, erklärt sie. Bei Boavista allerdings stehen die Frauen hoch im Kurs. »Sie waren vor vielen Jahren die beste Mannschaft Europas. Zahlreiche Pokale stehen in den Vitrinen im Museum neben den Pokalen der Männer, allerdings bleibt auch im Fußball nicht verborgen, dass Portugal von der Krise betroffen ist. Die Bedingungen sind nicht die besten, aber ich muss auch zugeben, dass ich in Hoffenheim in den letzten zweieinhalb Jahren sehr verwöhnt wurde«, sagt Pankratz.

Ehe sie demnächst nach Heidelberg zurückkehrt und sich wieder der TSG anschließen will, die zwischenzeitlich den Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht hat, will Pankratz die letzten Wochen in Porto noch genießen. »Im Juni endet das Semester. Der Plan ist, dass ich mindestens die erste Saison der TSG in der 1. Liga mitspielen werde.« Vorher wird Pankratz aber noch mit der Unimannschaft Portos bei der Europameisterschaft der Studierenden in Spanien teilnehmen. »Da will ich meinen nächsten Titel holen«, sagt sie. Offenbar ist sie auf den Geschmack gekommen und kann es kaum erwarten, erneut die Treppen eines Stadions hinaufzusteigen, um einen Pokal entgegenzunehmen.

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