24. Dezember 2012, 10:21 Uhr

LTi Gießen 46ers stellen Insolvenzantrag

(kus) Für die Anhänger der LTI Gießen 46ers, die zu diesem Zeitpunkt schon von der traurigen Nachricht gehört hatten, war es eine der skurrilsten Szenen, die es in der Sporthalle Gießen Ost je gegeben hat: Ausgelassen feierten die Basketballer ihren 72:69-Coup gegen Vizemeister ratiopharm Ulm, und der überragede Spielmacher Achmadschah Zazai stimmte die »Humba« an. Doch nur auf den ersten Blick sah alles wie ein perfekte vorweihnachtliche Bescherung aus.
24. Dezember 2012, 10:21 Uhr
Wie geht es weiter? Trainer Mathias Fischer erfuhr erst kurz vor dem Spiel gegen Ulm von dem Insolvenzantrag, den die LTi Gießen 46ers gestellt haben. (Foto: Friedrich)

Einer, der wenige Augenblicke später gehemmt wirkte und nur gequält lächelte, war Gießens Trainer Mathias Fischer. Denn er wusste zu diesem Zeitpunkt, was Spielern und vielen Zuschauern noch unbekannt war: Die LTi Gießen 46ers haben überraschend einen Insolvenzantrag gestellt und kämpfen jetzt nicht nur ums sportliche, sondern vor allem ums wirtschaftliche Überleben.

Nach den Statuten der Basketball-Bundesliga (BBL) werden den LTi 46ers durch das Stellen des Insolvenzantrags nun vier Punkte abgezogen, sodass der Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz wieder vier Punkte beträgt. Wie der Klub und Jan Pommer, der Geschäftsführer der BBL, erklärten, werden die LTi 46ers weiter am Spielbetrieb teilnehmen. Allerdings zeigte sich Pommer »überrascht und irritiert« über den Schritt der Gießener. Den Insolvenzantrag hatte 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg bereits am Freitag beim Amtsgericht Gießen gestellt, weil dem Klub die Zahlungsunfähigkeit droht. Wie Rechtsanwalt Tim Schneider (Fernwald), der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, gegenüber der AZ bestätigte, besteht die Gefahr, dass die Gießener im Februar ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Schneider will sich bis zum 27. Dezember einen ersten Überblick über die wirtschaftliche Situation verschaffen und dann mit Schelberg in einer Pressekonferenz Details nennen. Der Geschäftsführer selbst hüllte sich in Schweigen über die Gründe und wie groß das Loch im Etat des Bundesligisten ist, versprach aber Aufklärung am Mittwoch.

Nicht eingeweiht in die Pläne der Geschäftsführung war Trainer Mathias Fischer, der von der Insolvenz erst am frühen Samstagabend von einem Journalisten erfuhr und gut eine Stunde vor der Begegnung gegen Ulm von Schelberg informiert wurde.

Ungeachtet der finanziellen Turbulenzen sendete die Mannschaft der LTi 46ers ein deutliches Lebenszeichen im Kampf um den Klassenerhalt: Der Tabellenletzte bezwang Vizemeister ratiopharm Ulm am Samstagabend nach einer großartigen kämpferischen Leistung mit 72:69 (29:37). Überragender Spieler war Zazai – nicht nur aufgrund seiner 18 Punkte. »Wir haben immer an den Sieg geglaubt und werden auch den Klassenerhalt schaffen«, sagte Zazai kurz nach dem Spiel. Von der Insolvenz erfuhr er erst wenige Minuten später in der Kabine.

Zitterpartie auf allen Ebenen Streit um Reduzierung der Bürgschaft für 46ers

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