23. Oktober 2018, 12:20 Uhr

Klarer Auftrag

Zwei Siege Pflicht

DHB-Vize Bob Hanning hat vor dem Auftakt der EM-Qualifikation der deutschen Handballer einen klaren Auftrag formuliert: Zwei Siege gegen Israel in Wetzlar und Kosovo in Pristina sind Pflicht!
23. Oktober 2018, 12:20 Uhr
Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, nimmt das DHB-Team in die Pflicht. (Foto: dpa)

Bob Hanning, es war zuletzt ziemlich still um die Nationalmannschaft. Für Schlagzeilen sorgten einzig die harsche Kritik einiger Spieler am proppevollen Terminkalender und der folgende Streit mit den Funktionären. Ärgert Sie der medial ausgetragene Zoff so kurz vor der Heim-WM?

Hanning : »Wir leben in einem freien Land, in dem Meinungsäußerungen immer willkommen sind. Die gehören dazu. Ich finde, man kann durchaus Sympathie für die Aussagen Hendrik Pekelers haben. Die Belastungen für einige wenige Spieler, die Champions League und Nationalmannschaft spielen, sind zweifelsohne hoch. Die Spieler haben das Recht, diese Dinge zu monieren und Konsequenzen zu fordern. Für einen Großteil der Akteure ist die Situation aber voll akzeptabel. In meinem Klub bei den Füchsen Berlin, gleiches gilt übrigens auch für den THW Kiel, hatten wir als Europacup-Starter bislang mehr Freizeit als Spiele. Der EHF-Cup hat schließlich noch gar nicht angefangen. Und so muss auch die Meinung eines Andreas Michelmann oder eines Frank Bohmann erlaubt sein.«

Stichwort Ärger. Nach dem frühen EM-Aus zu Beginn des Jahres ging es monatelang um das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer. Sind alle Unstimmigkeiten beseitigt?

Hanning: »Wir haben das alles sehr ehrlich miteinander analysiert und besprochen. Es war kein einfacher Prozess für alle Beteiligten, er war aber absolut notwendig. Allerdings, und das muss gesagt sein, lag der Fokus bei dieser Debatte viel zu lang auf dem Bundestrainer und viel zu kurz auf der Mannschaft.«

Wie meinen Sie das?

Hanning: »Deutschland hat bei jedem Turnier die Chance, Erster zu werden, wir können aber auch Zehnter werden. Das Resultat bestimmen stets wir. Und zwar wir alle, nicht ein Einzelner.«

Wie beurteilen Sie das aktuelle Leistungsvermögen im DHB-Team?

Hanning: »Fakt ist, dass unsere Spitzenspieler in ihren Vereinen zurzeit nicht stabil ihre Leistung abrufen. Es sind längst nicht alle in Topform, einige kommen momentan kaum bis gar nicht zum Einsatz. Ich möchte, dass die Spieler mehr in die Verantwortung gehen und die Situation so annehmen, wie sie ist. Die aktuelle Lehrgangswoche mit den beiden EM-Qualifikationsspielen müssen wir nutzen, um uns gemeinsam auf das große Ziel einzuschwören. Auf dem Spielfeld, aber auch daneben.«

Zuletzt konnte hier und da der Eindruck entstehen, die Protagonisten beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit dem großen Ganzen. Teilen Sie die Meinung?

Hanning: »Wir alle sind gut beraten, unseren Job zu 100 Prozent zu machen und uns nicht mit Nebenkriegsschauplätzen zu befassen. Solche Dinge sind so kurz vor einer WM im eigenen Land nicht zielführend.«

Bislang spielt das Turnier in der öffentlichen Wahrnehmung noch keine große Rolle. Fehlt es der Nationalmannschaft an Persönlichkeiten, die den Handball mit ihrer Präsenz auf und abseits des Feldes pushen?

Hanning: »Nein, das glaube ich nicht. Unsere Torhüter Silvio Heinevetter und Andi Wolff haben das Potenzial, zu den Gesichtern der WM zu werden. Sie werden auch sportlich maßgeblichen Anteil daran haben, ob wir im Januar erfolgreich sind oder nicht.«

Was ist mit den Feldspielern? Beim Wintermärchen 2007 gab es Typen wie Pascal Hens oder Markus Baur, die das Team geprägt und geführt und zudem die Massen in ihren Bann gezogen haben.

Hanning: »Typen wie Matthias Musche und Patrick Wiencek haben durchaus auch das Potenzial, die Menschen zu begeistern. Durch sportliche Leistung, aber eben auch durch ihre Emotionalität und ihr sympathisches, unverstelltes Auftreten.«

Probleme gab es zuletzt auf der wichtigen Spielmacher-Position. Inzwischen wurde in Martin Strobel ein Zweitliga-Spieler reaktiviert.

Hanning: »Das stimmt. Einen Markus Baur, der das Spiel 2007 an sich gerissen, gelenkt und geleitet hat, haben wir nicht mehr. In Sachen Spielsteuerung befinden wir uns noch auf der Suche. Ich glaube aber, dass wir mit Linkshänder Fabian Wiede auf der Mitte einen Sprung nach vorn machen können. Fabian Wiede könnte das Problem lösen. Er ist von seiner Spielfähigkeit her zurzeit der beste deutsche Handballer.«

Zuletzt gab es zwei neunte Plätze bei WM und EM – das kann im Januar nicht der Anspruch sein.

Hanning: »Was heißt Anspruch? Wir waren zuletzt nicht besser als Platz neun, weil wir nicht im Ansatz gemeinsam für unser Ziel gekämpft haben. Wenn wir uns über Medaillen unterhalten wollen, schaffen wir es nur, wenn wir danach handeln. Dies kommt von der Hand – und nicht vom Mund.«

Was muss sich ändern, damit das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft ganz vorn mitspielt?

Hanning: »Ich fordere von der Mannschaft und von uns allen drumherum eine hundertprozentige Bereitschaft für den sportlichen Erfolg – und keine Romantik. Wir sollten durchziehen und uns voll auf die 40 x 20 Meter des Spielfeldes fokussieren. Das täte uns allen gut.«

Welche Rolle spielt die EM-Qualifikation mit den Spielen gegen Israel und den Kosovo?

Hanning: »Mit Verlaub, zwei Siege sind absolute Pflicht. Über Resultate sollten wir uns angesichts dieser beiden Gegner nicht unterhalten.«

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