14. Juli 2017, 09:44 Uhr

Trainer-Rookie

Wie ein Ex-Athlet den Leichtathletik-Nachwuchs voran bringen will

Adrian Becker hat die Seiten gewechselt: vom Athleten zum Trainer. Der 30-Jährige Leichtathlet liebt seinen Sport – und bringt frischen Wind und neue Ideen in den Trainingsalltag.
14. Juli 2017, 09:44 Uhr
Alles im Blick und als Vormacher tätig: Adrian Becker (hinten links) und seine Trainingsgruppe vom LAZ Gießen im Weststadion. (Foto: gae)

Es passt zu ihm. Mit Schlappen an den Füßen und einer viel zu großen Baseball-Kappe auf dem Kopf macht Adrian Becker bei seiner Trainingsgruppe des LAZ Gießen die Dehnübungen im Gießener Weststadion vor. Exakt, motivierend und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Der ehemalige Zehnkämpfer und Top-Weitspringer wie -Hürdensprinter weiß noch ganz genau, wie es geht. Und vor allem, welche Übungen den U14- bis U16-Jugendlichen Spaß machen und sie weiterentwickeln werden.

Über sich selbst sagt Adrian Becker: »Ich bin und bleibe ein echt bunter und verrückter Typ, der sagt, was er denkt, macht, was er mag und sich voll in etwas reinhängt, was er unbedingt will. Das ist überall in meinem Leben so – aber der Sport steht eindeutig ganz oben.«

 

Kommunikation ist seine Stärke

 

Ihm ist der Trainerjob auf den Leib geschnitten. Bei den Kids kommt er mit seiner offenen Art an. Kommunizieren auf allen Ebenen ist eine Stärke des Lehrers der Grundschule Gießen-West – auch in der Funktion als U14-E-Kader-Trainer des hessischen Leichtathletik-Verbandes. Dort führt er die Vereine zusammen, koordiniert, sichtet die Talente, baut Animositäten ab und gibt wertvolle Tipps.

Immer gut gelaunt – Adrian Becker. (Foto: gae)
Immer gut gelaunt – Adrian Becker. (Foto: gae)

»Ich muss als Kadertrainer schauen, dass die Talente bei der Leichtathletik bleiben« ist für ihn das oberste Gebot. Zurzeit liefe es unter den Vereinen harmonisch ab. Die Zeit, dass gegenseitig abgeworben wurde, sei vorbei, erklärt Becker.

In seiner eigenen LAZ-Hauptgruppe hat er mit Jean Arisa wohl einen kommenden Mehrkämpfer entdeckt. Vor zwei Jahren wurde der Kenianer beim LAZ vorstellig. Dass Arisa laufen konnte, sah man sofort. Dass er aber auch vielseitig ist, erkannte Becker ebenfalls. Kürzlich holte sich der in der M15 startende Arisa zwei Hessentitel über 300 m und 300 m Hürden – zudem Bronze beim Stabhochsprung.

 

»Gebe zurück, was ich damals erhalten habe«

 

Beckers Zeitaufwand ist immens. »Ich bin fünfmal die Woche je zwei Stunden auf dem Platz – also zehn Stunden reine Trainingsarbeit. Da fehlt aber die Nach- und Vorbereitung. Ich schicke den Kindern natürlich Videoanalysen. Und dazukommen noch die Wettkämpfe und samtags das E-Kader-Training«, zählt der 30-Jährige auf. Bei einer Hessenmeisterschaft gehe der komplette Samstag und Sonntag drauf. »Es ist grundsätzlich mein Hobby, und ich gebe nur das zurück, was ich damals erhalten habe. Deswegen mache ich das gerne«, scheint Zeit keine Rolle für ihn zu spielen.

Seit einem Jahr ist er zudem Sportkoordinator in der Grundschule West. So kann er noch besser sichten. Erste Erfolge haben sich eingestellt. Die Kinder-Schulstaffel setzte sich kürzlich beim 16x-50-m-Staffel-Wettbewerb für die Grundschulen von Stadt und Landkreis Gießen durch und löste das Ticket zur Teilnahme am internationalen Leichtathletik-Wettbewerb ISTAF am 27. August im Berliner Olympia-Stadion.

Solche Erfolge steigern die Popularität der Leichtathletik in der Schule ungemein, sagt Becker, der danach von vielen Kindern angesprochen wurde, die unbedingt ins Leichtathletik-Training kommen wollten.

 

Verletzungen beendeten die eigene Karriere

 

Dienstag ist beim LAZ Gießen ein Trainingstag, da teilt sich die Becker-Gruppe die Anlage mit der von Markus Czech, der die älteren Kinder und Aktiven betreut und früher auch Becker selbst coachte. »Das passt gut zusammen«, sagt Becker, »so können wir gegenseitig austauschen und noch besser leistungsmäßig differenzieren.«

Sein eigene Karriere beendete Becker vor einem Jahr. Den zahlreichen Verletzungen - zuletzt Kreuzbandriss – musste er Tribut zollen. Ihn hat schon immer die Vielfalt der Leichtathletik fasziniert, deswegen hat er sich oft für den Zehnkampf entschieden und nicht für die Paradedisziplinen Weitsprung und 110 m Hürden. Aber auch der Teamgeist war für ihn von Relevanz. So feierte das Männer-Team mit ihm einige deutsche Meisterschaften. Becker weiß, welcher Aufwand hinter einem Mehrkampf-Training steckt – es sind ja immerhin zehn Disziplinen, die versorgt werden müssen. Mit acht Jahren wurde Becker in Großen-Buseck von seinem Klassen- und Sportlehrer Wolfgang Heußner entdeckt und gefördert. Die Theimer-Brüder Jörg und Martin holten ihn dann in den Verein zum TV Großen-Buseck und betreuten ihn, ehe 2001 Becker in einem fließenden Übergang von Czech unter seine Fittiche genommen wurde.

Becker ist eher der Spielertrainer, der selbst immer noch in die Grube hüpft. »Viele kennen mich als Athlet. Für mich ist es wichtig, dass es heißt, der Becker ist einer, der mit allen gerne zusammenarbeitet, der kommuniziert, der keinen Streit anfängt und keinen abwirbt.« Und er ist einer, der mit seiner Fachkompetenz und Erfahrung Kinder weiterentwickelt und sie mit seiner offenen, motivierenden Art sowie interessanten Trainingsinhalten zur Leichtathletik bringt und sie dort auch halten will.

Info

Streckbrief: Adrian Becker
  • geboren am 28. Februar 1987
  • wohnhaft in Wieseck
  • Erfolge: fünffacher deutscher Meister, erster Erfolg bei DM 2001 Mehrkampf in Rede, über 40 Hessenmeistertitel, Teilnahme Länderkampf für Deutschland, deutscher Rekord über die 80 m Hürden 2002 in 10,25 sec (besteht heute noch!)
  • Bestleistungen mit 16 Jahren: 7,30 m Weit, 60,87 m Speer, 1,93 m Hoch (mit 1,75 m Körpergröße), 7300 Punkte im Jugendzehnkampf U18 und als Erwachsener auch über 7000 Punkte
  • Lieblingsorte: Gießen, auf dem Sportplatz und am Meer
  • Reisen: dort, wo es warm ist
  • Essen: alles, zurzeit mit Freundin Theresa Heinrich überwiegend vegetarisch unterwegs
  • Trinken: Smoothies
  • Lebensmotto: immer positiv denken
  • Musik: spielt selbst Schlagzeug und Gitarre und singt gerne
  • Sportliche Enttäuschungen: die Verletzungen, 2002 Pfeiffersches Drüsenfieber, so nicht zur U18-WM über Hürden, Weitsprung oder auch Mehrkampf
  • Beruf: Grundschullehrer mit den Fächern Deutsch, Mathematik und Sport an der GS Gießen-West, Sportkoordinator an dieser Schule
  • Trainer: LAZ Gießen und E-Kadertrainer für den HLV
  • Hobby: Leichtathletik, Basketball, Volleyball, Kraftsport, Turnen oder seit neustem auch Calisthenics (Training mit eigenem Körpergewicht).

 

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