23. April 2018, 06:30 Uhr

Pokalform

Wetzlar filetiert Melsungen

Das Derby-31:28 (18:12) der HSG Wetzlar über die MT Melsungen sagt ergebnismäßig viel zu wenig über die spielerische Dominanz der Mittel- über die Nordhessen aus.
23. April 2018, 06:30 Uhr
Derbysieg! Derbysieg! Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar feiert das 31:28 gegen MT Melsungen ausgelassen. (Foto: ras)

HSG Wetzlar


Von den nominellen Qualitätsunterschieden in der Besetzung beider Teams war wenig zu sehen. Eigentlich genau umgekehrt. Wetzlar spielte modernen, konzeptionellen und spielerisch feinen (Kleingruppen-) Handball mit gelungenen Umschaltmomenten und hoher Aggressivität in der Abwehr. Melsungen fehlten jene Raffinesse und Kreativität, die die Gastgeber auszeichneten. Julius Kühn und Michael Müller waren mit längst vergangenem Kopf-durch-die-Wand-Handball ein Schatten ihrer selbst, Auslöse- und Folgehandlungen schienen für die Nordhessen im Fremdwörterbuch zu stehen. Auf den Punkt gespielt wurde aus diesem Grunde nur ganz selten.

MT-Vorstand Axel Geerken (Dutenhofen) wurde in seiner Analyse denn auch deutlich: »Ich habe nicht erwartet, dass wir uns so präsentieren, wie wir das heute getan haben. Wetzlar hat viele Dinge besser gemacht als wir, da konnten wir uns Anschauungsunterricht nehmen, wie man zu spielen hat. Das war aus unserer Sicht viel zu wenig.«

Der Wetzlarer 4:0-Blitzstart (5.) konnte deshalb auch nicht verwundern. Bis zum 13:7 (22.) regierte bei den Gästen das Chaos, da sich die Michael Müller und Co. schon früh zu viel mit den Unparteiischen anstatt mit der eigenen Filetierung durch überlegene und selbstbewusste Gastgeber beschäftigten. Maximilian Holst verwandelte fünf Siebenmeter traumwandlerisch sicher. Benjamin Buric glänzte mit einem halben Dutzend Paraden in eigentlich aussichtslosen Momenten. Im Innenblock konnte Olle Forsell-Schefvert das Melsunger Spiel förmlich vorausahnen und Anton Lindskog entpuppte sich als wahres Block-Monster. Hätte Lasse Mikkelsen auf der Rückraummitte gegen Ende der ersten Halbzeit beim 10:16 (27.) und 12:18 (30.) nicht noch zwei lichte Momente gehabt und wäre Julius Kühn nach sieben (!) Fehlwürfen beim 11:17 nicht sein erstes Tor gelungen, die HSG-Führung wäre zur Pause noch viel deutlicher ausgefallen.

Nicht, dass die nordhessische Elitetruppe nicht wollte. Aber das frühe 0:4 lähmte und frustrierte und ließ die Müller-Brüder schnell wieder zu Reizfiguren werden. Zudem waren die Abwehrspieler auf den Beinen nicht schnell genug, um die erforderliche Aggressivität ganzkörperlich auch aufzubauen. Neu-Trainer Heiko Grimm erkannte diese offensichtlichen Defizite und kündigte Konsequenzen an: »Von unserer Seite war das nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Da muss ich kritisch mit meiner Mannschaft umgehen. Es fehlt an vielen Ecken. Wir sind nicht wirklich wach, es dauert alles viel zu lange bei uns. Unser nächstes Spiel ist in drei Wochen, das werden trainingsintensive drei Wochen.«

Die leidenschaftliche und spielstarke HSG Wetzlar, die auf keiner Position Schwächen zeigte, ließ sich denn auch nicht von der zwischenzeitlichen 5:1-Deckung beirren. Das 14:18 von Lasse Mikkelsen kurz nach der Pause war nur ein kleines Strohfeuer, mit dem 21:15 (37.) von Olle Forsell-Schefvert waren die Verhältnisse schnell wieder zurecht gerückt, zumal Benjamin Buric zuvor einen Siebenmeter gegen Mikkelsen pariert hatte. Beim 28:21 (51.) waren die Fronten geklärt - und als bei Melsungen Julius Kühn und Michael Müller auf der Bank Platz nahmen, gab es auch von den Nordhessen einige flüssigere Spielzüge zu sehen. Der 31:28-Endstand entsprach dann aber nicht ganz den wahren Kräfteverhältnissen an diesem Derbytag - sechs, sieben Tore Differenz hätten exakter Auskunft gegeben.

Das Schlusswort gebührte einem hochzufriedenen Kai Wandschneider: »Wir haben 55 Minuten eine bärenstarke Abwehr gestellt. Wir haben Julius Kühn in den Griff bekommen, ihn im Eins-gegen-eins-Spiel gestellt und gut gegen ihn verschoben. Wir haben stark umgeschaltet und vorne auf den Punkt gespielt, wir haben gut gegen die 5:1 agiert. Meine Mannschaft hat nach dem Spiel bei den Löwen schnell gelernt.«

Die HSG Wetzlar hat sich zwei Wochen vor dem Final 4 in Hamburg schon einmal ordentlich in Stellung gebracht.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Axel Geerken
  • HSG D/M Wetzlar
  • HSG Wetzlar
  • Handball
  • Kai Wandschneider
  • MT Melsungen
  • Michael Müller
  • Ralf Waldschmidt
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.