15. Februar 2018, 22:53 Uhr

Historischer Erfolg

Wetzlar der neue Kiel-Schreck

Kai Wandschneider, der Trainer der HSG Wetzlar, sprach nach der 26:25-Sensation bei Rekordmeister THW Kiel von einer historischen Stunde. Das Zustandekommen war schon einzigartig.
15. Februar 2018, 22:53 Uhr
Historischer Jubel bei der HSG Wetzlar mit Kasper Kvist, Torhüter Benjamin Buric, Betreuer Stefan Rühl und im Hintergrund Trainer Kai Wandschneider nach der 26:25-Sensation in Kiel. (Foto: Bergmann)

HSG Wetzlar


Unerschrocken, vollgepumpt voll Selbstbewusstsein hat die HSG Wetzlar ein weiteres Kapitel grün-weißer Handball-Geschichte geschrieben. Erstmals in nunmehr 20 Bundesliga-Jahren verließen die Mittelhessen am Donnerstagabend die Kieler Sparkassen-Arena als Sieger. Das 26:25 (12:9) war also tatsächlich ein historischer Erfolg. Nach dem 30:22-Coup in der Hinserie im September hat sich das von Trainer Kai Wandschneider einmal mehr großartig eingestellte Team in dieser Saison somit als neuer Kiel-Schreck entwickelt - das kann nur noch der Einzug ins DHB-Pokal-Final 4 toppen.

Bei den Kielern, die ihre letzten neun Pflichtspiele allesamt gewonnen hatten, fehlten zwar Leistungsträger wie Domagoj Duvnjak, René Toft Hansen (beide verletzt) und Torhüter Niklas Landin, der auf die unmittelbare Geburt seines zweiten Kindes wartete, aber auch die Wetzlarer hatten mit Jannik Kohlbacher und Alexander Hermann zwei Hochkaräter zu ersetzen.

Stefan Kneer war es, der 27 Sekunden vor dem Ende die HSG Wetzlar mit seinem mutigen Treffer zum 26:24 in Jubelstürme ausbrechen ließ. Bis dahin hatten die Lahnstädter an der Kieler Förde nicht einmal in Rückstand gelegen, über weite Strecken sogar mehrfach deutlich mit fünf Treffern (12:7, 27./16:11, 38./19:14, 42./25:20, 54.) geführt. Vollkommen verdient zudem, denn die Startruppe aus dem Norden stand weitgehend neben sich, hatte - wie Trainer Alfred Gislason eingestand - »zu wenig Geduld gegen die langen Wetzlarer Angriffe. Wir haben zu viele Fehler gemacht und waren einfach nicht gut genug«.

Ganz im Gegenteil zur HSG Wetzlar, bei der Philipp Pöter wie schon gegen Frisch Auf Göppingen glänzend Regie führte, Kristian Björnsen von Rechtsaußen Kiels Nationaltorhüter Andreas Wolff ein halbes Dutzend Mal düpierte, es Anton Lindskog am Kreis immer wieder zwischen und hinter die Linien schaffte und somit ebenso wie der Norweger sieben Mal erfolgreich abschloss.

Dazu gesellte sich ein Torhüter Benjamin Buric, der an seine Gala vom Hinspiel-30:22 anknüpfte. Die gewohnt starke und durch Joao Ferraz und Olle Forsell-Schefvert immer wieder geschickt die Kieler Laufwege zustellende Abwehr trug gleichfalls ihren Teil zur Sensation bei, mit zahlreichen Blockaktionen pushte man sich gegenseitig und THW-Regisseur Miha Zarabec hatte man besser im Griff als die deutsche Nationalmannschaft kürzlich bei der EM in Kroatien.

Der lange strukturierte Gegenstoß mit einfachen Toren bereitete Kiel bis zur 40. Minute große Probleme, die taktisch gewieften Kleingruppen-Lösungen setzten die Kieler schlussendlich schachmatt. Das Zusammenspiel Ferraz/Björnsen vollendete der Portugiese sensationell mit dem 13:9 von Rechtsaußen; die Passfolge Pöter-Ferraz-Lindskog an den Kreis zum 14:10 erinnerte eher an beste Kieler Zeiten mit deren Weltklassekreisläufer Marcus Ahlm.

»Wenn man das ganze Spiel über mit drei, vier Toren führt, fängt man irgendwann an, auch an den Sieg zu glauben«, freute sich Kristian Björnsen riesig über den Triumph beim THW Kiel, der nunmehr wohl eine weitere Spielzeit auf den DM-Titel warten muss. Auch wegen der zwei Saison-Pleiten gegen die Wetzlarer. »Irgendwie haben wir immer eine Lösung oder eine Lücke gefunden«, freute sich HSG-Coach Kai Wandschneider, der von einer »historischen Stunde« sprach.

Wie sehr die HSG Wetzlar dem Gefühls- und Innenleben des THW Kiel zusetzte, spürte man von Beginn an. 45 Minuten lang protestierten und diskutierten die Nordlichter über Schiedsrichter-Entscheidungen, fanden nicht zu sich selbst und verloren den Blick für das Wesentliche – auch der Trainer. Und als der Fokus endlich nicht mehr auf das Hadern mit sich selbst und den Unparteiischen gerichtet war, ließ sich die HSG Wetzlar nicht mehr beirren. Spätestens mit der spektakulären Fußabwehr von Torhüter Benjamin Buric im kurzen Eck gegen den Wurf von THW-Rechtsaußen Niklas Ekberg beim 21:25 (55.) war die Messe gelesen. Übrigens: Buric parierte doppelt so viele Würfe wie Wolff.

THW Kiel: Landgraf, Wolff; Firnhaber, Weinhold (4), Dissinger, Wiencek (3), Ekberg (6/3), Öfors, Dahmke (1), Rahmel, Zarabec (3), Vujin (1), Bilyk (1), Nilsson (6).

HSG Wetzlar: Klimpke, Buric, Weber (n.e.); Holst, Kvist (3), Kneer (1), Forsell-Schefvert (1), Pöter (1), Mirkulovski (2), Schreiber (n.e.), Lindskog (7), Björnsen (7), Volentics (n.e.), Ferraz (3), Klesniks, Cavor (1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Hartmann (Magdeburg)/Schneider (Barleben). - Zuschauer: 10 285 (ausverkauft). - Strafminuten: 8/10. - Torfilm: 2:4 (7.), 3:7 (14.), 3:9 (17.), 6:10 (24.), 9:12 (Halbzeit); 12:17 (40.), 16:20 (45.), 19:22 (50.), 20:25 (55.), 25:26 (Endstand).

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