30. März 2018, 19:57 Uhr

Handball-Krimi

Wetzlar auch »bei - 6 nicht mausetot«

Die HSG Wetzlar hat gegen den SC Magdeburg schon mit 21:27 zurückgelegen hatte. Es wurde aber noch ein Handball-Krimi mit einem knappen 27:29.
30. März 2018, 19:57 Uhr
Tieftraurig: Kristian Björnsen, der 40 Sekunden vor Schluss die Chance zum 28:28-Ausgleich vergeben hat. (Foto: Vogler)

HSG Wetzlar


In den sozialen Medien wurde Magdeburgs Keeper Dario Quenstedt für seine reflexartige »Monster-Parade« 40 Sekunden vor Spielschluss gegen Wetzlars Rechtsaußen Kristian Björnsen gefeiert, auf dem Parkett der Rittal-Arena war der HSG-Skandinavier indes untröstlich: »Das war meine beste Chance im ganzen Spiel und ich werfe sie weg!« Die Gefühlswelten lagen weit auseinander am Donnerstagabend, als die Mittelhessen im Bundesliga-Heimspiel gegen die nunmehr seit 18 nationalen und internationalen Auftritten unbesiegten Magdeburger bis in die Schlussminute den zuvor schier aussichtslosen 21:27-Rückstand (51.) tatsächlich aufzuholen schienen, beim Stand von 27:28 aber den auf dem silbernen Tablett servierten Ausgleich verpassten. Im Gegenzug versetzte SCM-Norweger Christian O’Sullivan den Gastgebern 14 Sekunden vor dem Ende eiskalt den 29:27 (14:13)-K.o.

Bitter in dem Moment für die HSG und deren Anhänger, die einmal mehr eine packende, emotional aufwühlende Endphase durchlebten. Weniger bitter aber in der Gesamtanalyse, bei der dann doch einzuräumen war, dass mit dem SC Magdeburg die insgesamt bessere Mannschaft als verdienter Sieger vom Parkett gegangen war. Angefangen von Torhüter Dario Quenstedt in Zusammenarbeit mit einer extrem gut zur Seite verschiebenden und permanent Druck auf den gegnerischen Angriff ausübenden 6:0-Abwehr über einen herausragenden Regisseur Marko Bezjak mit dem spiel- und wurfstarken Rückraum Christian O’Sullivan und Mads Christiansen neben sich bis hin zur gegenstoßschnellen Flügelzange Robert Weber/Matthias Musche hatten die Anhaltiner kaum Schwachstellen. Mit Ausnahme der Endphase, als man sich von der offensiven Wetzlarer Deckung dann doch unerwartet aus der Ruhe bringen ließ.

»Wir sind zufrieden, als Mannschaft bestanden zu haben. Das können für uns in der Endabrechnung sehr wichtige Punkte werden«, lautet das Statement von SCM-Trainer Bennet Wiegert, »wir haben wenig technische Fehler gemacht, haben es gut verteidigt und sind gut in die Gegenstöße gekommen. Ich denke, wir können zur Halbzeit schon mit mehr als einem Tor Führung in die Kabine gehen.« Die letzte Viertelstunde passte aus Wiegerts Sicht dann aber nicht mehr ganz zum positiven Gesamtbild: » Wir machen das bis zur 45., 50. Minute sehr seriös und dominant, lassen uns dann aber durch ein paar taktische Wetzlarer Umstellungen völlig aus dem Konzept bringen. Das sollte uns in der Art und Weise nicht passieren.«

Mit der Rückkehr von Benjamin Buric für Till Klimpke zwischen die Pfosten und der Wetzlarer Abwehrumstellung auf 4:2/3:3 ließ sich der so lange souveräne Tabellenvierte bei seinem Tanz auf drei Hochzeiten trotz beruhigendem 27:21 (51.) doch noch fast aus der Bahn werfen. Ein 6:1-Tore-Lauf und zwei Buric-Glanztaten mit einem gehalten Siebenmeter (58:17) als Krönung ließen die Wandschneider-Schützlinge nach dem 27:28 von Stefan Cavor (58:42) vom Teilerfolg träumen. Die Halle stand Kopf, dann erst wieder Buric (59:05) mit der nächsten und schließlich Quenstedt (59:20) mit der letzten und entscheidenden Parade (eben gegen Björnsen) im Blickpunkt. Dramatik pur. Jubel hier, Niedergeschlagenheit da.

Wetzlars Coach Kai Wandschneider bewunderte einmal mehr die Moral seiner Truppe: »Wir haben uns nie unterkriegen lassen. Wir waren auch bei - 6 nicht mausetot. Zum Ende hin haben wir noch einmal alles probiert und umgestellt auf die 4:2, phasenweise 3:3. Da haben wir es tatsächlich geschafft, in acht Minuten mit einem 6:1-Lauf, noch einmal zurückzukommen. Wir waren nahe dran, den Punkt zu holen gegen eine Mannschaft, die ihre Seele gefunden hat.«

Bei allen Defiziten im Überzahlverhalten, bei allen anhaltenden konzeptionellen Problemen auf der halbrechten Seite und bei allen Problemen im konzentierten Abschluss - auch die HSG Wetzlar hat 2017/18 als verschworene Einheit ihre Seele gefunden. Maximilian Holst trifft wieder sicher vom Punkt, im Positionsangriff wird permanent nach spielerischen Lösungen gesucht und der Rückzug gegen die unentwegte schnelle Mitte der Magdeburger war auch weniger anfällig. Kein Wunder, dass die Grün-Weißen beim 5:5 (12., Holst-Siebenmeter), 13:14 (30., Cavor-Gegenstoß) und 17:17 (37., Kohlbacher-Kreis) voll auf Betriebstemperatur waren. Der eine oder andere kleine individuelle Fehler mehr, der besonders weh tat, ließ Magdeburg dann aber auf 27:21 (51., Bezjak-1-1) wegziehen, bevor Wetzlar sensationell zurück kam. Allerdings ohne das Björnsen-Happyend.

 

Schlagworte in diesem Artikel

  • HSG D/M Wetzlar
  • HSG Wetzlar
  • Handball
  • Kai Wandschneider
  • Niedergeschlagenheit
  • Quenstedt
  • Rittal-Arena Wetzlar
  • SC Magdeburg
  • Seele
  • Ralf Waldschmidt
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.