09. September 2018, 10:00 Uhr

Top-Sportler

Weber lernte durch das Rudern fürs Leben

Disziplin und Wille, die den 20-jährigen Gießener Marc Weber beim Rudern bis zur Bewusstlosigkeit treiben, helfen ihm beim Bewältigen des Studiums zweier Hauptfächer.
09. September 2018, 10:00 Uhr
Marc Weber rudert für den RC Hassia Gießen, tritt für Deutschland bei EM und WM an und studiert an der Justus-Liebig-Unviersität. (pv)

Top-Sportler

Durch Fußball, Handball und Basketball gehen andere Sportarten medial oft unter. Die Sportler leisten aber mindestens genauso viel. Wir stellen ambitionierte Athleten aus der Heimat vor.

Zum Dossier


In der zehnten Klasse hatte Marc Weber einen Notenschnitt von 3,0. Sein Aufwand im Rudern nahm im Alter von 15 Jahren kontinuierlich zu. Die Trainingszeit wurde länger, die Lernzeit kürzer. Abgeschlossen hat der Gießener Ruderer das Abitur mit 1,4. Der Sport lehrte Marc Weber Disziplin und Willen und ließ ihn charakterlich reifen.

Vater Urs erinnert sich: »Ich habe ihm immer gesagt: Schule geht vor. Du kannst rudern, aber vom Rudern kann man nicht leben. Und irgendwann fragte ich verwundert unseren ehemaligen Vereinsvorsitzenden: Es ist ganz komisch. Je mehr er trainiert und je weniger Zeit er hat, desto besser werden die Schulnoten. Da sagte man mir: Dann ist er ein guter Ruderer.«

Zwei Hauptfächer an der Uni und teils 16 Trainingseinheiten in der Woche

Marc Weber, der Ende Juli bei der U23-WM im Einer die Silbermedaille gewann und dafür unlängst von der heimischen Politik gewürdigt wurde, weiß: »Früher war ich in der Schule faul, heute lerne ich im Studium, mache viel nebenbei.« Neben Zeiten, in denen er bis zu 16 Trainingseinheiten in der Woche hat, studiert der 20-Jährige Wirtschaftswissenschaften und Psychologie im Hauptfach an der JLU Gießen. »Diesen Willen hätte ich nicht, wenn ich das nicht durchs Rudern gelernt hätte.«

Irgendwann brennt alles nur noch, dir wird schwarz vor Augen. Bei den Tests wird man oft bewusstlos

Marc Weber

Wie lernt man Disziplin und Willen durchs Rudern? Ein Beispiel sei der 2000-Meter-Test beim Ergo-Training: »Rudern ist eine der Sportarten mit den höchsten Laktatwerten. Irgendwann brennt alles nur noch, dir wird schwarz vor Augen. Es ist oft so, dass man nach den Tests den Griff ablegt und erst mal bewusstlos wird. Wenn man dann die letzten 500 Meter auf dem Display hat, die immer langsamer werden. Sich da so durchzubeißen, bis zur Bewusstlosigkeit, da lernt man Willen.«

Marc Weber verbringt viel Zeit auf dem Wasser. (Foto: pv)
Marc Weber verbringt viel Zeit auf dem Wasser. (Foto: pv)

Marc Weber ist im Einer unterwegs, legt den Fokus bei den Wettkämpfen auf jene Bootsklasse, »in der der Sieger letztlich der schnellste Ruderer der Welt ist«. Nichts kann auf andere abgewälzt werden, »du weißt, dass es an dir liegt«. Der Athlet vom RC Hassia hat daher eine temperamentvolle Beziehung zu seiner Sportart. »An einem Tag geht mir alles nur noch auf den Nerv, am anderen möchte ich nur noch rudern. Mal ist es meine große Liebe, mal könnte ich es einfach wegschmeißen.«

Ablauf in der heißen Vorbereitungsphase: Trainieren, essen, schlafen

Im Schnitt trainiert Weber an sechs Tagen in der Woche zweimal. In der heißen Vorbereitungsphase wie im Juli vor der U23-WM wohnt der 20-Jährige, der im Familienhaus in Butzbach lebt, am Stützpunkt in Frankfurt. Dann gibt’s bis zu 16 Einheiten in der Woche. Um 6 Uhr morgens aufstehen, um 7 Uhr 18 Kilometer Rudern, danach Essen und Pause, ehe Athletiktraining und abends eine weitere Wassereinheit folgen. »Du machst im Grunde nichts anderes außer trainieren, essen und schlafen.«

Olympia 2020 ist kein unrealistisches Ziel

Gerade hat Weber die Sommerpause hinter sich, in der er nur sechs Einheiten in der Woche absolvierte und Prüfungen an der Uni nachholte. Disziplin und Zeitmangement helfen dem Sportler auch im Alltag – dafür gibt’s wenig Freizeit. Eine 60-Stunden-Woche ist die Regel. Sollte Weber in einigen Jahren wie Millionen andere Deutsche einen Job mit einer 40-Stunden-Woche annehmen, wird er mehr Freizeit haben als bisher.

Noch aber hat das Rudern eine hohe Priorität. Am Stützpunkt in Frankfurt trainiert Weber in einer leistungsstarken Gruppe, hat mit Trainingspartnern ein Projekt »Tokio 2020« ins Leben gerufen, um Sponsoren zu generieren. Die Olympischen Spiele sind kein unrealistisches Fernziel für den aufstrebenden Ruderer, festlegen möchte sich Weber auf das Ziel aber nicht.

Der Athlet des RC Hassia Gießen hält lieber am bodenständigen, aber ehrgeizigen Weg fest. Dieser hat ihn durch das Rudern zu einem klaren und strukturierten 20-jährigen Studenten gemacht, den es in dieser Form nur ganz selten geben dürfte.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Marc Weber
  • Rudern
  • Rudersportler
  • Sportler
  • Top-Sportler
  • Sven Nordmann
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.