29. August 2018, 09:05 Uhr

Henni Nachtsheim

Was die Eintracht mit »Game of Thrones« gemein hat

Unsere Kolumne mit Henni Nachtsheim, dem Fan der Frankfurter Eintracht und 50 Prozent des Comedy-Duos Badesalz, geht im Frage-und-Antwort-Spiel mit Ronny Th. Herteux in die neue Saison.
29. August 2018, 09:05 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, nach fast drei Monaten Funkpause zwischen uns muss ich einmal mehr gestehen: Aus der Frankfurter Eintracht wird man einfach nicht schlau. Haben Sie das überhaupt schon einmal in Ihrem jahrzehntelangen Fan-Dasein hinbekommen?

Henni: Ehrlich gesagt noch nicht. Ich habe zwar neulich nach vielen Jahren endlich das Lösen der Gleichung 3 · 4x-3 + 5 · 7x-3 = 22x-4 geschafft, aber das war im Vergleich zur Berechnung des Eintracht-Faktors ein Kinderspiel!

Herr Einstein, äh Nachtsheim: Nach dem Supercup-0:5 gegen die Bayern und dem deprimierenden Pokal-1:2 in Ulm, da hat wohl niemand ernsthaft damit gerechnet, dass die Eintracht in Freiburg irgendetwas wird reißen können. Mein Tipp in der Redaktion lautete – da will ich ganz ehrlich sein – 4:1 für Freiburg. Bin ich jetzt für Sie noch kompetent genug, das Gespräch fortzusetzen?

Henni: Ich glaube, es hat weniger mit Kompetenz als mit dem hessischen Hang zum dramatischen Pessimismus zu tun! In einer Frankfurter Zeitung war nach nur zwei Saison-Wochen von »schrillenden Alarmglocken« zu lesen. Hat eigentlich nur noch die Aufforderung zum kollektiven Massen-Suizid aller Eintracht-Fans gefehlt!

Vielen Dank. Um weiter ehrlich zu sein, mein größter Schreckmoment war, als Nicolai Müller das 1:0 erzielt hatte. Wir erinnern uns, vor Jahresfrist hatte sich der damalige Hamburger einen Kreuzbandriss beim Torjubel zugezogen. Ist Ihnen schon mal Ähnliches in Ihrer erfolgreichen Zeit als Amateurfußballer widerfahren?

Henni: Ja. Ich bin mal nach einem Tor in der B-Jugend unserem Co-Trainer in die Arme gesprungen. Oder besser gesagt: ich wollte ihm in die Arme springen, habe aber seine durch Bier und Mettbrötchen gestählte Wampe vergessen. Statt in seinen Armen bin ich da drauf gelandet und habe mir dabei eine Rippe gebrochen.

Um ehrlich zu bleiben: Gelson Fernandes als Kapitän, stark in Form die Neuzugänge Frederik Rönnow und Lucas Torro, Nicolai Müller als Torschütze, Evan Ndicka in der Viererkette, Filip Kostic auf der Bank, Taleb Tawatha auf Linksaußen und Adi Hütter als Trainer an der Seitenlinie – vieles ist neu, so richtig sind wir noch nicht drin in der Materie Eintracht Frankfurt. Oder blicken Sie schon durch?

Henni: Nein! Das ist ein bisschen wie bei »Game of Thrones«. Da sterben ständig irgendwelche Figuren, an die man sich gerade gewöhnt hat, und schon gibt es wieder neue. Das verwirrt mich auch immer wieder. Was aber nichts daran ändert, dass ich Fan bin. Und so ist es bei der Eintracht eben auch!

Natürlich darf der 2:0-Auftaktsieg nicht überbewertet werden, die Freiburger haben sich im Auslassen bester Chancen übertroffen. Da stimmen Sie bestimmt zu?

Henni: Was die Anzahl der guten Chancen angeht – ja. Ich fand aber, dass Freiburg sie selten wirklich gefährlich abgeschlossen hat. Und wenn doch mal, stand da unser neuer Däne im Tor und hat zumindest schon mal angedeutet, warum man ihn geholt hat! Ich fand den Sieg unter der Berücksichtigung, dass es ein Auswärtsspiel war, absolut in Ordnung!

SGE-Kapitän Fernandes sagte: »Dieser Sieg gibt uns ein bisschen Ruhe.« Aber doch nur bis zum Heimspiel gegen Bremen, dafür ist die Bundesliga zu schnelllebig, oder?

Henni: Ich finde, dass es an jedem Einzelnen liegt, wie schnell er wegen einer Niederlage stimmungstechnisch kippt oder gar in Panik verfällt. Ich selbst habe beschlossen, erst mal die nächsten Spiele abzuwarten, um dann frühestens in zehn Wochen hysterisch zu werden! Na gut, sagen wir in zwei...

Apropos schnelllebig. Ist der Ball in Deutschland inzwischen zu schnell für die Beobachtungsgabe der Schiedsrichter geworden?

Henni: Nein, solange es sich weiterhin um normale Bälle handelt, werden die Schiedsrichter noch folgen können. Problematisch könnte es werden, wenn die FIFA beschließt, Bälle in Zukunft durch Pucks zu ersetzen. Oder Backerbsen.

Mal im Ernst jetzt: Was bei der WM in Russland noch vergleichsweise harmonisch zwischen Personen aus aller Herren Länder funktionierte, geriet am ersten Spieltag – zumindest gefühlt – ausgerechnet in der Bundesliga außer Kontrolle: der Videobeweis. Waren auch Sie manchmal verwirrt und irritiert?

Henni: Ich fand, dass man den meisten Entscheidungen schon noch folgen konnte. Was aber nichts daran ändert, dass sie mich bei zu großer Häufigkeit aus meinem »Guck-Rhythmus« bringen und irgendwann unruhig machen. Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr frage ich mich, ob der Videobeweis nicht irgendwie auch als Indiz dafür steht, dass sich der Fußball zu wichtig nimmt!

Wer kontrolliert eigentlich den im Kölner Video-Keller die Schiedsrichter kontrollierenden Assistenten?

Henni: Das ist meines Wissens nach der Kölner Video-Keller-Schiedsrichter-Kontroll-Assistenten-Geselle! Dem übrigens zum Glück auch noch eine Kölner Video-Keller-Schiedsrichter-Kontroll-Assistenten-Gesellen-Hilfskraft zur Seite steht!

Irgendwie scheint mir Deutschland in diesen Tagen und Wochen etwas verunsichert. Könnte das etwas mit der lang anhaltenden Hitze und damit einhergehenden Dürre zu tun haben? Trocknen da bei einigen die Hirne aus?

Henni: Hohle Gehirne gab es ja auch schon vor der großen Dürre. Das muss nicht immer mit dem Wetter zu tun haben.

Zum Beispiel: Die DFB-Auswahl spielt sich in Russland generalstabsmäßig, also sehenden Auges, ins Aus. Mesut Özil lässt sich von seinen Ghostwritern Verwirrendes und Irritierendes unterjubeln. Und Jogi Löw als verantwortlicher Angestellter taucht einfach mal unter, um sich am heutigen Mittwoch erstmals in der Öffentlichkeit fundiert mitteilen zu wollen – nicht alles, dass er sich dabei noch als Retter des deutschen Fußballs aufspielen will. Was soll der geneigte Fan davon halten oder wie soll er damit umgehen?

Henni: Ein weiterer Beitrag zu Özil ist überflüssig. Dazu ist alles, aber auch wirklich alles gesagt worden. Intelligentes und unfassbar Dummes. Was den DFB allgemein angeht, kann ich da nur für mich sprechen. Und ich neige dazu, erst mal abzuwarten, ob die Verantwortlichen aus bestimmten Fehlern gelernt haben und welche nützlichen Konsequenzen sie daraus ziehen können. Die Chance sollte man ihnen schon geben, zumal die Jahre vor dieser WM ja durchaus erfolgreich waren und vieles richtig gemacht worden ist.

Also, ist der Fußball noch zu retten?

Henni: Solange wir beide uns hier einmal im Monat darüber auslassen dürfen – auf jeden Fall!

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