25. Oktober 2018, 22:27 Uhr

Vorsicht auf der ersten Hälfte

Petra Wassiluk ist die »Frau im Hintergrund« des Frankfurt Marathons. Seit 2002 arbeitet die ehemalige Profi-Leichtathletin im Orga-Team der Traditions-Veranstaltung. Obendrein gibt die zweifache Olympia-Teilnehmerin (1996 und 2000) ihr Wissen an Hobbyläufer weiter.
25. Oktober 2018, 22:27 Uhr
Gänsehautgefühl wird sich auch dieses Jahr am letzten Oktober-Sonntag wieder beim Start an der Friedrich-Ebert-Anlage einstellen. (Foto: dpa)

Im Gespräch berichtet Petra Wassiluk (48 Jahre, Diplom-Sportlehrerin) über ihr heutiges (Arbeits-)Leben und gibt den Läufern letzte Tipps für den 37. Frankfurt Marathon am Sonntag.

Sie trainieren Hobbysportler unter dem Motto »In sechs Monaten zum Mainova Frankfurt Marathon«. Wie viele Läufer haben Sie im vergangenen halben Jahr betreut und wie viele werden am Sonntag an den Start gehen?

Petra Wassiluk: Wir haben zwei Trainingsprojekte. Einmal mit etwa 120 Teilnehmern und mit etwa 80. Es gibt viele Wiederholer, die schon seit vielen Jahren dabei sind, und etwa 45 Neueinsteiger, die alle antreten möchten. Von den Wiederholern gehen nicht mehr alle an den Start.

Sind ambitionierte Läufer dabei?

Wassiluk: Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Ich hatte schon welche, die den Marathon unter drei Stunden gelaufen sind. In diesem Jahr gibt es welche, die 3:10 Stunden laufen können. Und welche mit sechs Stunden. Eine kunterbunte Mischung.

Wie oft trainieren Sie zusammen?

Wassiluk: In Frankfurt bieten wir vier Tage an, von montags bis donnerstags. Immer über zwei Stunden. Eine Stunde Lauftraining und eine Stunde Rumpfstabilisation, die sehr wichtig ist, um die Muskulatur auf die Kraftausdauer vorzubereiten.

Haben Sie spezielle Tipps für die letzten Tage bis zum Marathon?

Wassiluk: Es steigt ja jetzt ein bisschen die Nervosität. Man sollte probieren, ruhig zu bleiben und an das Training denken, das man gemacht hat. Keine möglichen negativen Szenarien durchgehen, sondern sich positive Gedanken machen. Man sollte gut schlafen, nicht unbedingt die Nacht davor, aber es ist wichtig, dass man erholt an den Start geht. Den Alltag normal leben, vielleicht etwas mehr Kohlenhydrate essen. Sich auch vielleicht gedanklich schon ein bisschen darauf einstellen, was am Sonntag alles auf einen zukommt. Es sind 15 000 Menschen, es wird vielleicht etwas stressiger. Man sollte sich die Sachen zurechtlegen, den Championchip rausholen und früh die Startunterlagen holen.

Wie viel sollte man am Freitag und Samstag noch einmal laufen?

Wassiluk: Ich empfehle immer, Freitag einen Pausentag zu machen und am Samstag vielleicht noch einmal 20 Minuten zu laufen. Vielleicht noch einmal zwei, drei Steigerungen, das war’s dann. Die Beine ausschütteln.

Gibt es Unterschiede in der Renneinteilung zwischen Frauen und Männern?

Wassiluk: Mhhh… Vielleicht sind die Frauen ein bisschen vorsichtiger und ängstlicher. Der Mann geht vielleicht etwas euphorischer und selbstbewusster an die Sache ran. Vielleicht, das soll nicht falsch klingen, haben die Frauen ein besseres Tempogefühl, können sich besser einschätzen. Für mich gilt immer: Vorsicht auf der ersten Hälfte. Nicht zu schnell anlaufen! Sonst kommt der Mann mit dem Hammer. Erst ab Kilometer 30 kann man es laufen lassen, wenn man sich noch gut fühlt.

Sie laufen durch die Trainingsgruppe vermutlich selbst noch viel?

Wassiluk: Nicht durch die Trainingsgruppe. Dort laufe ich nur montags mit, den Rest macht mein Trainer-Team. Ich trainiere sonst auch Freunde, habe meine eigene private Trainingsgruppe.

Auf wie viele Kilometer kommen Sie in der Woche?

Wassiluk: Ich mache sechs Einheiten, habe auch gerade den Offenbacher Halbmarathon gewonnen, und laufe zwischen 60 und 80 km.

Wow!

Wassiluk: Ja (lacht). Ich kann’s nicht lassen. Es macht mir einfach Spaß. Und ich quäle mich auch gerne noch manchmal selber. Ich laufe gerne Belastung und Wettkämpfe. Da kann man sich immer ein bisschen messen.

Denken Sie noch regelmäßig an ihre zwei Olympia-Starts in Atlanta und Sydney?

Wassiluk: Naja, ich bleibe da nicht hängen. Ich versuche durch meine Erfahrungen dem einen oder anderen Athleten zu erklären, wie wichtig auch die mentale Stärke in einem Rennen ist. Dass die Psyche eine ganz wichtige Rolle spielt, um seine Ziele zu verwirklichen. Man kann viel im Kopf herausholen. Es gibt Druck und auch äußere Einflusse, wie man mit negativen Einflüssen umgeht.

Was genau ist Ihre Arbeit im Organisations-Team des Frankfurt Marathons?

Wassiluk: Ich bin in der Veranstaltungs-Organisation, betreue und akquiriere Sponsoren, wie andere Kollegen auch. Jeder hat sein Ressort. Ich bin zum Beispiel mit einer Kollegin für die Nudel-Party am Samstag vor dem Rennen zuständig, für das Rahmenprogramm, für den Brezellauf, ich habe das Hotel unter mir, bin zum Teil bei der Strecke mit dabei mit Verpflegung und bin ganzjährig für den Main-Lauf-Cup zuständig.

Das klingt abwechslungsreich...

Wassiluk: Ja, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, meine Nische gefunden, die mich erfüllt. Es kann mir nichts besseres passieren.

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