03. November 2018, 07:00 Uhr

FC Gießen

Vor Topspiel: Bayern Alzenau und FC Gießen im Vergleich

Etat, Trainingsaufwand, Stärken: Wir vergleichen die beiden Top-Teams der Fußball-Hessenliga, FC Bayern Alzenau und FC Gießen, vor dem Spitzenspiel am Samstag.
03. November 2018, 07:00 Uhr
Der FC Gießen will am Samstag in Alzenau erneut jubeln. (Foto: Friedrich)

FC Gießen oder Bayern Alzenau - einer dieser beiden Vereine wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Sommer direkt in die Regionalliga Südwest aufsteigen. Am Samstag (14.30 Uhr, Stadion am Prischoß Alzenau) treffen beide Teams, die nur ein Punkt trennt, im letzten Hinrundenspiel der Fußball-Hessenliga aufeinander. Wir machen deutlich, dass die Unterschiede in der Vereinsphilosophie durchaus beträchtlich sind. Der Vergleich vor dem Top-Spiel.

 

Bisherige Saison

Bayern Alzenau: Im Schatten der großen Namen spielt Alzenau eine sensationelle Saison. Zehn Abgänge hatte der Vorjahreszweite zu verzeichnen, der Umbruch gelang. "Wir haben in der Entwicklungsphase zu Beginn häufig gewonnen - es gibt nichts Besseres", sagt Trainer Angelo Barletta. Bemerkenswert: Viermal wurde ein Spiel komplett gedreht und nach Rückstand noch gewonnen.

FC Gießen: Der Verein wird seiner vor der Saison von vielen zugeschriebenen Favoritenrolle gerecht. Seit dem zweiten Spieltag führt der FC Gießen die Hessenliga als Tabellenführer an - bis heute. Im Schnitt treffen die Rot-Weißen 3,5 mal pro Partie und haben in 16 Spielen erst zehn Gegentore kassiert. Trainer Danyiel Cimen: "So eine gute Saison ist nicht selbstverständlich, das sieht man an den Beispielen Kassel und Fulda, die auch hoch gehandelt wurden." (Hier geht's zum Vorbericht zum Spitzenspiel)

 

Was die Teams stark macht

Bayern Alzenau: Die Mannschaft hat eine klare Struktur und eine starke Mentalität. Mit Manuel Konate (sieben Torvorlagen in sechs Spielen, Rückennummer 25), Kreso Ljubicic (Regisseur, Rückennummer 8) oder Hedon Selishta (mit 16 Treffern Toptorjäger, Rückennummer 12) wurden Top-Transfers getätigt. Hinzu kommen viele junge Akteure aus den umliegenden Nachwuchsleistungszentren. Das funktioniert.

Angelo Barletta befindet sich mit dem FC Bayern Alzenau in seiner dritten Saison. (Foto: imago)
Angelo Barletta befindet sich mit dem FC Bayern Alzenau in seiner dritten Saison. (Foto: i...

FC Gießen: Offensivwucht besaß das Team auch schon im Vorjahr (96 Tore). Cem Kara, Brian Mukasa, Timo Cecen und Co. wirbeln auch in dieser Saison. Hinzugekommen ist nun eine merklich größere Stabilität. Trainer Cimen installierte Trauzeuge und Ex-Profi Michael Fink als Defensivstratege. "Jeder freut sich für jeden, das macht uns stark", sagte Cimen schon vor einigen Wochen. Teamgedanke und individuelle Qualität harmonieren.

 

Trainer

Bayern Alzenau: Der 41-jährige Ex-Profi Angelo Barletta (u.a. mit Osnabrück in der zweiten Liga) mit italienischen Wurzeln macht einen bemerkenswerten Job. "Er ist der Baumeister des aktuellen Erfolgs", weiß sein Vorgesetzter Andreas Trageser. Barletta verfügt über viele Kontakte, hat ein Gespür für die Mannschaftszusammenstellung und ist sehr ehrgeizig. Immer mit positiven Ansagen an der Seitenlinie. Mit Potenzial für höhere Aufgaben.

Daniyel Cimen befindet sich mit dem FC Gießen in seiner zweiten Saison. (Foto: Friedrich)
Daniyel Cimen befindet sich mit dem FC Gießen in seiner zweiten Saison. (Foto: Friedrich)

FC Gießen: Der 33-jährige Ex-Profi Daniyel Cimen (u.a. mit Eintracht Frankfurt in der Bundesliga) mit aramäischen Wurzeln besticht durch seine Ruhe. Cimen durchlief alle deutschen U-Nationalmannschaften als Kapitän, beendete seine aktive Karriere aber schon mit 27 Jahren. War schon U19-Coach der Frankfurter Eintracht und will nun den mit RW Frankfurt als Trainer verpassten Aufstieg nachholen.

 

Führungsspieler

Bayern Alzenau: Das Team wirkt gefestigt und hat viele wichtige Charaktere. Herauszuheben ist in der bisherigen Saison aber der 29-jährige Kreso Ljubicic. Der Kroate lenkt das Spiel der Alzenauer. Ljubicic kam vor der Saison aus der zweiten Schweizer Liga vom Winterthur FC und hat voll eingeschlagen. Stand in allen 15 Partien auf dem Feld, weist als Taktgeber sieben Torbeteiligungen auf. Mit Ruhe am Ball, technisch versiert. Schießt zudem gute Freistöße.

FC Gießen: Der 36-jährige Michael Fink ragt mit seiner Erfahrung heraus. Er bringt Ordnung ins Spiel und initiiert mit seinen klugen Pässen häufig gefährliche Aktionen. Sein Wort hat Gewicht - Fink spielte schon vor über 70 000 Zuschauern im Old Trafford. Daneben kristallisiert sich Kevin Nennhuber als Wortführer heraus, Kapitän ist der Tscheche Vaclav Koutny.

 

Ziele

Bayern Alzenau: Der Verein spielte in der Zeit von 2009 bis 2013 schon einmal drei Jahre lang in der Regionalliga - und will dort wieder hin. "Wir arbeiten darauf hin", sagt Trainer Angelo Barletta, Vereinschef Andreas Trageser bestätigt: "Wenn wir es sportlich schaffen, machen wir das auch." Der Verein weist einen Etat von schätzungsweise 250 000 bis 300 000 Euro auf.

Cem Kara zählt zu den offensiv gefährlichsten Akteuren des FC Gießen. (Foto: Friedrich)
Cem Kara zählt zu den offensiv gefährlichsten Akteuren des FC Gießen. (Foto: Friedrich)

FC Gießen: Klipp und klar: Der Aufstieg in die Regionalliga. "Wir versuchen, das zu erreichen", sagte FC-Geschäftsführer Jörg Fischer vor der Saison. Immer wieder wird rund um Gießen sogar von der dritten Liga gesprochen, wenngleich Fischer betont: "Das ist ganz weit weg." Der Etat übersteigt eine Millionen Euro, die Ambitionen sind hoch.

 

 

Trainingsaufwand

Bayern Alzenau: Der kleine FC Bayern trainiert viermal in der Woche jeweils am frühen Abend, trainingsfreier Tag ist der Mittwoch. Damit liegt Alzenau über dem Hessenliga-Schnitt von dreimal in der Woche, aber eben auch unter den Profibedingungen der Gießener.

Manuel Konate schlug wie auch Hedon Selishta oder Kreso Ljubicic als Neuzugang in Alzenau ein. (Foto: imago)
Manuel Konate schlug wie auch Hedon Selishta oder Kreso Ljubicic als Neuzugang in Alzenau ...

FC Gießen: Fünfmal in der Woche wird um 17 Uhr trainiert, zudem gibt es am Dienstag eine Vormittagseinheit, am Mittwoch können die Spieler "verletzungsvorbeugend" im Fitnessstudio gemeinsam trainieren. Nur zwei Spieler befinden sich in einer Ausbildung, der Rest studiert oder ist Profi.

 

 

Führungsriege

Bayern Alzenau: Der Verein ist gesund, es gibt viele Ehrenamtler. An der Spitze steht Andreas Trageser, der früher selbst in der Oberliga spielte und A-Lizenz-Inhaber ist. Er führt ein Versicherungsbüro, lebt für den Verein. Die sportliche Kompetenz der Führungsriege wird von Trainer Angelo Barletta gelobt: "Das ist sehr wichtig. Man kann sich hier komplett austoben. Für die Hessenliga sind das überragende Verhältnisse."

FC Gießen: Das Projekt wird auf breitere Schultern verteilt, lebt aber vom Engagement des 55-jährigen Jörg Fischer, der in der Region verwurzelt ist und aus der Immobilienbranche kommt. Der Verein ist mittlerweile sehr breit aufgestellt, Andreas Heller kümmert sich als festangestellter Mitarbeiter um alles Organisatorische. Michael Fink soll als Strippenzieher aufgebaut werden.

 

Regionales Prinzip

Bayern Alzenau: Zwar gibt es mit Patrick Kalata oder Luca Bergmann Spieler, die aus der eigenen U19 den Sprung in den Hessenliga-Kader geschafft haben, wirkliche "Alzenauer", die seit Jahren als Identifikationsfigur dienen, gibt es aber nicht. Der Fokus liegt darauf, junge Spieler aus den umliegenden Nachwuchsleistungszentren zu binden. Das Durchschnittsalter beträgt 22,7 Jahre.

Die Sitzplatztribüne in Alzenau. (Foto: Trageser)
Die Sitzplatztribüne in Alzenau. (Foto: Trageser)

FC Gießen: Sechs Spieler des 22-Mann-Kaders, also ein gutes Viertel, haben direkten Bezug zur Gießener Region. Vor allem der Lollarer Johannes Hofmann, aktuell verletzt, und der Gießener Brian Mukasa dienen momentan als Identifikationsfiguren. Der Verein ist bemüht, diesen Bezug aufrechtzuerhalten.

 

 

Umfeld

Bayern Alzenau: Eine neue, massive, überdachte Tribüne soll ab Mitte November gebaut werden und 360 Zuschauern eine Sitzmöglichkeit bieten. Die Kosten belaufen sich auf rund 500 000 Euro, 150 000 Euro übernimmt die Stadt. Die bisherige Stahlrohrtribüne wandert hinter das Tor, soll künftig den Gästeblock bilden. "Das gibt ein Schmuckkästchen", sagt Vereinschef Trageser. Fertig gestellt sein soll der Komplex schon im Frühjahr 2019. Davon erhofft man sich auch mehr Zuschauer - aktuell liegt der Schnitt bei rund 400 Besuchern pro Partie.

Die Sitzplatztribüne in Gießen. (Foto: Schepp)
Die Sitzplatztribüne in Gießen. (Foto: Schepp)

FC Gießen: Das Projekt aus dem Zusammenschluss zweier Verein wird in der Universitätsstadt mit großem Interesse angenommen. "Wir haben mit dem Waldstadion einen schlafenden Riesen geweckt", sagt Jörg Fischer. Das Waldstadion wird sich spätestens beim Aufstieg weiter verändern. Der Zuschauerschnitt liegt nach der Hinrunde bei 1800 Besuchern pro Heimspiel.

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