10. Januar 2019, 07:20 Uhr

Handball-Umfrage

Unserem Team ist alles zuzutrauen

Die Vorfreude steigt. Eine Handball-WM im eigenen Land ist etwas Besonderes. Wir haben uns bei unseren mittelhessischen Handballern umgehört, was sie vor dem Spektakel alles bewegt.
10. Januar 2019, 07:20 Uhr
Jonna Jensen (Foto: ras)

Die Gedanken gehen zurück ins Jahr 2007, als »Mimi« Krause, Markus Baur, Henning Fritz, Pascal Henß, Oliver Roggisch und Co. eine nie erwartete Euphorie bei der Heim-WM auslösten und von ihr bis zum Titel getragen wurden. Nach dem Sommermärchen im Fußball folgte das Wintermärchen im Handball. Überall wehten die schwarz- rot-goldenen Fahnen – der deutsche Handball war in der ganzen Republik Thema Nummer eins. Kann die aktuelle Mannschaft um die ehemaligen Lokalmatadoren Steffen Fäth, Jannik Kohlbacher und Keeper Andy Wolff eine ähnliche Begeisterung entfachen? Was wird ihnen zugetraut, wie sehen die hiesigen Handballer die unfreiwillige Pause ihres Ligabetriebes und wie wollen sie die Spiele verfolgen?

Jonna Jensen (36 Jahre, Trainerin TSG Leihgestern, Landesliga Frauen): Vorfreude auf die WM ist da. Zu meinem Geburtstag habe ich Tickets geschenkt bekommen – für den 23. Januar in Köln. Die Gegner stehen ja noch nicht fest. Aber wir machen auch was innerhalb der Mannschaft. Wenn es zeitlich passt, bringe ich meinen Flatscreen mit, den wir im Foyer aufstellen. Dann schauen wir vor oder nach dem Training – wie es gerade passt. Das haben wir auch bei der Frauen-WM gemacht. Ab und zu verbinden wir das mit einem Essen. Wir spielen zum Aufwärmen immer Fußball Jung gegen Alt. Und wenn Jung mal wieder fünfmal verloren hat, müssen sie für Speis und Trank sorgen. Ich bin überzeugt davon, wenn die deutsche Nationalmannschaft mit Trainer als Einheit fungiert, sich bedingungslos füreinander einsetzt und mit einem knappen unerwarteten Sieg ihr Selbstvertrauen stärkt, dass sie ins Halbfinale kommen kann. Das Halbfinale ist dann Motivation ohne Ende. Und wenn man ein bisschen Glück hat, kann es auch für ein bisschen mehr reichen. Ich schaue mir ganz gerne den Kohlbacher am Kreis an. Ich finde es faszinierend, was er für eine Körperkontrolle hat, obwohl andere Zwei-Meter-Männer an ihm herumzerren. Auch weil ich gelernte Kreisläuferin bin. Ich bin gespannt darauf, wie die Mitte fungieren wird, ob ein Strobel dort auftaucht oder ob man auf den Fäth geht, der dann positionsfremd agieren müsste. Wir haben ja nicht einen klassischen Mittelspieler, der das Spiel in die Hand nimmt wie zum Beispiel ein Andy Schmid. Unsere Spielpause hat gutgetan. Ich habe jetzt wieder richtig Lust, in die Halle zu gehen, um zu trainieren. Wir hatten drei Wochen komplett frei. Aber wenn man eine aufsteigenden Tendenz hatte, so wie wir, dann kommt das natürlich blöd. Ich bin zwiegespalten. Wir müssen nun eine neue Vorbereitung planen.

Christian Rompf (32 Jahre, Linksaußen TV 05/07 Hüttenberg, 2. Bundesliga): Die Erwartungshaltung bei der deutschen Mannschaft sowie im Umfeld ist groß. Es ist schwierig – WM im eigenen Land. Aber ich traue ihnen zu, dass sie weit kommen. Sie müssen gut ins Turnier kommen. Sie müssen den Druck, der von allen Handballern und vom ganzen Land ausgehen wird, ablegen und befreit aufspielen. Wie ein Matthias Musche in Magdeburg, der einfach sein Ding durchzieht und gute Leistung bringt. Momentan haben wir noch Trainingspause – am 14. Januar fangen wir wieder an. Wenn es dann passt, werden wir sicher mit der Mannschaft die Spiele gucken. Unsere Spielpause aufgrund der WM finde ich gar nicht so schlecht. Du hast zweieinhalb Wochen frei, und bei der hohen Belastung in der ersten wie in der zweiten Liga, da sind es sogar vier Spiele mehr, ist es ganz gut, dass man eine längere Pause hat. Ich habe mir zur Einstimmung auf die WM am Sonntag das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien angeschaut. Die Euphorie ist momentan noch nicht so groß, aber das kommt dann sicher von Spiel zu Spiel. Ich schaue mir gerne die Spieler an, mit denen ich einen gemeinsamen Werdegang hatte und zusammengespielt habe, wie zum Beispiel Steffen Fäth, Andy Wolff oder Jannik Kohlbacher.

Johannes Schwarz (20 Jahre, Linksaußen, HSG Wettenberg II, Landesliga): Wir werden mit Sicherheit mit ein paar Kumpels im Partyraum die WM-Spiele verfolgen. Das ist natürlich nicht mit dem Fußball wie im Schiffenberger Tal zu vergleichen, aber in kleinen Gruppen macht das auch Spaß. Es ist eine gewisse Vorfreude auf die WM vorhanden, weil ich das Gefühl habe, dass die deutsche Mannschaft was erreichen kann, und weil sie in unserem Land ausgetragen wird. Es ist zudem wichtig, dass man alle Spiele im Free-TV verfolgen kann. Wir haben eine starke Gruppe, aber auch wenn das eine Floskel ist und ich fünf Euro ins Phrasenschwein geben muss, wenn man gewinnen will, muss man jede Mannschaft schlagen. Als wir Europameister geworden sind, hat auch keiner damit gerechnet. Ich denke, dass unser Team jeden schlagen kann. Auch weil der Gensheimer wieder mit dabei ist. Was mir gut gefällt, ist der Teamspirit – jeder kämpft für jeden. Die beiden Linksaußen imponieren mir: Der Gensheimer, er ist auf dieser Position einer der besten auf der Welt, und der Musche. Der kommt viel über Emotionen. Und das ist bei mir ähnlich im Handball. Dass der Handball in unserer Liga durch die WM ruht, finde ich nicht schlecht – wir hatten bisher noch keine Pause. Der deutschen Mannschaft traue ich alles zu. Es wird viel von der Abwehr und vom Torhüter abhängen, wie Keeper Wolff drauf ist, wie er ins Turnier startet.

Lukas Gümbel (21 Jahre, Spielmacher beim Drittligisten HSG Wetzlar U 23): So langsam wächst die Vorfreude auf die Titelkämpfe im eigenen Land. Ich werde mir die meisten Spiele, auf jeden Fall alle deutschen Partien im Fernsehen anschauen. Karten habe ich keine. Das war vor zwölf Jahren anders, da habe ich als Junge vor Ort sein können, da es ja Vorrundenspiele in Wetzlar gab. Für mich ist Frankreich wieder Turnierfavorit, denn die Franzosen bringen konstant eine gute Mannschaft an den Start. Unserem deutschen Team drücke ich die Daumen, dass es bei einer Heim-WM so weit wie möglich kommt. Das wäre für die Stimmung bedeutsam. Die Spielpause während der WM kommt mir gelegen. Nicht aber wegen der Titelkämpfe im eigenen Land, sondern wegen unserer Beanspruchung in der 3. Liga. Wir hatten seit August keine Pause, haben schon 17 Spiele absolviert, da tut es gut, endlich auch mal ein paar Wochen abspannen zu können. Dennoch freue ich mich darauf, dass es am kommenden Montag wieder mit dem Training losgeht.«

Micha Wiener (31, Spieler und Trainer bei der HSG Kleenheim-Langgöns): Zum Glück liegen die TV-Rechte wieder bei den Öffentlich-Rechtlichen, sodass man sich als Handball-Fan in Deutschland auf die WM im eigenen Land freuen kann. Wir bei der HSG Kleenheim haben für eine Zwischenrunden-Partie in Köln Teamkarten, weshalb ich davon ausgehe, bei einer deutschen Partie live dabei zu sein. Dem deutschen Abschneiden sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen, da man abwarten muss, wie jetzt die Stimmung im Team ist. Nach der Personalie Lemke im Vorjahr hat der Bundestrainer mit der Reichmann-Entscheidung erneut unnötig etwas Unruhe reingebracht. Die paar Tage Handball-Pause wegen der WM nehme ich gerne an, man kann besser regenerieren und sich neu motivieren. Ich jedenfalls habe jetzt wieder richtig Lust auf Handball, obwohl das Training ja schon wieder begonnen hat.

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