Langer Atem

Trainer Claus Well: »Jeder hat seinen Anteil«

Die Handballer der TSF Heuchelheim kehren als Bezirksoberliga-Meister in die Landesliga zurück, der sie zuletzt in der Spielzeit 2011/12 angehörten. Sechs Jahre Aufbauarbeit haben sich gelohnt.
16. Mai 2018, 06:50 Uhr
TSF Heuchelheim, Meister der Handball-Bezirksoberliga und Aufsteiger in die Landesliga Mitte (hintere Reihe, von links): Betreuer Adrian Hellwig, Trainer Claus Well, Sascha Hofmann, Christian Weidner (vorn), Dominik Weber, David Kröck, Max Kruse, Niko Hoffmann, Daniel Schmidt, Physiotherapeut Kevin Goiny, Björn Hofmann, Betreuer Jürgen Winter; vorn (v. l.) Sascha Winter, Daniel Bley, Henry Rinn, Dennis Weber, Erik Schlesinger, Abbas Kaplan, Marlon Los Santos. (Foto: Rainer Schmidt)

Die AZ titelte im September letzten Jahrs vor der Saison in der Handball-Bezirksoberliga: »Friedberg oder Heuchelheim – sonst keiner?« Dazu gibt es inzwischen zwei Antworten: »Sonst keiner« ist ebenso richtig wie »Heuchelheim«. Mit dem 28:22 im zweiten Entscheidungsspiel über die TG Friedberg setzten die TSF am vergangenen Sonntag den Schlusspunkt hinter eine Saison, die für die Heuchelheimer mit dem Titelgewinn einen glücklichen Ausgang nahm, nachdem die Mannschaft in der vergangenen Saison ebenso unglücklich den Aufstieg in die Landesliga verpasst hatte.

Am Ende der intensiven Saison 2017/18 wiesen Friedberg und Heuchelheim 44 Punkte auf. Die TG Friedberg hatte zwar die sportlich bessere Blanz zu verzeichnen, ihr wurden am Ende aber zwei Punkte abgezogen, weil sie nicht die notwendige Anzahl an Schiedsrichtern stellte. »Mir tut die Mannschaft ein bisschen leid«, musste TSF-Trainer Claus Well mit Blick auf den Kontrahenten einräumen. Die Heuchelheimer sind damit Nutznießer einer Regelung des Hessischen Handball-Verbandes, die eingeführt wurde, um den Spielbetrieb zu gewährleisten. So kam Heuchelheim in den Genuss der Entscheidungsspiele, nachdem der direkte Vergleich unentschieden ausgegangen war. »In beiden Spielen waren wir besser«, freute sich Claus Well über den Auftritt seiner Mannschaft in den Entscheidungsspielen. Dem stimmte auch sein Friedberger Kollege Sven Daxer zu: »Heuchelheim ist verdient aufgestiegen.«

Eine Stärke der Heuchelheimer Mannschaft ist ihre Homogenität. So ist Björn Hofmann kurz vor Saisonende ausgefallen, zwischendurch Daniel Bley – und das hat die Mannschaft kompensiert. Eine »geschlossene Mannschaftsleistung« war eine Stärke, ebenso die Fähigkeit, mit Rückschlägen (z. B. unerwartete Niederlage bei der HSG Mörlen, knappe Niederlage bei der HSG Lumdatal) umzugehen. Die insgesamt vier Niederlagen warfen die Mannschaft punktemäßig zwar zurück, die Moral wurde dadurch aber nicht gebrochen. Die TSF-Handballer ließen sich nicht unterkriegen. Das spricht für den Zusammenhalt. »Am Titelgewinn hat jeder einzelne Spieler seinen Anteil«, stellt Well heraus. »Die Mannschaft wollte.«

Als der Friedberger Punktabzug publik wurde, war der Vorsprung des Konkurrenten immer noch groß, angesichts der Dominanz gegenüber den anderen Mannschaften scheinbar zu groß. Im »alten« Bezirksoberliga-Jahr feierte die TG ausnahmslos Siege, während die Heuchelheimer schon drei Niederlagen hatten hinnehmen müssen. Am Ende aber zogen die TSF gleich und stießen am 28. April in eigener mit dem 28:24 über die TGF die Tür zur Landesliga zur Hälfte auf. In den beiden Entscheidungsspielen setzten sich die Heuchelheimer mit einer nicht für möglich gehaltenen Überlegenheit durch. Hier, aber auch in den zahlreichen Saisonspielen zuvor, zahlte es sich aus, dass die Heuchelheimer über eine »breite Bank« verfügen.

Eine besondere Waffe der TSF im Spiel sind die Tempogegenstöße, die vor allem vom wieselflinken Daniel Bley gelaufen werden. Das setzt logischerweise präzise Abwürfe der Torhüter voraus. In diesem Zusammenhang hebt Claus Well die Arbeit der ehemaligen Bundesligatorhüterin Susanne Mauracher hervor, die u. a. als Torwarttrainerin bei den TSF tätig ist und hier wertvolle Dienste leistet.

Die »mannschaftliche Geschlossenheit« beinhaltet, dass Spieler beim Meisterporträt nur exemplarisch hervorgehoben werden. So spielt Abbas Kaplan als Rechtshänder auf Rechtsaußen; seine Tore von dieser Position sind besonders spektakulär. Marlon Los Santos Treffer aus dem Rückraum sind ebenso wichtig wie die Arbeit von Daniel Schmidt, der (zumeist) als der vorgezogene Mann in der 5:1-Deckung konsequent die gegnerischen Angriffe stört. Und wenn es einmal nicht läuft, dann übernehmen Spieler wie Max Kruse oder Dominik Koch Verantwortung. Mit Dennis Weber, Sascha Hofmann, Henry Rinn und Björn Hofmann stehen außerdem Akteure in der Mannschaft, die jederzeit explodieren können. Nicht zu vergessen David Kröck, der als Kreisspieler und in der Deckung wertvolle Arbeit verrichtet. Aber auch andere (z. B. Niko Hoffmann) haben ihren Beitrag zur Meisterschaft geleistet. Nicht unerwähnt bleiben darf Christian Weidner, der als Spieler der TSF-«Zweiten« in die Saison gegangen war, dann aber mehrfach in der »Ersten« zum Einsatz kam und sich in die Mannschaft nahtlos einfügte. Ein Beleg: drei Tore im Spiel am Sonntag.

Last but not least die beiden Torhüter Sascha Winter und Erik Schlesinger, von denen eine stoische Ruhe auszugehen scheint. Es gibt Tage, da bringen sie die gegnerischen Schützen regelrecht zur Verzweiflung. In den beiden Entscheidungsspielen war es jedenfalls so. Um dieses Torhütergespann sind die Heuchelheimer jedenfalls zu beneiden.

Noch eine Anmerkung zu den Zuschauern: In Heuchelheim waren es in den »normalen« Punktspielen mehr als 100. Aber in den beiden Heimspielen gegen Friedberg kamen zusammen mehr als 1000 Besucher. Und die Heuchelheimer Anhänger haben ihre Mannschaft prächtig unterstützt, sehr zur Freude des Trainer-/Betreuerteams um Claus Well und Jürgen Winter sowie der Spieler.

Am Sonntag hieß es aber auch Abschied nehmen. So zum Beispiel von Marlon Los Santos, der im letzten Spiel für die TSF neun Treffer erzielte und damit einen wichtigen Anteil am 28:22-Erfolg über Friedberg hatte. Der Rückraumschütze ist aber nicht zum letzten Mal in der Heuchelheimer Sporthalle aufgelaufen. Er schließt sich der SG Lollar/Ruttershausen, von der er zu den TSF gewechselt war und die in der Liga ihre sportliche Heimat hat, in die die Heuchelheimer nun aufgestiegen sind. Aufhören wird auch Abbas Kaplan, der aber der Mannschaft erhalten bleibt und als »Co« TSF-Trainer Claus Well bei dessen Arbeit in der kommenden Saison unterstützen wird. Aus der zweiten Mannschaft aufrücken werden Christian Weidner und Linkshänder Jonas Lichert.

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