23. August 2018, 22:22 Uhr

Titel-Hattrick

23. August 2018, 22:22 Uhr
Die Spieler der Rhein-Neckar Löwen feiern ihren Sieg im Supercup. (Foto: dpa)

Im ersten Konfettiregen der neuen Saison schöpfte Andy Schmid neuen Mut für den anstehenden Titelkampf. Begleitet vom Jubel seiner im Hintergrund hüpfenden Teamkollegen nahm der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen mit breitem Lächeln den Handball-Supercup entgegen. »Es ist schön, so zu starten. Das war ein echter Fingerzeig«, kommentierte der überragende Schweizer Spielmacher das am Ende deutliche 33:26 (18:16) des Pokalsiegers über Meister SG Flensburg/Handewitt.

Vor dem Start der Löwen in die 53. Bundesligaspielzeit mit der Partie gegen den TBV Lemgo an diesem Sonntag untermauerten die Mannheimer vor gut 8000 Zuschauern in Düsseldorf ihren Anspruch auf den Meistertitel. Vor allem die zweite Hälfte stellte alle Beteiligten zufrieden. Nationalspieler Patrick Groetzki machte aus seinem Stolz über den Titel-Hattrick beim seit 1994 ausgetragenen Wettbewerb keinen Hehl: »Wir sind die erste Mannschaft, die den Supercup drei Mal hintereinander gewonnen hat. Das muss man erst einmal schaffen.« Mit festem Blick fügte der Außen an: »Dass wir ganz vorne ein Wort mitsprechen wollen, ist klar.«

Das Trauma der vergangenen Saison, als dem lange Zeit führenden Team auf der Zielgeraden die Luft ausging und der Nord-Rivale noch vorbeizog, scheint überwunden. Groß ist die Zuversicht von Oliver Roggisch, dass die Abgänge durch Zugänge wie Jannik Kohlbacher (Wetzlar) und Steffen Fäth (Berlin) adäquat ersetzt wurden. »Wir bringen eine gewisse Erfahrung mit. Die erste Sieben im Angriff ist soweit – bis auf die Neuzugänge Fäth und Kohlbacher - zusammengeblieben«, sagt der Sportliche Leiter. Dass die Löwen laut »Mannheimer Morgen« zudem kurz davor stehen, den Vertrag mit dem 34 Jahre alten Leitwolf Schmid bis 2021 oder 2022 zu verlängern, kann als weiteres Indiz für den Erhalt gewachsener Strukturen gewertet werden.

Diese Voraussetzungen sind ein Grund dafür, warum die Löwen von den meisten Bundesligatrainern neben dem THW Kiel als Topfavorit gehandelt werden. Zum Leidwesen von Coach Nikolaj Jacobsen: »Auch wenn jetzt jeder sagt, wir sind mit dem THW Kiel die großen Favoriten. Man sieht, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir sind auf einem guten Weg. Aber es wird noch dauern, auch wenn alle anderen das nicht glauben.«

Es gehört zu den Besonderheiten der neuen Saison, dass der amtierende Meister aus Flensburg von den meisten Experten nicht zum Kreis der Titelaspiranten gezählt wird. Dafür erscheint der Aderlass an Leistungsträgern zu groß. Viel wird davon abhängen, wie schnell es Coach Maik Machulla gelingt, die sechs Neuzugänge zu integrieren. Das eindeutige Meister-Votum seiner Trainer-Kollegen, von denen sich nicht einer auf die Flensburger festlegte, veranlasste ihn zu einem belächelten Kommentar: »Das spricht für die Trainerkompetenz, die wir in der Bundesliga haben.«

Routinier Holger Glandorf, Weltmeister von 2007, kann mit solchen Prognosen ohnehin wenig anfangen. Sein Statement klang wie eine Kampfansage an die höher gehandelten Teams: »Es stört uns nicht, wenn andere die Favoritenrolle übernehmen. Auch letztes Jahr kamen wir aus dem Hintergrund.«

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