08. April 2018, 22:42 Uhr

»Pott« bleibt in der RSV-Vitrine

Titel Nummer eins der Saison geht an den RSV Lahn-Dill. Die Rollis holen sich den DRS-Pokal – und das nach einem Halbfinalthriller gegen die Thuringia Bulls und dem deutlichen 74:35 im Finale gegen den überraschenden Endspielteilnehmer Hannover United. Dementsprechend ausgelassen war am Wochenende die Stimmung in der Wetzlarer August-Bebel-Halle.
08. April 2018, 22:42 Uhr
So sehen Sieger aus: Der RSV Lahn-Dill freut sich über den Gewinn des deutschen Pokals im Rollstuhlbasketball. (Foto: ras)

Angespannte Gesichter am Samstagabend, entspannte indes am späten Sonntagnachmittag. Während das 2. Halbfinalspiel zwischen Final-Four-Gastgeber RSV Lahn-Dill und dem RBBL-Tabellenführer Thuringia Bulls um den deutschen Pokal der Rollstuhlbasketballer einem nervenkitzelnden Duell auf Augenhöhe glich und letztlich erst in der Verlängerung mit 70:69 für die Mittelhessen ausging, war das Finale am Sonntag eine einseitige Sache. Das RSV-Team von Cheftrainer Ralf Neumann zerlegte den Bundesliga-Konkurrenten Hannover United in alle Einzelteile und sicherte sich mit dem 74:35 den »Pott«.

Der wanderte gleich wieder in die überdimensionale Vitrine des RSV Lahn-Dill, aus der er geholt wurde. Es war der 14. Pokalgewinn der Vereinsgeschichte – weitere Titel sollen folgen. Denn die Festspiele gegen die Bulls gehen weiter. Nächsten Samstag steht in der Playoff-Finalserie um die deutsche Meisterschaft im Best-of-three-Modus Spiel eins in Wetzlar an, ehe es eine Woche später nach Thüringen geht. Und am 4. Mai in Hamburg kreuzen die beiden Konkurrenten erneut die Klingen – im Halbfinale um die Krone in der Champions League.

Finale / RSV Lahn-Dill - Hannover United 74:35 (21:10, 41:24, 62:28): Die Niedersachsen mit Ex-RSV-Akteur Joe Bestwick, die am Samstag überraschend Favorit Dolphins Trier schlugen, hatten nie eine Chance. Der RSV, angeführt von Michael Paye und seinen kongenialen Partnern Hiroaki Kozai, Brian Bell, Annabel Breuer und Thomas Böhme, fuhr einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein. Bei der Pokalübergabe gab es dann kein Halten mehr für das Team mit der Crew und Management: Sie alle waren einfach nur glücklich, da der Pokalgewinn alles andere als ein Selbstläufer war.

Halbfinale / RSV Lahn-Dill - Thuringia Bulls 70:69 n. V. (16:18/32:35/41:49/64:64): Wenn die beiden Topmannschaften aus Deutschland aufeinandertreffen, steht bester Rollstuhlbasketball ins Haus. Eigentlich das vorweggenommene Endspiel, aber die Losfee hatte es anders entschieden. Beide Teams agierten mit taktischen Finessen. Die Bulls forcierten das Anspiel über Big-Man Vahid Gholamazad. Wohlwissend, dass dem Lokalmatador dort ein paar Zentimeter fehlten. So kam das Team von Coach Michael Engel zu leichten Punkten. Der RSV versuchte zwar, seine Pace aufs Feld zu bringen, wurde dort aber auch mit Fouls und einer hart an der Grenze geführten Defense gestoppt.

Der erneut überragend Regie führende Michael Paye ließ sich aber damit nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder fand er mit klugem Passspiel die Lücken, die zu freien Würfen genommen wurden (Hiroaki Kozai), wobei er zum 16:18-Viertelrückstand ebenfalls vier Punkte beisteuerte.

Die erste Führung für den RSV erzielte Thomas Böhme in den zweiten zehn Minuten zum 22:21 – danach wechselte sie bis zum 32:35 hin und her. Besonders auffällig beim hochkarätig besetzten Gegner war Jacob Michael Williams, der bis zu diesem Zeitpunkt 18 Punkte auflegte. Gesche Schünemann, die ehemalige RSV-Spielerin, sagte in der Halbzeit: »Jacob ist ein unglaublicher Spieler, mit dem ich in Hamburg zusammengespielt habe.« Und der Amerikaner machte nach der Pause dort weiter, wo er aufgehört hatte: Die Bulls legten für Viertel Nummer vier einen Acht-Punkte-Rückstand vor (41:49).

In der Crunch-Time übernahm Böhme Verantwortung: Seine beiden Dreier entfachten das Feuer auf den Rängen, hoben das eigene Team auf ein höheres Niveau und starteten die furiose Aufholjagd. Dass der bekennende 1.-FC-Nürnberg-Fan dann seinen RSV knapp drei Minuten vor dem Ende mit einem Dreipunktspiel zum 58:57 warf, war bezeichnend für die starke Leistung des Nationalspielers. »Wir lagen hinten, da musste einfach etwas kommen. Und die getroffenen Dreier haben dem Team einen Extraschub gegeben«, erklärt Böhme. Von da an entwickelte sich eine Nervenschlacht. Und Paye hatte mit dem finalen Wurf den frühzeitigen Sieg in der Hand, doch der Ball verfehlte sein Ziel, sodass in der Verlängerung fünf Minuten draufgepackt wurden.

Ab nun war klar, dass Nuancen über Sieg und Niederlage entscheiden würden. RSV-Cheftrainer Ralf Neumann hatte seine Protagonisten exzellent auf diesen Moment vorbereitet. Die Plays, die gefahren wurden, endeten meist in Eins-gegen-Null-Korblegern. Das Dumme war nur, dass Brian Bell davon zwei verlegte. Gut, dass derJapaner Kozai Nerven bewahrte und 23,8 Sekunden vor dem Ende der Extrazeit die 70:69-Führung erzielte. Da Bulls-Spielmacher Matt Scott den finalen Wurf vorbeisemmelte, stand der RSV im Finale. Ein sichtlich erleichterter Coach Neumann bilanzierte: »Eine tolle Leistung meiner Mannschaft. Sie hat ihren wahren Charakter gezeigt. Ich bin einfach nur stolz.« Und das konnte er auch sein.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • Deutsche Meisterschaften
  • Kunst- und Kulturfestivals
  • Management
  • RSV Lahn-Dill
  • Rollstuhlbasketball
  • Vereinsgeschichte
  • Wolfgang Gärtner
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.