26. Mai 2018, 07:50 Uhr

Abschied

One Moment in Time

Abschiedstränen und Gänsehautstimmung. Der Heimabschluss 2017/18 der HSG Wetzlar bot trotz der 23:24-Niederlage gegen den TBV Lemgo im Anschluss hochemotionale Momente.
26. Mai 2018, 07:50 Uhr
Schön war die Zeit! Die Fanclub-Mitglieder und Betreuer Stefan Rühl sagen »Danke und Auf Wiedersehen« an die verabschiedeten HSG-Cracks (hinten, v. l.): Helfer des HSG-Fanclubs, Philipp Pöter, Benjamin Buric, Evars Klesniks, Nikolai Weber, Jannik Kohlbacher, Helfer des HSG Fanclubs; vorn (v. l.): Betreuer Stefan Rühl, Miroslav Volentics, Kasper Kvist. (Foto: Vogler)

HSG Wetzlar


Weshalb 4220 Zuschauer im Schnitt und damit eine Auslastung von 96 Prozent in dieser Saison die Bundesliga-Heimspiele der HSG Wetzlar verfolgt haben, dokumentierte einmal mehr die ebenso professionelle wie emotionale und empathische Verabschiedung der zum Saisonende hin ausscheidenden Bundesliga-Profis.

Nikolai Weber, begleitet von Whitney Houstons »One Moment in Time«, wie schon traditionell jeder Akteur mit einem speziellen Song, bekräftigte: »Wetzlar ist meine Heimat und die HSG meine Familie«, auch wenn er die nächsten beiden Spielzeiten noch einmal das Torhüter-Trikot des Erzrivalen TV 05/07 Hüttenberg überstreift. Die Fans umarmten und herzten ihn dennoch.

Jannik Kohlbacher erinnerte zu Unheilig noch einmal an den großartigen EM-Empfang 2016 im Forum: »Der wird für mich immer in Erinnerung bleiben.« Bei den Rhein-Neckar Löwen möchte der Kreisläufer, der für Trainer Kai Wandschneider in drei Spielzeiten einer der Ankerspieler war, den nächsten Karriereschritt machen.

Als unter »Simply the Best« Benjamin Buric zur Dankesrede ansetzte, gab es Dauerapplaus. »Mein erstes Spiel hier kommt mir wie gestern vor. Das waren die besten zwei Jahre meiner Karriere«, gab der zur SG Flensburg/Handewitt wechselnde Torwartteufel den Dank zurück.

Herzergreifend der Abschied von Publikumsliebling Evars Klesniks zu »Time to say good bye«. Der Lette nimmt endgültig Abstand vom Profihandball, nachdem er 2013 eigentlich schon als Invalide galt. »Danke Kai, dass du mich wieder fit gemacht hast.«

Für Philipp Pöter, der kommende Saison bei den Rhein Vikings in der 2. Liga spielt, waren es »zwei extrem spezielle Jahre mit gesundheitlichen Rückschlägen«, weshalb sich der Mittelmann ganz besonders bedankte. »Ich hatte immer Rückendeckung vom Verein und Zuspruch von den Fans. Das erlebt man nicht oft im Sport.« Auch seine Rede war von Unheilig untermalt.

Kasper Kvist, der Flügelflitzer, war eigentlich nur für neun Monate gekommen; »daraus sind zwei tolle Jahre geworden«. Die nächsten drei Spielzeiten ist er wieder in seiner dänischen Heimat aktiv.

Der Abschied von jedem einzelnen Spieler fiel Betreuer Stefan Rühl besonders schwer, der über 365 Tage im Jahr die gute Seele der Mannschaft ist und sich seiner Tränen nicht zu schämen brauchte. Er kennt die Spieler als Profis und als Menschen und hat mit vielen von ihnen Freundschaft geschlossen.

Tempo fehlt

Bei all den an solchen Abenden erwartungsgemäß durcheinandergeratenen Gefühlswelten gab es 60 Minuten zuvor auf dem Parkett aber auch Wetzlarer Handball-Wahrheiten. Die HSG war am Ende einer langen Saison ausgelaugt, ihr fehlten sowohl Inspiration, Tempo und Leichtigkeit als auch Passgenauigkeit und -härte. Für den überragenden, neunmal erfolgreichen Lemgoer Spielmacher Tim Suton war der »Kampf der Abwehrreihen zu erwarten gewesen. Es war klar, wer mehr Tore über das Tempospiel macht, gewinnt. Das waren heute wir.«

45 Minuten lang mit einem man weniger zwischen den Pfosten, einem weiter auf Selbstfindungsirrfahrt befindenden Linkshänder Joao Ferraz als erster Assistgeber für den Gegner sowie die wie beim DHB-Pokal in Hamburg vermissten Ankerspieler Jannik Kohlbacher (verletzt) und Kristian Björnsen (Wandschneider: »Er ist total überspielt und fertig«) ließen bis zum 8:14 in der 34. Minute ein grün-weißes Debakel befürchten. Als Olle Forsell Schefvert dann endlich in die Tiefe ging und Stefan Kneer auch, »fangen wir an Handball zu spielen«, resümierte Kai Wandschneider, » dann öffnen sich die Räume. Wir haben dann gut eins gegen eins gespielt.«

Ein halbes Dutzend Buric-Paraden in der Schlussviertelstunde mit zwei gehaltenen Siebenmetern gegen TBV-Außen Patrick Zieker (44., 57.) ließen die HSG Wetzlar sogar noch einmal am Punktgewinn schnuppern (21:22, 57.). Bei aller Kritik an den Schiedsrichtern hätte dieser aber den gezeigten Leistungen nicht entsprochen, zumal die Ostwestfalen den kurzfristigen Ausfall von Regisseur Andrej Korgut super kompensierten.

Bei der HSG Wetzlar bedeutet der Abschied am Donnerstag zugleich eine Neuanfang. Zum Trainingsstart am 11. Juli wird aus Benjamin Buric Tibor Ivanisevic, aus Jannik Kohlbacher Nils Torbrügge, aus Kasper Kvist Emil Öfors, aus Philipp Pöter Lenny Rubin und aus Miroslav Volentics Lars Weissgerber – der Selbstfindung nächster Akt!

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