16. März 2018, 22:05 Uhr

Oli, der Wischer

Oli, der Wischer: Kultfigur und Liebling der Gießen 46ers

Wenn Schweiß auf dem Parkett der Osthalle liegt, kommt »Oli« und wischt ihn weg. Seit 28 Jahren macht das der 42-Jährige, wenn die Basketballer der Gießen 46ers ihre Heimspiele austragen. Ein Porträt.
16. März 2018, 22:05 Uhr
Im Einsatz: »Oli« Herbert, der seit 28 Jahren bei den Gießen 46ers den Schweiß auf dem Boden wegwischt. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Am Mittwoch war für Oliver Herbert ein besonderer Tag – sein 42. Geburtstag. Und die Tage, an denen die Gießen 46ers oder neuerdings auch die Gießen 46ers Rackelos ihre Basketball-Spiele austragen, sind für ihn ebenfalls immer etwas Außergewöhnliches. Seit 28 Jahren, mit einer kleinen Auszeit in der Saison 2005/2006, agiert Herbert, den die meisten nur als »Oli« kennen, als Wischer in der Sporthalle Ost.

Die Basketballer sind für mich eine zweite Familie geworden

»Oli« Herbert

»Ich mache das ehrenamtlich«, erklärt er mit einem Leuchten in den Augen. Sein Platz ist hinter der Gästebank. Von dort aus verfolgt er das Geschehen und kommt unter Beifall auf das Feld, wenn er über den Hallensprecher aufgerufen und gebraucht wird. Mittlerweile hat »Oli« seine eigenen Fans. »Manchmal bekomme ich mehr Applaus als die Mannschaft, die dann aber meistens schlecht gespielt hat«, freut er sich natürlich über die Anerkennung.

 

Tolles Verhältnis zur 46ers-Familie

Bei der offiziellen Teamvorstellung vor den Heim-Partien steht er ebenfalls in vorderster Reihe mit Cheftrainer Ingo Freyer, »Co« Steven Wriedt, Physio Lukas Lai, Teamarzt Dr. Wolfgang Leutheuser sowie Betreuer Sören Beck und wird von jedem einzelnen Spieler abgeklatscht. Überhaupt sah der gebürtige Gießener viele Stars und Funktionäre in der Osthalle kommen und gehen. Noch heute gibt es einen Smalltalk oder einen festen Händedruck mit Alba-«Macher« Marco Baldi, Münchens Sportdirektor Marko Pesic oder dem Würzburger Ex-Spieler und jetzigem Trainer Demond Greene, wenn sie sich in der Halle sehen. Regelmäßigen Austausch hat er mit den Rackelo-Trainern Rolf Scholz und Lutz Mandler sowie mit Sebastian Szymanski, »die kenne ich ja auch noch aus ihren Zeiten, als sie hier gespielt haben«. Über die Jahre hinweg hat man sich eben kennen- und schätzengelernt.

»Die Basketballer sind für mich eine zweite Familie geworden«, erzählt er von einem tollen Verhältnis zum Team, Trainerstab, Geschäftsführung um Heiko Schelberg und der kompletten Crew. Und sie standen ihm alle bei, als ihm im vergangenen Jahr auch noch seine Mutter entschlief. »Aber ich habe nur drei Spiele ausgesetzt, dann war ich wieder da«, erzählt Herbert, der noch eine Halbschwester hat.

 

Eine Saison musste er pausieren

Als 14-Jähriger besuchte er das Heimspiel des MTV 1846 Gießen gegen den TuS Bramsche. Der damalige Manager Jens Röder sprach ihn damals an, ob er sich den Job als Wischer vorstellen könnte. Das war zu Zeiten von Thomas Andres, Jan Villwock und Trainer Hans Brauer. Dass daraus 28 Jahre wurden, konnte sich wirklich keiner vorstellen. Eine Saison lang musste »Oli« mit dem Schrubben der Schweißflächen pausieren. »Das war in der Saison 2005/2006. Da wollten sie mal was anderes ausprobieren und postierten zwei Mädchen jeweils an den Stirnseiten-Ecken«, erinnert er sich daran. Doch nach nur einer Saison trat »Oli« wieder seine Arbeit an. In der Zeit ohne das Wischen fungierte er als Scouting-Verteiler.

Dass er nicht ganz ungefährlich sitzt, wurde ihm klar, als er im letzten Jahr unabsichtlich fast eine Wasserflasche gegen den Kopf geknallt bekam. Der mittlerweile geschasste Tübinger Trainer Tyron McCoy, der bekanntlich auch in Gießen als Spieler aktiv war, warf verärgert eine Flasche nach hinten, die »Oli« haarscharf verfehlte.

 

Die Fans lassen ihn nicht los

Zwar hat Oliver Herbert schon manchmal mit dem Gedanken gespielt, den Wischer in die Ecke zu stellen und aufzuhören. »Aber die Fans lassen mich nicht los«, kann er sich für diesen Schritt noch überhaupt nicht begeistern. Mit der Geschäftsführung hat er schon gesprochen, dass er in der nächsten Saison weitermacht. Bei den Gießen 46ers und Rackelos. Und am Samstagabend in der für das Erreichen der Playoffs so wichtigen Begegnung gegen die Riesen aus Ludwigsburg sitzt »Oli« wieder an seinem Platz und wartet auf das Zeichen zum Wischen.

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