05. Mai 2018, 10:00 Uhr

FinalFour

Nichts ist unmöglich für die HSG Wetzlar

Unser Teamvergleich zeigt, welche Chancen die HSG Wetzlar haben, nach 1997 und 2001 zum dritten Mal in das Endspiel um den nationalen Pokal (Sonntag, 15 Uhr) einzuziehen. Es ist das Spiel der Spiele für die HSG Wetzlar. Das Pokal-Halbfinale heute in Hamburg gegen die TSV Hannover-Burgdorf (18 Uhr/live auf Sky) setzt der positiven Entwicklung des Handball-Bundesligisten der letzten sechs Jahre die Krone auf. Vielleicht geht ja noch mehr.
05. Mai 2018, 10:00 Uhr
Auch auf Wetzlars Regisseur Filip Mirkulovski wird es beim FinalFour in Hamburg ankommen. (Foto: Vogler)

HSG Wetzlar


Heute (18 Uhr, live auf Sky) tritt die HSG Wetzlar im Halbfinale des deutschen Pokals gegen Hannover-Burgdorf an. Das zweite Halbfinale bestreiten Meister RN Löwen und der SC Magdeburg:

Tor: Das wird ein spektakuläres Duell. Benjamin Buric auf Wetzlarer Seite, der emotionale Keeper; Martin Ziemer zwischen den Pfosten der Niedersachsen, der Mann mit den besonderen Reflexen. An guten Tagen lassen sowohl der Bosnier im HSG-Dress als auch der 35-jährige »Recke« die gegnerischen Werfer verzweifeln. Im Ranking der Torhüter-Paraden rangiert Buric als Zweiter hinter Matthias Andersson aber weit vor Ziemer (10.). Läuft es bei beiden nicht, werden sich Niko Weber auf Wetzlarer und Malte Semisch auf Burgdorfer Seite beweisen müssen.

1:0 für Wetzlar .

A bwehr: Wer nach dem Langzeit-Ausfall von Evars Klesniks prophezeit hätte, die HSG Wetzlar kommt unter die Top 5 der Bundesliga-Abwehrreihen, noch vor dem SC Magdeburg und der TSV Hannover-Burgdorf, den hätte man auf seinen Handball-Verstand hin überprüft. Was das Schweden-Duo Anton Lindskog/Olle Forsell-Schefvert, ergänzt abwechselnd durch Stefan Kneer, in der 6:0-Formation mittlerweile zu leisten vermag, nötig allen Respekt ab. An deren Flanken arbeiten sich Joao Ferraz und Jannik Kohlbacher/Philipp Pöter ebenfalls ordentlich ab, sodass man getrost sagen kann, das Wetzlarer Spiel definiert sich zu einem Großteil über die Deckung.

Derweil ist bei Hannover-Burgdorf eindeutig der Ex-Wetzlarer Sven-Sören Christophersen die zentrale Figur in der Defensive, er vollzieht Abwehr/Angriff den Spezialistenwechsel mit TSV-Regisseur Morten Olsen. Christophersen zur Seite steht der vom THW Kiel gekommene 110 kg schwere Kroate Ilja Brozovic, der sich ganz speziell um Jannik Kohlbacher kümmern wird. Flankiert wird das zentrale Duo von Mait Patrail, der viel athletischer geworden ist, sowie von Kai Häfner, dem seine schnellen Beine zugutekommen. 2:1 für Wetzlar.

F lügel: Kristian Björnsen ist bei den Grün-Weißen auf Rechtsaußen gesetzt, auf dem linken Flügel wechseln sich Maximilian Holst/Kasper Kvist qualitätsmäßig auf Augenhöhe ab. Björnsen hat als spieltaktisch versierter Akteur Stärken sowohl im Gegenstoß als auch im Positionsangriff im gebundenen Spiel, Holst hat zu seiner Siebenmeter-Sicherheit zurückgefunden, für Kvist spricht die enorme Dynamik.

Die Niedersachsen verfügen in Casper Mortensen über einen ebenso sicheren Strafwurfschützen wie Wetzlar, der zudem aber auch über Linksaußen und die Gegenstöße hocheffizient ist und nicht von ungefähr die Bundesliga-Torschützenliste mit 198/84 Treffern anführt. Auf links eine echte Waffe. Auf dem rechten Flügel hat in den letzten Monaten Timo Kastening einem Torge Johanssen – wie schon in Wetzlar – den Rang abgelaufen. 3:2 für Wetzlar

R ückraum: Da muss man nicht lange überlegen. Bei der HSG Wetzlar kommt Alexander Hermann aus der dreimonatigen Verletzungspause. Stefan Cavor und Joao Ferraz sind als Linkshänder unersetzlich, kämpfen aber immer mal wieder mit Aussetzern. Auf der Mitte haben Filip Mirkulovski und Philipp Pöter in der Spielsteuerung enorm zugelegt, sind konzeptionell hundert Prozent auf der Höhe und glänzen mit ihren Kreisanspielen und Durchbrüchen. Auf Halblinks findet Backup Stefan Kneer jedoch nur selten zu sich selbst, dafür hat Olle Forsell-Schefvert eine unglaubliche Entwicklung hingelegt und verfügt über ein ausgeprägtes Gefühl für das Spiel.

Beim erstmaligen Endrunden-Teilnehmer ziehen allerdings Olympiasieger Morten Olsen sowie der russische Star Pawel Atman auf der Mitte mit hoher Individualität die Fäden, beide wechseln gekonnt immer wieder die Positionen, sind beide torgefährlich und geben überragende Pässe auf die Außen und an den Kreis. Was bei der ausgezeichneten Besetzung der Halbpositionen kaum nötig wäre, denn Fabian Böhm und Mait Patrail auf Halblinks sowie Kai Häfner auf Halbrechts sind echte Torgaranten. Böhm stand ebenso wie Häfner schon einmal auf dem Wetzlarer Zettel. Allerdings reibt sich Häfner oftmals auf, wenn er Abwehr/Angriff keine Pausen bekommt, derweil Böhm durchaus seine Quote noch verbessern könnte. Gefährlich wird es, wenn beide das richtige Timing zum Kreuzen finden. 3:3 Unentschieden

K reis: Hält der Ellenbogen von Jannik Kohlbacher zumindest für diese noch eine Partie, ist das ein wesentlicher Teil der Wetzlarer Lebensversicherung. Da sich sein Backup Anton Lindskog mittlerweile ebenfalls bestens in das HSG-Angriffsspiel integriert hat, selbst abschließen und für seine Mitspieler sperren kann, ergibt sich gegenüber der Ortega-Truppe ein hochspannender Vergleich mit dem wuchtigen Kroaten Ilja Brozovic und dem beweglicher gewordenen Evgeni Pevnov. Taktisch operieren beide zuweilen gemeinsam am Kreis und versuchen für den eigenen Aufbau die Türen zu öffnen. In der Kleingruppe imponiert aber das Wetzlar Zusammenspiel Rückraum/Kreis etwas mehr. 4:3 für Wetzlar

T rainer: Da trifft große Handball-Kompetenz aufeinander. Wetzlars Kai Wandschneider ist selten um eine Idee verlegen und hat in der Nach-Balic-Ära seinem Team das Kleingruppen-Gen verpasst. Auf der rechten Seite sind Joao Ferraz/Kristian Björnsen an guten Tagen spieltechnisch brillant, im Zentrum profitiert Kohlbacher-Backup Lindskog immer stärker von den auf den Nationalmannschaftskreisläufer abgestimmten Abläufen.

Der neue TSV-Trainer Carlos Ortega und sein Co Iker Romero haben den Niedersachsen eine spanische Handschrift verpasst. Die 6:0-Deckung arbeitet viel körperlicher, gegebenenfalls geht es hart an die Grenze und darüber hinaus. Beim 26:29 im Punktspiel in Wetzlar wurden z. B. die meisten HSG-Einläufer von den Außen gezielt mit einem Foulspiel unterbunden. Im Angriff haben der Lette Mait Patrail auf Halblinks sowie Evgenyi Pevnov am Kreis ein paar Kilo verloren, dafür aber an Klasse zurückgewonnen. An der Seitenlinie tut sich jedenfalls permanent etwas, auf dem Parkett vorgegeben oder intuitiv auch. 5:4 für Wetzlar.

F azit: Wenn der Teamspirit eine Rolle spielt, besitzt Wetzlar leichte Vorteile. Kommt es in den 60 Minuten auf die größere Individualität an, muss man Hannover-Burgdorf in der etwas besseren Position sehen. Redaktionstipp: 29:28 für Wetzlar

Schlagworte in diesem Artikel

  • Backups
  • Entwicklung
  • HSG D/M Wetzlar
  • HSG Wetzlar
  • Handball
  • Kai Wandschneider
  • Morten Olsen
  • SC Magdeburg
  • Sven-Sören Christophersen
  • THW Kiel
  • Technisches Hilfswerk
  • Oliver Vogler
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.