01. März 2017, 07:00 Uhr

Neues Athletik-Projekt

Mittelhessen wollen mit »Team Tokyo 2020« zu Olympia

Ständige Verletzungen als Grund dafür, dass Sportler trotz Talent, Motivation und Ehrgeiz ihr Potenzial nicht ausschöpfen können? Dagegen will das »Team Tokyo 2020« etwas tun.
01. März 2017, 07:00 Uhr
Will wieder zu den Olympischen Spielen: die mittelhessische Sprinterin Lisa Mayer. (Archivfoto: dpa) (Foto: Michael Kappeler (dpa))

Sie sind jung, hoch motiviert und vielversprechend, doch immer wieder wurden einige von Verletzungen auf ihrem Weg zurückgeworfen. Jetzt haben sie sich im »Team Tokyo 2020« zusammengeschlossen. »Die Gruppe besteht aus elf Athleten aus elf Vereinen und neun Sportarten«, sagt Dirk Lösel stolz, der erklärt: »Wir wollten es bewusst relativ breit aufstellen und uns nicht auf eine Sportart spezialisieren.« Für die Vorstellung des Teams hat der Physiotherapeut eigens in seine Launsbacher Praxis eingeladen. Rund 50 Gäste sind gekommen in den vor wenigen Jahren neu gestaltete Arbeitsraum mit der herrlichen Aussicht über das Wettenberger Tal; darunter etliche junge Sportler, deren Gesichter der eine oder andere bereits aus der Zeitung kennt, sowie Lokalprominenz aus Politik und Sport, wie etwa Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Kreisfußballwart Henry Mohr oder Rollstuhlbasketball-Nationaltrainer Nicolai Zeltinger, die sich nun zwischen Blackrolls, Turnkästen und Kraftgeräten einen Platz suchen.

Rund 50 Gäste lassen sich in den Räumen der Physiotherapiepraxis das Konzept der Gruppe »Team Tokyo 2020« erläutern. (Fotos: Friedrich)
Rund 50 Gäste lassen sich in den Räumen der Physiotherapiepraxis das Konzept der Gruppe »T...

Lösel erläutert die Hintergründe für die Idee, eine solche Sportlergruppe ins Leben zu rufen: »Früher kamen die Sportler erst zu mir, wenn sie schon verletzt waren, und mein Job war es, sie zu behandeln. Da haben wir uns gesagt: Wie kann man denn vorbeugend behandeln, sodass sie sich gar nicht erst verletzen?« Basierend auf dieser Idee gründete der Physio zunächst das jährlich angebotene Athletik-Camp, bei dem junge Sportler auf etwaige Schwächen und Fehlstellungen gescreent werden, und wo sie Übungen an die Hand bekommen, um an diesen Schwächen zu arbeiten und Verletzungen so zu vermeiden. Es folgte der Athletik-Day, bei dem die Inhalte an Trainer und Physiotherapeuten weitergegeben werden, damit diese das Gelernte eigenständig in ihren Vereinen und Gruppen umsetzen können.

»Aber ein Tag reicht natürlich nicht aus«, erläutert Lösel den nächsten – logischen – Schritt: Inspiriert von den Olympischen und Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro gründete er das »Team Tokyo 2020«, das er gemeinsam mit seiner Kollegin Sabrina Möller, einst Basketball-Bundesligaspielerin, betreut. Das Ziel ist, Sportler zu den bevorstehenden Spielen in Japan zu bringen oder sie zumindest so weit zu entwickeln, dass sie davon träumen können.
 

  • Das "Team Tokyo 2020"
  • Lena Preuß (Sommerbiathlon/SV Laubach)
  • Nico Dreimüller (Rollstuhlbasketball/RSV Lahn-Dill)
  • Lisa Mayer (Leichtathletik/Sprintteam Wetzlar)
  • David Siebert  (Fußball/Eint. Frankfurt)
  • Niklas Theiß  (Handball/Hüttenberg)
  • Lea Grohmann  (Tischtennis/TTC Staffel)
  • Charlotte Kohl (Basketball/Grünberg)
  • Vincent Größer (Triathlon-Team Gießen)
  • Gordon Porsch (Leichtathletik/LG Friedberg-Fauerbach)
  • Marian Gerth  (Schwimmen/Wetzlar)
  • Klara Engel (Handball/Wettenberg)


 
Fotostrecke: "Team Tokyo 2020"

Nach langer Akquise hatte er genug Unterstützer und Paten beisammen, sodass die Finanzierung des Projekts bis 2020 stand – nun konnten die Athleten in das Projekt aufgenommen werden.

 

Potenzial und Leidenschaft

 

Die elf Auserwählten sind zwischen zwölf und 21 Jahre alt und haben zwei Dinge gemeinsam: Das Potenzial auf der einen Seite, auf der anderen aber auch die Leidenschaft und die Ambition, dieses voll ausschöpfen zu wollen. »Das ist das Schöne: Wenn du Sportler hast, die hoch gehängte Ziele haben, musst du nicht hinterher sein. Sie freuen sich auf die Termine«, sagt Lösel. Individuell werden mit den Athleten nun wöchentlich Termine abgesprochen, an denen sie in kleinen Gruppen oder sogar alleine die verletzungsvorbeugenden Übungen mit Dirk Lösel und Sabrina Möller machen.

Zehn der elf teilnehmenden Sportler mit den Gruppenleitern Dirk Lösel (hinten l.) und Sabrina Möller (vorne l.). (Foto: Friedrich)
Zehn der elf teilnehmenden Sportler mit den Gruppenleitern Dirk Lösel (hinten l.) und Sabr...

»Ich kannte das Gefühl schon gar nicht mehr, schmerzfrei zu sein – jetzt bin ich es«, sagt Stabhochspringer Gordon Porsch bei der Vorstellung der teilnehmenden Sportler. »Ich erwarte, dass ich belastbarer werde«, nennt Rollstuhlbasketball-Nationalspieler Nico Dreimüller seine Hoffnungen in das Projekt, während Tischtennisspielerin Lea Grohmann auch die Ernährungstipps lobt. »Ich finde es schön, auch mit Leuten aus anderen Sportarten zusammen zu trainieren«, sagt Sprinterin Lisa Mayer. Die 20-Jährige weiß schließlich aus eigener Erfahrung, was mit einem solchen Projekt erreichbar ist: Vor wenigen Jahren kam sie als Jugendliche, die zwar über großes Potenzial verfügte, aber stets die halbe Saison über verletzt war, über einen Zufall zu Dirk Lösel. Peu à peu wurde an Mayers Verletzungsanfälligkeit gearbeitet, sodass diese immer mehr ihre Möglichkeiten abrufen konnte – und bereits im vergangenen Jahr ihren Olympia-Traum in Brasilien verwirklichen konnte. Nun bastelt sie an der nächsten Olympia-Teilnahme, und vielleicht gelingt es sogar noch dem einen oder anderen aus der Gruppe, es ihr gleichzutun und einmal die Spiele als Athlet mitzuerleben.

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