14. April 2018, 12:00 Uhr

Eine Institution

Michael Krayl beim RSV Lahn-Dill »Mädchen für alles«

Michael Krayl hat alles im Blick. Wenn die Rollis in der August-Bebel-Halle ihre Spiele austragen, hat der 61-Jährige schon einen Teil seiner Arbeit verrichtet. Seine Inspektionsrunden dreht er dennoch.
14. April 2018, 12:00 Uhr
Michael Krayl kümmert sich beim RSV Lahn-Dill nicht nur um die Bälle. (Foto: ras)

Ohne Händeschütteln, ein Schwätzchen oder nur ein kurzes Hallo kommt Michael Krayl nicht aus, wenn er nach dem Rechten sieht. Er ist mittlerweile eine Institution beim RSV Lahn-Dill. Seit acht Jahren ist er beim Rollstuhlbasketball-Bundesligisten bei den Heimspielen oder den zahlreichen nationalen und internationalen Topevents des Clubs für den Hallenauf- und -abbau verantwortlich. Er stimmt sich dabei mit Sebastian Block und seiner Crew ab. »Ich bin Mädchen für alles«, erklärt der gebürtige Wetzlarer Krayl.

Schulpromotion mit Haller

Zusammen mit Flügelspieler Jan Haller richtet er zudem die Schulpromos aus. Ruckzuck sind die zehn Sportrollstühle in den Bus eingeladen. Ab geht die Fahrt zu den Schulen – und dort bringen die beiden den Kids seit Jahren den Rollstuhlbasketball näher. »Wir zeigen den Schülern, wie es geht«, sprudelt es aus ihm heraus. Und seine Augen leuchten dabei, als er sagt: »Das ist eine richtig geile Sache!«

Doch Krayl ist nicht nur bei den Rollis bekannt. Zuvor war sozusagen die Gießener Osthalle sein »Wohnzimmer«. Ehe er bei den Lahn-Dill-Rollis mitarbeitete, war er bei den Gießener Basketballern aktiv: Elf Jahre lang war er ein fester Bestandteil bei den Gießen 46ers.

Elf Jahre auch bei den 46ers

»Ich habe im Bereich der Security gearbeitet. Dirk Walldorf und ich haben das Ganze organisiert und letztlich durchgeführt. Wir waren eine geile Truppe mit fast nur Studenten«, erinnert er sich gerne an die alten Zeiten. Als Fanbetreuer und Mitorganisator der Auswärtsfahrten fungierte Krayl ebenfalls. Noch heute hält er viele Kontakte aus jener Zeit. Mittlerweile hätten die damaligen Jugendlichen schon Familien und Kinder. An den Freundschaften habe sich aber nicht geändert.

Rollstuhlbasketball, egal in welcher Liga, ist das beste Beispiel für die pure Inklusion

Michael Krayl

In den elf Jahren seines Schaffens bei den Gießener Korbjägern hatte er indes mal einen ganz außergewöhnlichen Job: »Für ein paar Wochen war ich unter dem früheren Headcoach Björn Harmsen Mannschaftsbetreuer.« Das hielt er aber nicht lange aus. »Ich wollte und konnte nicht 24 Stunden standby stehen«, liefert er die Erklärung gleich mit, dass aus dieser Funktion nur eine kurze Episode wurde. »Das war eine tolle Zeit bei den 46ers«, sagt er. Und wenn es seine Zeit zu lässt, besucht er auch die Heimspiele der aktuellen Mannschaft von Coach Ingo Freyer. »Ich freue mich, wenn es bei ihnen läuft.«

U23-Torwarttrainer von Hüttenberg

Obwohl er Pensionär ist, ist seine Zeit knapp bemessen, sein Tag voll und ganz mit verschiedenen Aktivitäten ausgefüllt. So betreute er unter anderem beim Wetzlarer Jugendamt straffällig gewordene Jugendliche. Und jeden Dienstag geht es in die Grundschule Hermannstein, wo er knapp zwei Stunden lang mit 25 bis 30 Schülern Abenteuerunterricht absolviert. Das geschieht in Kooperation mit Schule, Verein und dem Landessportbund. »Da geht es darum, dass Kinder ihren Punkt finden und Respekt lernen.« Seit zwei Jahren agiert er außerdem noch als Torwarttrainer der U23-Handballer des TV 05/07 Hüttenberg. In früheren Zeiten stand Krayl ebenfalls im Tor Hüttenberger Jugendmannschaften. An seinen damaligen Trainer Norbert Bach kann er sich noch gut erinnern.

Das Miteinander, Respekt, Fairness. Das sind für Krayl die Gründe, warum er sich so facettenreich engagiert. Von enormer Bedeutung ist ihm außerdem die Wertschätzung der Arbeit des anderen. Das sei bei den Rollis sehr tief verankert. »Es wird immer über Inklusion diskutiert. Rollstuhlbasketball, egal in welcher Liga, ist das beste Beispiel für die pure Inklusion. Männer, Frauen, Handicap, kein Handicap, jung, alt, alles in einer Mannschaft. Mehr kann man bei Inklusion nicht erreichen«, erklärt Krayl.

35 Jahre lang bei der Polizei

Er war knapp 35 Jahre lang Polizeibeamter und hatte in der Zeit einen schweren Verkehrsunfall, der ihn lange zu Hause blieben ließ. Er habe es aber zurück in den Dienst geschafft. Letztlich wurde Krayl aufgrund der Unfallspätfolgen pensoniert – gegen seinen Willen. Nach dreijährigem Rechtsstreit gab er auf – und nahm die neuen Herausforderungen als Pensionär an.

Als vierfacher Vater sowie vierfacher Opa und den zahlreichen Aktivitäten ginge es ihm hervorragend. Und langweilig wird es ihm so schnell auch nicht – auch wenn am heutigen Samstag vorerst das letzte Heimspiel der Saison des RSV Lahn-Dill ansteht, der die Thuringia Bulls um 19.30 Uhr zum ersten DM-Playoff-Finalknaller in Krayls »Wohnzimmer« bittet.

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