17. Februar 2018, 07:30 Uhr

Taktikfuchs

Matchplan des Wetzlarer Trainers geht auf

Die HSG-Sensation in Kiel ist einmal mehr der Beleg, dass Spiele nicht alleine auf dem Parkett entschieden werden. Auch das Trainerduell geht wiederholt an den Kultcoach der Mittelhessen.
17. Februar 2018, 07:30 Uhr
Die Sensation ist perfekt: Stefan Kneer (4) trifft 27 Sekunden vor Schluss gegen die Kieler Patrick Wiencek und Andreas Wolff zum 26:24 für die HSG Wetzlar. (Foto: Bergmann)

HSG Wetzlar


Wetzlars herausragender Kreisläufer Anton Lindskog kam nach dem Schlusspfiff sofort auf den Punkt. Der Schwede hatte als Kohlbacher-Ersatz gleich sieben Mal getroffen. »Wie wir hier aufgetreten sind, das war beeindruckend. Kai Wandschneider hat uns einen klaren Plan mitgegeben und wir haben diesen zu 100 Prozent umgesetzt!«

Der so gelobte 57-jährige Coach der Grün-Weißen taktierte und dirigierte von der ersten bis zur letzten Minute an der Seitenlinie, derweil sein Gegenüber Alfred Gislason in seiner Unzufriedenheit allzu oft den Disput mit Schiedsgericht und Schiedsrichtern suchte.

Dass Anton Lindskog in die Kohlbacher-Bresche springen konnte, ist das Verdienst akribischer Trainingsarbeit. Dass der am Saisonende scheidende Philipp Pöter seit der EM-Pause aufspielt, als hätte er einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben, ist der herausragenden Menschenführung der sportlichen Leitung zuzuschreiben. Dass Stefan Kneer plötzlich mutig spielt und auch trifft, ist das Resultat monatelanger mentaler Aufbauarbeit auch zwischen den Spiel- und Trainingszeiten.

Den Kielern half am Donnerstag das überzogene Anhalten der Hallenuhr selbst nach Kleinigkeiten nicht; den Vujin, Zarabec und Co. halfen alle Deckungsumstellungen nicht. Der THW-Startruppe fehlte sogar jene Cool- und Cleverness, die die Wetzlarer in den letzten 53 Sekunden auszeichnete, als Miha Zarabec noch einmal auf 24:25 verkürzt hatte, Stefan Kneer mit seinem knackigen Rückraumwurf zum 26:24 den Sack aber verdientermaßen sofort zumachte.

Der historische Triumph im Norden war einmal mehr Beleg für die herausragende Detailarbeit des Trainerteams der letzten fünf Jahre. Aufzuzählen, wer alles von Kai Wandschneider/Jasmin Camdzic seitdem weiterentwickelt wurde, hieße Sand an den Kieler Ostseestrand zu tragen. In dieser Spielzeit heißen die Fäths und Wolffs eben Hermann, Lindskog und Forsell-Schefvert; nächstes Jahr werden es wieder andere sein. Kleines Budget, große Leistung! Seit Jahren. 20:22 Punkte, Tabellen-9. und das DHB-Pokal-Final 4 in Aussicht. In zwei Wochen im DHB-Pokal-Viertelfinale gegen den TVB Stuttgart wird ganz Handball-Mittelhessen berauscht hinter dieser großartigen HSG Wetzlar stehen – in welcher Besetzung auch immer.

Derweil darf sich der große THW Kiel erneut von seinen Titelträumen verabschieden und vielleicht auch von der Vorstellung, dass Coach Alfred Gislason auch ohne die ganz Großen der Handball-Welt wie einst Omeyer und Karabatic, wie einst Wislander und Ahlm zu ganz besonderen Taten fähig ist. Nicht nur die Mannschaft gerät unter Druck.

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