24. März 2018, 06:55 Uhr

20 Jahre Bundesliga

Markus Baur: »Es war gigantisch«

Dutzende von Nationalspielern haben in 20 Jahren Handball-Bundesliga das Trikot der HSG Wetzlar übergezogen, darunter haben viele nachhaltig Eindruck hinterlassen.
24. März 2018, 06:55 Uhr

HSG Wetzlar


Das schließt einen Steffen Fäth und weitere Nationalspieler nicht aus, die an anderer Stelle in unserer Nostalgie-Serie berücksichtigt sind, zeigt aber, dass die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen vs. HSG D/M Wetzlar vs. HSG Wetzlar in den beiden vergangenen Jahrzehnten zurecht ihren Platz im deutschen Handball-Establishment eingenommen hat.

Markus Baur (1998-2001) , der vom TV Niederwürzbach gekommene geniale Spielmacher, wurde zu seiner Zeit bei den Grün-Weißen sogar »Handballer des Jahres« und gehörte 2007 dem deutschen Weltmeister-Team an. Der heute 47-Jährige erreichte mit der HSG 2001 letztmals das DHB-Pokal-Final 4 in Hamburg und entwickelte sich unter Trainer Velimir Petkovic zu einem von Europas besten Mittelmännern. »Die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen ist eine einzige Erfolgsgeschichte«, sagt Baur heute, »vom Zweitliga-Dorfverein zu einem etablierten mittelstädtischen Erstligisten.« »Schorsch« Baur war der erste von vielen hochkarätigen Regisseuren, die das Dutenhofener Handball-Wunder in 20 Jahren Bundesliga möglich machten. Danach folgten Größen wie Nebosja Golic, Timo Salzer und vor allem Ivano Balic. »Es war gigantisch damals«, erinnert sich der Schwabe noch gerne an seine Zeit in Mittelhessen, »die enge Dutenhofener Halle hat uns einige Punkte zusätzlich beschert.« Selbstverständlich kann der im Februar beim TVB Stuttgart als Trainer entlassene Baur »noch die kompletten Teams meiner Zeit in Dutenhofen namentlich aufzählen«, selbst zu den von ihm auf den Halbpositionen in Szene gesetzten Blazo Lisicic und Damir Radoncic hat er noch Kontakt.

 

Axel Geerken (2001 - 2007) , der aktuelle Geschäftsführer des Bundesliga-Rivalen MT Melsungen, wohnt noch heute in Dutenhofen und hat auch aus familiären Gründen die engste Anbindung an die Grün-Weißen. Dass der 45-jährige Torhüter im April 1997 sein Länderspiel-Debüt für Deutschland als Zweitliga-Torhüter der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen feierte und danach noch zehnmal das DHB-Trikot trug, ist nur noch wenigen in Erinnerung. Der gebürtige Oldenburger wechselte vor dem Erstliga-Aufstiegsjahr 1998 zum seinerzeit ruhmreichen TV Großwallstadt und anschließend zu Meister THW Kiel, ehe er nach vier Jahren nach Mittelhessen zurückkehrte und ein halbes Jahrzehnt großen Anteil daran hatte, dass die mittlerweile zur HSG Wetzlar gewordenen Grün-Weißen den Erstliga-Status erhalten konnten. »Es war ein ständiger Überlebenskampf«, blickt Geerken zurück. Die langfristige wirtschaftliche Existenz sicherte aus Geerkens Sicht der Umzug in die Rittal-Arena, er selbst wechselte im Anschluss an seine Spielerkarriere ins Management. »Als Rainer Dotzauer um Hilfe gebeten hat, war ich sofort bereit«, erklärt der gebürtige Oldenburger seinen Wechsel, »wobei ich sowohl als Spieler als auch als Geschäftsführer nebenbei immer noch in meinem Beruf gearbeitet habe.« Ähnlich wie Markus Baur kommen dem Familienvater auch heute am ehesten die heißen Matches in der Dutenhofener Sporthalle in den Sinn. »Da gab es ein Spiel gegen Kiel, das endete glaube ich 24:24, das war so hitzig, da standen für den THW nur noch Lövgren und Torhüter Andersson auf dem Parkett gegen Sechs von uns. Das war 2002/2003, als Julian Duranona für uns spielte.«

Lars Kaufmann (2005-2007) ist einer der wenigen Weltmeister (2007), die zu ihrer aktiven Zeit das Trikot eines heimischen Erstligisten trugen. »Lucky Luke« kam als Zweitliga-Torjäger zur HSG Wetzlar, warf für die Grün-Weißen in zwei Spielzeiten über 300 Tore und wechselte dann zum TBV Lemgo. Seine brachialen Eins-gegen-eins-Aktionen bescherten den Mittelhessen so manchen Punkt, allerdings übersah der 1982 in Görlitz geborene Halblinke bei all seinem Tordrang oftmals seine Mit- und Nebenspieler.

Volker Michel (2007-2009) , Ur-Dornholzhausener, der 38 Tore für das DHB-Team erzielte, galt lange als Hüttenberger Bub, ehe er für zwei Spielzeiten doch das grün-weiße Celtic-Dress überstreifte. Der Linkshänder verfehlte mit 971 Bundesliga-Treffern nur knapp die 1000-Tore-Marke. Als Nationalspieler gehörte er dem vorläufigen WM-Kader 2007 an, wurde dann aber doch nicht nominiert. Mit Timo Salzer als Spielmacher an seiner Seite, »Bruno« Chalkidis am Kreis sowie den lokalen Größen Timm Schneider, Sebastian Weber, Michael Allendorf und Nikolai Weber erreichte Volker Michel in der Rittal-Arena während Mudrow-Ära einen enorm hohen Identifikationsgrad bei den Zuschauern.

Timo Salzer (2006-2012) spielte gefühlt eine halbe Ewigkeit für die HSG Wetzlar in der Bundesliga. Als Backup für Nebojsa Golic verpflichtet, führte der Jugend-, Junioren- und DHB-Nationalspieler vom Trainerwechsel Sighvatsson-Klimpke/Mudrow bis zum Trainerwechsel Chalepo/Wandschneider Regie bei den Mittelhessen. Zu Beginn seiner Wetzlarer Zeit gab es das legendäre 30:29-Herzschlagfinale am letzten Spieltag 2006/2007 gegen den SC Magdeburg, am Ende 2011/2012 die Rettung am vorletzten Spieltag mit dem 25:24-Auswärtscoup beim VfL Gummersbach. Für einen der unvergesslichsten (Foto-) Momente in der Wetzlarer Bundesliga-Geschichte sorgte der heute 34-jährige Schwabe selbst, als er sich bei seinem Abschied am 2. Juni 2012 tief vor dem Wetzlarer Publikum verneigte.

Sven Sören-Christophersen (2008-2010) bildete - rückblickend gesehen - eine der stärksten Wetzlarer Rückraumreihen mit Volker Michel, Chen Pomeranz, Petar Djordjic, Alois Mraz und Timo Salzer oder später Daniel Valo, wechselte dann aber wie einige HSG-Asse nach ihm zu den Füchsen Berlin. Der gebürtige Lübecker, genannt »Smöre« gehört als Nationalspieler zum »Klub der 100« und war zu seiner Zeit bei der HSG Wetzlar in Abwehr und Angriff eine feste Größe. Aktuell trägt der 1,98-m-Hüne das Trikot der TSV Hannover-Burgdorf, nach einer langen und schwerwiegenden Verletzung kommt er überwiegend aber nur noch in der Abwehr zum Einsatz. Mehr als seine 207 Tore in der Saison 2009/2010 bei der HSG Wetzlar warf der heute 32-Jährige in keiner anderen Spielzeit.

Jens Tiedtke (2012-2015) , der es auf 64 Länderspiele brachte, sorgte im Deckungszentrum und als Kreisläufer-Backup für Stabilität im Wetzlarer Gefüge. Trainer Kai Wandschneider schätzte die Verlässlichkeit von »Tito«, der nach einem diagnostizertem Gehirntumor und einer OP wieder zurück in den Leistungssport fand. Der Handballer mit Vorbildcharakter sorgte 2015 nicht zuletzt aufgrund seiner bewegenden Geschichte für eine hochemotionalen Abschied.

Tobias Reichmann (2012-2014): Auch »Air« Reichmann wurde schnell zum Sympathieträger, seine spektakulären Flugeinlagen auch von der Halbposition begeisterten das Publikum. Der heutige Melsunger Flügelflitzer reifte - wie so viele Akteure - unter Trainer Wandschneider zum Nationalspieler, seine Arbeit in Wetzlar legte die Basis für seine späteren EM- und Champions-League-Triumphe mit der Nationalmannschaft und mit VS Kielce/Polen. Einen richtigen Tiefpunkt gab es während seiner Zeit Mittelhessen nicht. Im Gegenteil, Tobias Reichmann war es auch vergönnt, mit dem Mozart des Handballs, Ivano Balic, auf einer Handball-Klaviatur zu spielen.

Michael Müller (2014/15): Eine Spielzeit lang prägte der Linkshänder im rechten Rückraum - stets zeitstrafenbedroht - das Wetzlarer Angriffspiel. Einen Michael Müller hat man lieber im eigenen Team als zum Gegner, davon durften sich die HSG-Anhänger über 34 Spieltage überzeugen. Der 33-Jährige hat zwar 78 Länderspiele auf dem Buckel, zählte im Nationalteam aber nie zu den unverzichtbaren Größen. Mit seinem körperlichen Eins-gegen-eins-Handball verschaffte er der HSG Wetzlar in dem einen Jahr großen Respekt bei den Kontrahenten. Die Grün-Weißen waren plötzlich ein Team, welches sich zu wehren verstand und auch in Göppingen oder Magdeburg nicht mehr einknickte.

Andreas Wolff (2013-2016) , der Eroberer zwischen den Pfosten, ließ seinen Worten stets Taten folgen, brach Wetzlarer Paraden-Rekorde u. a. mit 24 parierten Bällen pro Partie, führte Deutschland im EM-Finale 2016 gegen Spanien zum Titelgewinn und wurde zweimal hintereinander »Handballer des Jahres«. Der Bekanntheitsgrad stieg medial zeitweise in Neuersche Sphären. Der Nationaltorhüter ist ein Spieler mit Ecken und Kanten, nicht immer einfach zu nehmen, aber sportlich für jedes Team der Welt eine Bereicherung. Der 27-Jährige betrachtet die Zusammenarbeit mit dem einstigen spanischen Welttorhüter Jose Hombrados als entscheidenden Faktor für seinen Karrieresprung in Wetzlar: »Ich denke, das war das Wichtigste, was mir überhaupt in meiner gesamten Torhüterkarriere passiert ist. Es war einfach für mich das Optimum. Er war einfach ein hervorragender Lehrer gewesen.«

Jannik Kohlbacher (2015-2018): Der aktuelle Nationalkreisläufer ist das beste Beispiel dafür, welche Handball-Karrieren die HSG Wetzlar ermöglicht hat. Bereits bei der Verpflichtung des 22-Jährigen war klar, dass die HSG für den Odenwälder als Sprungbrett dienen wird. Mit Andreas Wolff, Steffen Fäth, Philipp Weber und Jannik Kohlbacher gehört ein »Wetzlarer Quartett« aktuell zum Stamm der Nationalmannschaft. Kohlbacher setzt die Tradition körperlich präsenter Kreisläufer von »Wolle Klimpke« über Robert Sighvatsson bis Kári Kristján Kristjánsson fort. Zum Abschied bei der HSG möchte Kohlbacher beim Final 4 für Furore sorgen.

 

Die Party

Handball-Erstligist HSG Wetzlar und Hit Radio FFH lassen gemeinsam die Korken knallen. Am heutigen Samstag veranstalten die Grün-Weißen ihre große Jubiläumsparty »20 Jahre Erste Liga« mit einer FFH-Hit Arena in der Sporthalle Dutenhofen. »Alle sind eingeladen! Der Eintritt ist frei«, freut sich HSG-Geschäftsführer Björn Seipp auf einen tollen Abend mit FFH-Moderator und DJ Felix Moese. Der Einlass in die traditionsreiche Sporthalle Dutenhofen, früher auch »größte Kneipe Mittelhessens« genannt, ist um 20 Uhr. Ab 21 Uhr steigt dann die große Disco-Party mit den Bundesliga-Handballern der HSG Wetzlar.

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