02. Februar 2018, 10:00 Uhr

Dreimüller

Kindheitstraum verwirklicht

Nico Dreimüller hat seinen Traum realisiert. Als Bub besuchte er die Spiele des RSV Lahn-Dill. Er war fasziniert vom Rollstuhlbasketball und wollte immer ein Teil der Mannschaft sein. Nun ist er das.
02. Februar 2018, 10:00 Uhr
Akrobatisch: RSV-Aufbauspieler Nico Dreimüller (r.) hält die Balance auf einem Rädchen seines Rollstuhles. (Foto: Theimer)

Eine intensive Übungseinheit im Training der Rollis vom RSV Lahn-Dill – drei gegen zwei auf einen Korb. Nico Dreimüller schließt mit einem Korbleger ab, im nächsten Durchgang erreicht sein Pass genau im richtigen Moment den schneidenden Jan Haller. »Super Timing Nico!«, hallt es durch die Halle. RSV-Cheftrainer Ralf Neumann lobt seinen Aufbauspieler. Er hält große Stücke auf den 20-Jährigen, der im Team des deutschen Meisters schon eine große Rolle einnimmt. Er freut sich auf den heutigen Freitag und Samstag, wenn seine Mannschaft in der Niedergirmeser August-Bebel-Halle um den Einzug ins Champions-League-Viertelfinale kämpft.

Zuversichtlicher Dreimüller

Dreimüller ist zuversichtlich, dass sich der RSV im Feld der fünf Mannschaften durchsetzt. »Wir haben gute Chancen. Galatasaray wird eine harte Aufgabe. Die anderen Teams sind schwer einzuschätzen. Es reicht ja, wenn wir Zweiter werden. Aber unser Ziel ist natürlich, Erster zu werden – wie immer«, sagt er und lächelt dabei. Er weiß aber auch, dass das internationale Turnier eine Frage der Kondition sein wird. Immerhin hat der RSV vier Spiele an zwei aufeinanderfolgende Tagen zu absolvieren – und das auf höchstem europäischen Niveau. »Da müssen wir sehen, dass wir fit sind und auch mit den Kräften haushalten«, so Dreimüller

Einfach wird es nicht, denn mit Galatasaray Istanbul, GSD Porto Torres, den Oldham Owls und CS Meaux hat die Neumann-Truppe vier ehemalige Europapokalsieger vor der Brust. Nur die ersten beiden Klubs ziehen ins Viertelfinale der Königsklasse ein. Auftakt für den RSV ist am heutigen Freitag um 15.30 Uhr gegen den britischen Erstligisten Oldham Owls.

Mehr für die anderen arbeiten

Der Jurastudent im dritten Semester ist durch eine Verengung im Rückenmark seit der Geburt an den Rollstuhl gebunden. »Es war Zufall, dass es passiert ist«, erk lärt Dreimüller. Schon in jungen Jahren war er sportbegeistert, er liebt Ballspiele. Und so kam er zur Jugendabteilung des Frankfurter Rollstuhlsportvereins, zusammen mit Christoph Huber, der nun auch schon seit Jahren sein Temakollege beim RSV ist. Dreimüller ist als ein 2-Punkte-Spieler klassifiziert. Er hat keine Beinfunktion, verfügt aber über eine Rumpfkontrolle.

Im Vergleich zum letzten Jahr hat Dreimüller im RSV-Team aber weniger mit dem Ball zu tun. »Ich bin momentan für die Defensive wichtiger, soll im Angriff für die anderen durchs Kreuzen freie Räume schaffen«, erklärt der gebürtige Frankfurter. Er muss mehr für die anderen arbeiten. Klar, dass er als Spielmacher gerne mehr Verantwortung übernehmen will, doch das ist im topbesetzten Kader des RSV noch nicht möglich. »Wenn ich mit Mike (Paye), Tommy (Böhme) und Brian (Bell) auf dem Feld bin, dann brauchen wir nicht noch jemanden, der mit dem Ball dribbelt.« Seine Zeit kommt noch.

Zum Führungsspieler ausbilden

Der mit viel Potenzial ausgestattete Dreimüller wird weiter ausgebildet. Er lernt, andere Rollen und andere Funktionen auf dem Feld zu übernehmen, die sich meist in Statistiken nicht wiederfinden, aber für eine Mannschaft von enormer Bedeutung sind. In seiner Zeit vor dem RSV war er in Heidelberg der Scorer, der Ballverteiler. Beim RSV kommt er meist zusammen mit Jan Haller als zweite Lineup ins Spiel. Zwischen zehn und 15 Minuten Einsatzzeit erhält der 20-Jährige. »Es könnte schon mehr sein, aber wenn es dann wie beim Sieg gegen Thüringen läuft, bin ich super zufrieden.«

Dreimüller selbst beschreibt sich als »ehrgeizig und lebensfroh«. »Ich bin optimistisch und gelassen, aber auch emotional.«

Seine Rolle in der Zukunft sieht er als die des Spielgestalters. Das sehen auch seine Coaches so – Neumann bei Lahn-Dill und Nicolai Zeltinger als Bundestrainer und Ex-Headcoach des RSV. Sie versuchen, ihn nach und nach zu dieser wichtigen Position hinzuführen. Dreimüller ist in der Lage, eine Mannschaft zu führen. Das kann er sicher auch im August bei der Rollstuhlbasketball-WM in Hamburg im Nationaltrikot unter Beweis stellen. Vorerst sicherlich als Backup hinter seinem RSV-Mannschaftskameraden Jan Haller. Aber das ist für Dreimüller kein Problem. »Ich bin noch jung, habe noch viel vor mir.« Aktuell erst einmal die Qulifikation fürs Champions-League-Viertelfinale.

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