11. Februar 2018, 22:17 Uhr

John Bryant auf MVP-Kurs

Zum zweiten Mal in der laufenden Saison der Basketball-Bundesliga gewinnen die Gießen 46ers bei einem Playoff-Anwärter: Der 95:90-Sieg in Ulm war der letzte Erfolg vor einer dreiwöchigen Pause – und besonders einem Mann zu verdanken.
11. Februar 2018, 22:17 Uhr
Komm in meine Arme: Gießens Benjamin Lischka (r.) herzt nach dem Coup der 46ers bei ratiopharm Ulm seinen freudestrahlenden Kollegen Mahir Agva. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Als John Bryant das Feld verließ, gab es Applaus – nicht unbedingt für ihn, denn die 6200 Zuschauer in der Ratiopharm-Arena waren froh, dass der dominante Center der Gießen 46ers nun mit fünf Fouls nur noch zusehen konnte. Nein, der 2,11-Meter-Riese schickte seine Grüße und seinen Dank an die 15 mitgereisten Gießener Fans unter die Hallendecke. Dafür mussten die Anhänger nach dem Spiel darauf verzichten, dass der Kapitän mit dem Rest der Mannschaft zum Feiern in den Block kam – denn dank 33 Punkten und 13 Rebounds war Bryant bei Telekom Sport zum Interview gefordert.

So schaffte es der ehemalige Ulmer, dass am Ende des Spiels die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte nur noch eine Nebensache war, stattdessen lag der Fokus am Samstagabend auf dem überraschenden 95:90 (55:38)-Sieg der Gießen 46ers bei ratiopharm Ulm.

Vor allem in der ersten Halbzeit waren die Mittelhessen teils dominant aufgetreten, hatten sich 17 Zähler Vorsprung erspielt und aus einer Halle, die normalerweise zu den lautesten der Liga gehört, zwischenzeitlich einen andächtig ruhigen Tempel gemacht, in welchem der Hohepriester »Big John« sich anschickte, ein kleines Wunder zu vollbringen. Am Freitag hatte die BBL bekannt gegeben, dass er gegen Oldenburg keinen neuen Effektivitäts-Rekord aufgestellt hatte, sondern »nur« mit Denis Wucherer gleichgezogen hatte: Im Nachscouting wurden ihm ein Rebound und eine Vorlage wieder aberkannt.

Also schickte sich Bryant nun an, diesen Rekord einfach wieder anzugreifen: Bereits zur Halbzeit hatte er 17 Punkte, zehn Rebounds, drei Assists und drei Blocks verbucht, gut genug für einen Effektivitätswert von 31. Am Ende waren es 33 Zähler, 13 Bretter, vier Vorlagen und drei Zurückweisungen, drei getroffene Dreier und zehn versenkte Freiwürfe bei ebenso vielen Versuchen.

Vor allem aber war es ein Effektivitätswert von 46 – der zweithöchste Wert, der jemals erfasst wurde, nur zwei Wochen nach dem letzten Monsterspiel. Damit hat Bryant allein vier der zehn effektivsten Spiele der Liga in dieser Saison aufs Parkett gelegt und muss bei sämtlichen Wahlberechtigten auf der Shortlist für den wertvollsten Spieler der Saison weit oben stehen.

»Ich spiele einfach jedes Spiel, wie’s gerade kommt. Und ich versuche gar nichts Besonderes, ich will einfach nur Spiele für die Mannschaft gewinnen«, gab sich der Gießener nach der Schlusssirene bescheiden. Freimütig gab er zu, dass das Duell mit seinem Ex-Klub dennoch kein gewöhnliches Spiel war: »Ulm wird für mich immer etwas Besonderes sein: Eine tolle Stadt, ich hatte einen tollen Trainer und tolle Mitspieler.« Sprach’s und verabschiedete sich in eine freie Woche, die er mit seiner Familie in München und den Alpen verbringen wird.

Ingo Freyer hingegen plant einfach Zeit mit seiner Familie und »Basketball gucken, einfach, weil’s mir Spaß macht.« Zu Spielerzeiten war er selber noch in Ulm aktiv, nun entführte sein Team die Punkte von der Donau: »Wir haben taktisch eine Menge richtig gemacht in der ersten Halbzeit, das passiert nicht alle Tage. Dass das so nicht weiter geht und wir mit 30 Punkten gewinnen, ist klar. Der Punkt, warum wir dennoch gewonnen haben, ist, dass wir zu Beginn der zweiten Halbzeit gefühlt nicht gut gespielt, aber immer noch mit zehn, elf Punkten geführt haben.«

Das lag auch daran, dass die Gießener am Brett sehr aktiv waren und gut bei den Rebounds zugriffen: Neben Bryant tat sich hier insbesondere Guard Jeril Taylor hervor, der zehn Bretter fischte. Auch Jamar Abrams, der kurz vor Spielende umknickte, holte sieben Rebounds. Sein Knöchel wurde zunächst mit Eis gekühlt, zum Mannschaftsbus ging es aber ohne Krücken: »Der Knöchel ist getaped, momentan geht’s.«

Nun stehen drei Wochen Pause an: Zunächst findet in der kommenden Woche das Top-Four-Turnier um den Pokal statt, in der Woche darauf ist Länderspielpause. Anfang März geht es dann gegen den momentan kriselnden amtierenden Meister aus Bamberg. Dann sollen nicht nur Abrams, sondern auch die Guards Max Landis und Mauricio Marin wieder mit von der Partie sein. Und natürlich wird John Bryant auch dann wieder eine Menge Applaus bekommen.

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